SXSW-Liebling Splash

Kommt das nächste große Ding aus Berlin?

Dienstag, 15. März 2016
Die South by Southwest gilt neben der CES in Las Vegas als einer der großen Hot Spots der Digitalbranche. Was in Austin gehypt wird, hat durchaus das Zeug zum nächsten großen Ding. Umso bemerkenswerter, dass eine Idee aus Deutschland nun einen Ideenwettbewerb auf der SXSW gewonnen hat – und das auch noch im Boom-Segment Virtual Reality. Grund genug für HORIZONT Online, sich die App Splash einmal genauer anzusehen.
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Offen gestanden: Ich hatte von Splash noch nie zuvor gehört. Was nicht das Schlechteste sein muss, wenn man unvoreingenommen an ein neues Produkt herangehen will. Ganz wichtig bei neuen Apps ist, wie schnell der Nutzer loslegen kann. Und das geht bei Splash außerordentlich schnell. Entweder man loggt sich via Facebook ein oder lässt sich einen Login per E-Mail schicken. Fertig.



Die Benutzeroberfläche ist relativ simpel: In der Mitte der Symbolleiste am unteren Rand befindet sich das Kamera-Symbol. Dort passiert die eigentliche Magie. Ein kleines Tutorial erklärt einem nach dem ersten Öffnen der App, wie es funktioniert: Per Tap auf den grünen Kreis nimmt man ein Foto auf. Dann schwenkt man das Smartphone eine Kamera-Breite weiter und wiederholt das Ganze. Auf Wunsch kann man den Kreis gedrückt halten und dadurch ein Video aufnehmen – inklusive Ton. Die App setzt anschließend die einzelnen Bild- oder Video-Sequenzen zusammen. Auf diese Weise kann man sich einmal um die eigene Achse drehen und kreiert damit ein 360-Panorama seiner direkten Umgebung. Die Startseite der App präsentiert einem Splashs, die andere User bereits aufgenommen haben. Durch Swipen kann man sich die gesamte Szenerie eines Videos ansehen, durch einen Tap auf einen kleinen Pfeil am Rand kommt man zum nächsten bzw. vorherigen Splash. In der Footer-Leiste gibt es neben dem Home-Symbol noch weitere Buttons: Der Stern zeigt einem Themen, die aktuell in der App trenden – derzeit ist das etwa die SXSW. Ein Konterfei-Symbol bringt einem zum eigenen Profil, wo die Splashs gesammelt werden, die man selbst gemacht hat.

Ungewöhnlich – und durchaus gewöhnungsbedürftig – ist die Bildkomposition. Zwar erkennt die App erstaunlich gut, wo die jeweiligen Bildränder liegen und gleicht Überlappungen dadurch aus. Die mitten ins Stillleben hineingeschnittenen Bewegtbilder wirken jedoch teilweise recht bizarr. Splash-Mitgründer Michael Ronen erklärte dies auf SXSW allerdings zum Vorteil der App: Jeder Splash stelle dadurch das heraus, was der Nutzer als besonders relevant erachtet hat. Nette Spielerei am Rande: Bestimmte Ausschnitte in einer Bewegtbild-Sequenz lassen sich mit einem zweifachen Tap liken. Auf einer "Heat-Map" kann man sehen, welche Bereiche besonders oft favorisiert wurden.
So sieht es aus, wenn man einen Splash aufnimmt
© Screenshot
So sieht es aus, wenn man einen Splash aufnimmt
Der wahre Clou jedoch: 360-Grad-Erfahrungen zu erstellen, wird durch Splash für jeden möglich, der ein iPhone besitzt (eine Android-Version soll noch folgen). Ronen übertrieb nicht, als er sagte, dass die App Virtual Reality demokratisiere. Bislang brauchte es aufwändiges oder teures Equipment, um für den Rundumblick zu sorgen. Zudem wird jeder Splash zu einem Unikat: Mehrere User, die sich am selben Ort befinden, heben  wahrscheinlich unterschiedliche Ausschnitte hervor.


Natürlich befindet sich Splash gerade erst am Anfang. Die App ist erst seit ein paar Tagen im App-Store verfügbar. Auch scheint die Begeisterung der Branche nicht so groß wie im vergangenen Jahr bei Meerkat – von Robert Scoble einmal abgesehen. Der bekannte Tech-Blogger zeigte sich von der App ziemlich beeindruckt. Aber allein die Tatsache, dass die Idee in einem Pitch auf einer der angesagtesten Technologie-Messen der Welt gewinnt, zeigt ihr Potenzial. Dabei ist Splash derzeit noch auf Investoren und öffentliche Förderung angewiesen. Wollen die Berliner auch massentauglich werden, wird das wohl nicht ohne zusätzliche Finanzierung gehen, sei es durch eine Bezahlversion oder Werbung. Überhaupt Werbung: Noch ist nicht abzusehen, inwieweit Splash interessant für die Markenartikel-Industrie sein könnte. Um die Nikes, Coca-Colas und Procter & Gambles dieser Welt anzulocken, muss die App sich erst einmal etablieren. Also eine ähnliche Entwicklung nehmen wie Instagram oder Snapchat.

So gesehen ist es eine kluge Strategie der Macher, Influencer für die Nutzung der App zu begeistern. Dies hatte Ronen in einem Interview angekündigt. Worauf ein Social-Media-Star mit mehreren Millionen Followern abfährt, das zieht auch andere in seinen Bann. Insofern war das Interview mit Robert Scoble schonmal ein schlauer Schachzug. ire

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