Karriere

Warum Internet-Konzerne so attraktiv für Top-Manager sind

Dienstag, 17. Februar 2015
Die überraschende Ernennung von Marianne Dölz zur DACH-Chefin von Facebook ist ein erneuter Beleg dafür, wie attraktiv Internetkonzerne inzwischen für Topmanager mit eher klassischem Hintergrund sind. Und sie unterstreicht, dass Marken- und Media-Know-how für die werbefinanzierten Google, Facebook und Co immer wichtiger wird.

Was haben Marianne Dölz, Oliver Rosenthal und Philipp Missler gemeinsam?

Die Beispiele der drei Topmanager mögen auf den ersten Blick aus der Luft gegriffen sein. Doch in Wirklichkeit sind sie die Spitze eines Eisbergs. Insbesondere aus dem Agentur- und Vermarkterumfeld mehren sich die Klagen darüber, dass die großen Konzerne beinahe übermächtige Konkurrenten beim Kampf um Talente sind.

Insofern belegen Dölz, Rosenthal und Missler eine Entwicklung, die noch weiter zunehmen  dürfte: Google, Facebook und andere werden bei Topmanagern aus dem Bereich der „Old Economy“ zunehmend attraktivere Alternativen.


Daran sind die klassischen Medien teilweise selbst schuld.

  • Print hadert seit Jahren mit sich selbst, und nicht nur auf Kongressen wird eher beschworen als eingelöst, dass Magazine und Zeitungen eine Zukunft haben – eine Selbstkasteiung, die es den Konkurrenten relativ leicht macht, Print zum vermeintlichen Verlierer auf dem Werbe- und Nutzer/Leser-Markt zu machen.
  • Fernsehen ist nach wie vor das größte Massenmedium, aber Streamingdienste wie Netflix wirken innovativer und zukunftsorientierter als die zehnte Staffel von Germany’s Next Topmodel.
  • Die Onlinevermarkter mit klassischem Medienhintergrund konnten jahrelang imponierende Zuwachsraten vermelden. Doch selbst dieses Digitalwachstum verblasst neben den El-Dorado-artigen Verheißungen  von Google und Facebook.
  • Die verzweifelten Aufschreie von Medien und Agenturen über Mindestlohn und Praktikantengehälter werden in der Internet-Szene teilweise eher amüsiert zur Kenntnis genommen. Für Andreas Winiarski, Sprecher der Samwer-Holding Rocket Internet,  steht fest, dass man mit unterbezahlten Mitarbeitern keine Internet-Marken aufbauen kann:  „Was zählt, ist Leistung und Talent, und das muss anständig bezahlt werden.“

    „We’re just in it for the money.“ Frank Zappa hat natürlich grundsätzlich Recht. Die Verdienstmöglichkeiten spielen beim War for Talents, besser gesagt, War for Top-Executives, eine wichtige Rolle, und das nicht von ungefähr. Die Marktmacht der großen Internet-Konzerne mag sich zwar Algorithmen und der  Fähigkeit, Daten zu sammeln und zu verknüpfen, verdanken.  Aber vor dem Algorithmus kommt der Mensch. Will sagen: Der Erfolg vieler Internet-Unternehmen basiert auch darauf, dass sie seit Jahren in der Lage sind, die besten Köpfe zu akquirieren und um sich zu scharen. Klar kostet das Geld. Viel Geld. Aber Umsatz und Börsenkurs zeigen, wie sehr Investitionen in Köpfe gut angelegtes Geld sein können.

    Damit nicht genug. Aus den einstigen Digital-Exoten sind längst etablierte und dominierende Player geworden. Und umso härter der Kampf um die Werbemillionen wird, desto mehr sind auch die Internet-Konzerne auf Know-how aus den klassischen Medien und/oder Mediaagenturen angewiesen. Von daher passt die Vita von Marianne Dölz ideal auf die Facebook-Bedürfnisse (Facebook-Europachefin Nicola Mendelsohn ist eine ehemalige Managerin von Bartle Bogle Hegarty): Sie ist gut vernetzt, kennt das Medien- und Mediageschäft aus dem Effeff. Und vielleicht ist ihre Ernennung zur DACH-Chefin von Facebook ein weiteres Indiz dafür, dass milliardenschwere Werbeplattformen wie Facebook und Google ihr Media-Business irgendwann einmal auch ohne Agenturen vermarkten.


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