Kai Diekmann

Warum das Fake-Interview mit Jan Böhmermann nicht witzig ist

Mittwoch, 13. April 2016
Kai Diekmann hat mit einem gefakten Interview mit Jan Böhmermann für Schlagzeilen gesorgt. "Das ganze Leben ist Satire. Man muss sie nur erkennen", löste der "Bild"-Herausgeber das Rätsel auf, nachdem ihm bereits einige Medien auf den Leim gegangen waren. Allein: Satire scheint nicht die Domäne des ansonsten vielseitig begabten Selbstdarstellers zu sein.
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Muss Satire sofort als solche erkennbar sein? Oder ist sie vielleicht sogar noch besser, weil subversiver, wenn sie sich tarnt und Echtheit vortäuscht? Jan Böhmermann schuf mit seiner mittlerweile preisgekrönten Satire "Varoufake" über den Mittelfinger des ehemaligen griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis ein Meisterwerk der als Realität getarnten Satire. Er könnte vermutlich Auskunft erteilen über die geeigneten Stilmittel guter Satire – Böhmermann allerdings ist abgetaucht, und das aus gutem Grund.


Sein Schmähgedicht hat diplomatische Verstimmungen zwischen Deutschland und der Türkei ausgelöst, die Staatsanwaltschaft in Mainz ermittelt gegen ihn, Böhmermann selbst steht unter Polizeischutz. Unterdessen diskutiert die Republik über den Wert und die Grenzen der Presse- und Meinungsfreiheit. Witzig ist das alles längst nicht mehr – vor allem für Jan Böhmermann nicht, dem ein politisch motivierter Prozess droht.

In dieser aufgeheizten Stimmung präsentiert Kai Diekmann einen vermeintlichen Scoop: "Jan Böhmermann bricht sein Schweigen. Das große Interview zum Erdogan-Eklat!". Mehrere Medien fallen auf das gefälschte Interview herein – auch wir bei HORIZONT haben darüber diskutiert, ob das nur auf Facebook veröffentlichte Gespräch tatsächlich stattgefunden hat oder nicht. Das Problem: Das vermeintliche Interview liest sich tatsächlich so, als habe es genauso stattgefunden. Das ist zwar gewollt. Siehe oben. Ist es deswegen Satire? Entlarvt es einen Missstand? Die Mächtigen? Das fragwürdige Verständnis von Meinungs- und Pressefreiheit der türkischen Regierung? Die unglückliche Reaktion der Bundesregierung, die zu der Eskalation der Affäre beigetragen hat? Nein, tut es nicht. Und vor allem ist es eines nicht: Lustig.

Kai Diekmann ist ein Meister der Selbstinszenierung. Dabei greift er auch mal zu ungewöhnlichen Stilmitteln – man erinnere sich an seinen Diss-Rap gegen Bushido. Satire aber ist seine Stärke nicht. Es wird Zeit, dass Jan Böhmermann sein Schweigen tatsächlich bricht. dh



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