Tour de France im TV

Warum der Radsport eine neue Chance verdient hat

Donnerstag, 25. September 2014
Das Interesse der Zuschauer ist groß, die Dopingproblematik scheint ernsthaft angegangen worden zu sein, und auch deutsche Sponsoren trauen sich wieder an den Radsport heran. Es ist daher an der Zeit, dass die Sportart in den Medien wieder eine Chance bekommt.

Wer wie in diesem Jahr Marcel Kittel bei der Tour de France hervorragende vier Etappen gewinnt, hat es eigentlich verdient, dass Fernsehdeutschland ihm live zujubelt. Allein, viele werden Kittels Erfolge allenfalls in kurzen Zusammenfassungen erlebt haben. ARD und ZDF sind 2012 endgültig aus der Live-Berichterstattung beim härtesten Radrennen der Welt ausgestiegen. Zu groß war der Reputationsverlust der Sportart, die in den Jahren zuvor vor allem durch Dopingskandale für Schlagzeilen sorgte.


Das Interesse der Zuschauer war jedoch nie wirklich weg. Selbst der Nischensender Eurosport erzielte in diesem Jahr im Schnitt 3,4 Prozent Marktanteil mit seinen Tourübertragungen. Und erst kürzlich bestätigte eine repräsentative Umfrage der ARD: Gut die Hälfte der Deutschen will die Tour live im TV verfolgen – trotz aller nach wie vor vorhandenen Bedenken im Hinblick auf die Doping-Problematik.

Es wäre selbstrendend naiv zu glauben, dass der Radsport heute komplett sauber ist. Doch dass sich der Wind hier gedreht hat, ist unübersehbar: Mit Marcel Kittel, Tony Martin, John Degenkolb und Andre Greipel – um nur die Etabliertesten zu nennen – hat Deutschland seit einigen Jahren Radprofis, die für eine neue Generation stehen. Eine Generation, die auch abseits von Arbeitsverträgen nicht müde wird, klare und glaubhafte Bekenntnisse gegen Doping abzugeben – und die überdies erfolgreich ist. Kann sich eine Sportart bessere Aushängeschilder wünschen?

Die Wirtschaft zieht ihre Konsequenzen bereits: Das bayerische Küchentechnikunternehmen Bora wird ab dem kommenden Jahr Namensgeber des Teams NetApp Endura. Und Alpecin wird gar Hauptsponsor der Mannschaft Giant-Shimano, bei der Kittel und Degenkolb unter Vertrag stehen. Damit kehrt der Radsport in Deutschland wieder auf die große Bühne zurück. Es ist nur angemessen, wenn ARD und ZDF ihren Teil dazu beitragen. ire



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