Nachruf

Roberto Sprengel ist gegangen und wird doch immer da sein

Montag, 11. Dezember 2017
Die Medienbranche trauert um Roberto Sprengel. Der Geschäftsführer von Brand Media, der 22 Jahre lang in der Ganske Verlagsgruppe und dem Jahreszeiten Verlag wirkte, ist am 5. Dezember im Alter von 53 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben. Seine langjährigen Weggefährten Helma Spieker und Peter Rensmann würdigen Sprengel in einem persönlichen Nachruf. 

Einen Tag vor Nikolaus mussten wir bestürzt und sehr traurig von Roberto Sprengel Abschied nehmen. Roberto wurde 53 Jahre alt. Über 22 Jahre lang hat er im JAHRESZEITEN VERLAG, wo wir ihn beide kennenlernen durften, die Vermarktung maßgebend geprägt. Wir haben einen guten einzigartigen Freund verloren, der immer ein Teil von uns sein wird.



Roberto Sprengel war ein außergewöhnlicher Mensch von höchster Kompetenz und Menschlichkeit - inspirierend, geradeaus, energiegeladen, humorvoll, offen und hilfsbereit.

Roberto Sprengel wurde nur 53 Jahre alt
© Jalag
Roberto Sprengel wurde nur 53 Jahre alt
Und ein engagierter Verkäufer war er auch. Sein verkäuferisches Talent zeigte er bereits in seiner Ausbildung bei der Hamburger Commerzbank. Als er dort - als ein erst wenige Wochen aktiver Azubi - Telefondienst hatte und ein angesehener maritimer Investor telefonisch bei ihm landete und niemand aus der Anlageberatung greifbar war, notierte er keinesfalls einen Rückruf, sondern platzierte mit den Worte, "Da habe ich ´was für Sie!" ein Fondspaket der Bank. Als sein zuständiger Chef Tage später mit dem Kunden sprach, fiel dieser Chef aus allen Wolken, weil sein Azubi jenseits aller Schulterklappen und Vorschriften bereits erfolgreich gewesen war und der Kunde auch weiter "nur mit Herrn Sprengel" sprechen wollte.


Als Roberto sich nach der CoBa-Ausbildung beim Heinrich Bauer Verlag für eine Stelle im Personalbereich bewarb, erkannten seine damaligen Gesprächspartner sofort: Dieser Mann gehört in den Anzeigenverkauf! Und so war es dann auch, in wenigen Jahren stieg Roberto beim HBV zum Anzeigenchef des "Playboy" auf. Aus dieser Position wechselte er in gleicher Funktion zum JAHRESZEITEN VERLAG,  wo er die Magazine „A&W Architektur & Wohnen“ und „DER FEINSCHMECKER“ zu den marktführenden Institutionen machte, die sie bis heute sind.

Seine Aufgaben in der GANSKE VERLAGSGRUPPE, zuletzt als Geschäftsführer von BM BRAND MEDIA, wurden für ihn zu einem zentralen Bestandteil seines Lebens. 1995 begann seine Karriere zwischen großer Kulinarik auf den festlichen Events von DER FEINSCHMECKER an den Wochenenden und der werktäglichen Currywurst auf dem fußläufigen Goldbekmarkt. In beiden Welten fühlte er sich bis zuletzt genauso wohl.

Roberto machte seinen Beruf zu seiner Berufung. Bei ihm verschmolzen Professionalität und Leidenschaft für die Premium-Magazine zu einer überzeugenden und ehrlichen Mixtur.

Mit der Mutter aus Brasilien und dem Vater als hanseatischem, Kaffee importierenden Kaufmann erinnert (der Name) Roberto Sprengel spontan sofort an Thomas Manns norddeutsche Romanfigur Tonio Kröger. Und es gibt tatsächlich einige Parallelen, wobei sich bei Roberto die Lebenslinien und Charakteristika von Tonio Kröger und Hans Hansen vermischen und Hans Hansen eindeutig größere Anteile hat.

Seine sympathische gewinnende Schlagfertigkeit hat viel mit seinen brasilianischen Wurzeln zu tun, aber ganz tief drinnen war Roberto wahrhaftig hanseatisch – weltoffen, großzügig, geerdet und auch ein bissel konservativ im besten Sinne der Worte. Sein Sinn für Gerechtigkeit und sein Wille, sich dafür einzusetzen, wurde von Gesprächspartnern, die ihn nicht so gut kannten, zuweilen als kantig oder dickköpfig wahrgenommen.

An dieser Stelle und - nur an dieser - unterscheiden sich im Hinblick auf Robertos Diskussionstemperament unsere Erfahrungen. Helma und Roberto waren sich in Besprechungen durchgängig und unmittelbar "erschreckend einig" - während Peter und Roberto Auffassungsunterschiede in hausinternen Objektteams gerne hitzig verlagsöffentlich ausgetragen haben, um dann zum Erstaunen der beteiligten Kollegen eine halbe Stunde später beim Lunch schon wieder vertrauensvoll zu scherzen. Roberto war nie nachtragend und auch bei komplizierten Problemen war das Glas für ihn immer mindestens halbvoll. Seine positive Energie war ansteckend.

Roberto ist ein hochprofessioneller und geschäftlich überaus kompetenter Sparringspartner und gleichzeitig auf privater Ebene ein guter und verlässlicher Freund. Diese Kombination ist selten und sie hat Roberto ausgemacht.

In den letzten Tagen erreichten uns und viele Kolleginnen und Kollegen in der Verlagsgruppe viele Anrufe, Briefe und Emails von Weggefährten aus der Branche und von Geschäftspartnern, die uns zeigen, dass sehr sehr viele Menschen Roberto ganz genauso erlebt haben wie wir ihn hier beschreiben.

Für diese Wertschätzungen möchten wir auch an dieser Stelle Danke sagen. Roberto war ein fantastischer Freund und das Leben wird jetzt anders, fremd, auch schmerzhaft sein ohne ihn. Andererseits ist er weiter bei uns, irgendwie und für immer. Wir denken in diesen Tagen mit herzlicher Anteilnahme an seine Familie und seine Freunde.

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