Maschmeyer & Co

Warum die neuen Gründer-Shows im TV nicht zünden wollen

Mittwoch, 11. April 2018
Die Sender haben lange genug zugesehen: Nachdem die Vox-Show "Die Höhle der Löwen" Staffel für Staffel Quotenerfolge verbuchen konnte, sprießen auf den Sendern der P7S1-Gruppe die Gründer-Shows aus dem Boden. Nur: Die Zuschauerzahlen sind extrem enttäuschend. Es scheint, als gäbe es schlichtweg keine Nachfrage für weitere Gründer-Shows. Doch die Sender kündigen bereits die nächsten Formate an.
Als vor etwa vier Jahren die erste Folge der Gründer-Show "Die Höhle der Löwen" (DHDL) auf Vox ausgestrahlt wurde, konnte niemand wirklich ahnen, wie gut diese beim TV-Publikum ankommen würde. Die im vergangenen Jahr ausgestrahlte Staffel knackte sogar erstmals die 20-Prozent-Marke bei den 14- bis 49-Jährigen. "Wir konnten beweisen, dass Start-up-Sendungen massentauglich sind", resümierte DHDL-Juror Frank Thelen erst kürzlich im HORIZONT Podcast.

Zwar tummeln sich im TV-Programm mittlerweile zwei DHDL-Klone Gründer-Shows - "Das Ding des Jahres" auf Pro Sieben und "Start-Up!" auf Sat 1 - doch Thelens Prädikat "massentauglich" haben diese Formate bislang nicht verdient. Im Gegenteil: Während das von Stefan Raab produzierte "Das Ding des Jahres" in der vierten Folge mit nur noch 9,2 Prozent bei 0,94 Millionen werberelevanten Zuschauern nicht einmal mehr die Zweistelligkeit erreichte, ging Carsten Maschmeyers Sendung "Start Up!" vergangene Woche mit nur noch 650.000 Zuschauern und 4,3 Prozent Marktanteil sogar komplett baden.

Da half auch die kuriose PR-Maßnahme nicht, bei der Maschmeyer den Nutzern für den fiesesten Kommentar zur Sendung 10.000 Euro bot. Was als lustige Twitter-Aktion daherkommen sollte, war wohl eher eine Art Verzweiflungstat, um die Zuschauer vor den Fernseher zu locken. Für die nächste Folge, die heute Abend um 20:15 Uhr ausgestrahlt wird, ist - zumindest bis jetzt - noch keine solche PR-Aktion angelaufen.

Nun stellt sich die Frage, warum "Das Ding des Jahres" und "Start Up" floppen, wenn doch "Die Höhle der Löwen" den Weg frei gemacht hat für Gründer-Shows im Fernsehen. Zum einen liegt es an der Ausrichtung der Formate, die nicht so wirklich überzeugen kann. Denn wer beispielsweise ausgeklügelte Produkte sehen will, Business-Pläne oder konkrete Zahlen, der ist bei "Das Ding des Jahres" falsch. Stattdessen wird ein Produkt namens "Sockenkuss" angepriesen, von dem man nicht weiß, ob es ein Alltagsproblem löst oder erst recht eines schafft. Ein Kulturschock für den DHDL-sozialisierten Zuschauer. Hinzu kommt, dass die Erfindungen eher eine Nebenrolle in der Sendung einnehmen. Vielmehr geht es darum, einem Model, einem TV-Entertainer und dem Rewe-Einkaufschef - der wohl als einziger die Bezeichnung "Experte" verdient hat - beim Ausprobieren der unausgereiften Produkte zuzusehen. Gewonnen hatte schließlich ein faltbarer Anhänger namens "Faltlos".

Und Maschmeyers Sendung "Start Up!"? Beworben wurde das Format, das anfangs dummerweise mit Tonproblemen zu kämpfen hatte, als Gründersendung, in der eine Expertenjury die persönliche Entwicklung der Gründer und ihrer jeweiligen Produktidee begleitet. Gleichzeitig müssen die Kandidaten jede Woche unterschiedliche Challenges meistern. Challenges? Jede Woche wird ausgesiebt? Coaching? Das erinnert wohl viele Zuschauer zu sehr an "Germanys Next Topmodel". Erst recht, wenn Maschmeyer seine Teilnehmer wie jede Woche mit den Worten "Ich möchte mir dir kein Start-up gründen" abwatscht. So richtig zünden will also keine Gründershow neben DHDL. Doch statt auf die Bremse zu drücken, planen die Sender schon fleißig die nächsten Formate. Pro Sieben hat jüngst angekündigt, mit dem ehemaligen DHDL-Juror Jochen Schweizer die Sendung "Mein Traumjob" ins TV zu bringen. Gesucht wird laut Pro Sieben ein "abenteuerlustiger Querdenker mit Adrenalin im Blut und Visionen im Kopf". Dem Gewinner winkt eine Anstellung als Geschäftsführer bei Jochen Schweizer mit sechstelligem Jahresgehalt.

Und RTL will offenbar auch noch schnell auf den Zug aufspringen. Laut Gründerszene plant der Kölner Sender eine eigene Gründer-Doku mit Promis aus der Modebranche. ron





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