Vom Magazin zur Zeitung

Am 5. September 1986 wird HORIZONT zur Zeitung

Sonntag, 04. September 2016
Heute vor genau 30 Jahren kam HORIZONT zum ersten Mal als Wochenzeitung auf den Markt. HORIZONT-Chefredakteur Volker Schütz erinnert sich an die ersten, wilden Jahre der Zeitung.

Ist Werbung ein lächelndes Aas, ein bunter eitler Pfau oder eine schöne Kirke, die die Menschen verführt? Oder vielleicht doch – ganz banal – ein nützliches Instrument der Information über Produkte, Services und Marken? Als HORIZONT am 5. September 1986 vom Magazinformat zur Wochenzeitung mit weißem Papier und Farbdruck wurde, gab es noch kein Internet. Aber die Fragen, Forderungen und Wünsche klingen wie die im August 2016: "Marketing und Werbung sind Chefsache", formulierte Oetker-Chef Guido Sandler in der Erstausgabe. Der damalige Chefredakteur Frank Gotta wundert sich im Editorial: "Warum ist die deutsche Werbung so bierernst?" Und der Gesamtaufmacher des Blattes beschäftigt sich mit dem Verdrängungswettbewerb in der Autoindustrie.



Die Themen waren also ähnlich wie heute. Aber die Zeiten waren andere. Wenn "Mad Men" die filmische Verbeugung vor der goldenen Zeit der Werbung ist, dann war "Kir Royal" die perfekte Persiflage auf den Journalismus. Dort als Satire, in HORIZONT selbstverständlich ganz ernsthaft ging es um den Zeitgeist der 80er Jahre: die Startzeit des privaten Fernsehens, Skandale und ein Business, das zu guten Teilen auf Partys und bei alkoholreichen Geschäftsessen verabredet wurde.

So ausufernd wie der Journalistenalltag in „Kir Royal“ waren die Arbeitstage von HORIZONT selbst in den wildesten Zeiten nicht. Aber erfahrene Werber erinnern sich ebenso wie Journalisten, dass es damals in Agenturen und Redaktionen weniger nüchtern zuging als heute. Die Schlussredaktion wurde ganz selbstverständlich vom einen oder anderen Gläschen Sekt, Weißwein oder Pils begleitet. In jedem Büro wurde geraucht. Eine Nichtraucher-Ecke gab es nicht, auch nicht nach dem Umzug 1991 in das neu gebaute dfv-Gebäude auf der Mainzer Landstraße 251, direkt gegenüber vom "FAZ"-Domizil. "FAZ"-Redakteure waren anfangs häufig gesehene Gäste beim Deutschen Fachverlag. Im Haus der klugen Köpfe gab es keine Kantine.


Die Essensfrage war nicht der einzige Punkt, in dem das "kleine" Fachmedienhaus der publizistischen Edelmarke ebenso wie anderen Medien voraus war. Im Oktober 1996 – Horizont war seit einem Monat online – stellte die "FAZ" auf ihrer Homepage den Lesern und sich selbst noch folgende Frage: "Warum veröffentlicht die ,FAZ‘ im Internet nicht eine elektronische Ausgabe der Zeitung?" Die Antwort: "Die gedruckte Ausgabe ist die beste Form für die ,Frankfurter Allgemeine‘ – wir verlesen unsere Texte ja auch nicht im Radio." Die Zeiten haben sich geändert.

HORIZONT 
hat sich schnell als Medienmarke etabliert. Als Außenseiter auf einem scheinbar bereits besetzten Markt gestartet, ist unser Titel heute die Nummer 1 unter den Kommunikations-Fachmedien. Die Printausgabe erreicht wöchentlich etwa 120000 Leser, über 300.000 Unique User kommen monatlich auf HORIZONT Online, mehr als 2000 Experten und Entscheider nehmen an Kongressen und anderen Events teil. Und der Horizont Award für die Männer und Frauen der Branche ist die begehrteste Auszeichnung in der Kommunikationsbranche.

Das heißt nicht, dass HORIZONT im Verlauf der letzten 1500 Zeitungsausgaben immun gewesen wäre gegen Wirrungen der New Economy, Konjunktureinbrüche oder die Bankenkrise. Und dass jeder Autor jeden seiner Kommentare noch genauso schreiben würde, wie er einst gedruckt wurde. Unverändert ist aber die Ambition, qualitativ hochwertigen Journalismus für Marketing, Agenturen und Medien zu liefern.

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