Jan Böhmermann

Der Meister der Selbstvermarktung

Donnerstag, 19. März 2015
Spätestens seit dem Wirbel um "Varoufake" muss man vor Jan Böhmermann den Hut ziehen. Mit der angeblichen Fälschung des Varoufakis-Stinkefinger-Videos hat der Komiker uns alle genarrt - und sich selbst und seiner Satire-Show auf ZDF Neo mit einem Schlag eine Aufmerkamkeit beschert, die mit keinem Media-Geld der Welt aufzuwiegen wäre. Die Kritik an dem PR-Coup ist unbegründet.
Mit der Behauptung, er selbst habe das in der ARD-Talkshow "Günther Jauch" ausgestrahlte und höchst brisante "Stinkefinger"-Video mit dem griechischen Finanzminister Giannis Varoufakis manipuliert, hat Böhmermann am Mittwochabend ein veritables Erdbeben auf sozialen Netzwerken ausgelöst.

Ganz Deutschland spricht inzwischen über das #Varougate und zermartert sich den Kopf darüber, ob Böhmermann nun tatsächlich den Stinkefinger in das Video montieren ließ oder ob die "Fälschung" des Varoufakis-Films selbst ein Fake ist, wie das ZDF inzwischen zwischen den Zeilen durchblicken lässt. Dass Böhmermanns Late-Night-Show "Neo Magazin Royale" zu diesem Thema am heutigen Donnerstag einen Quotenrekord einfahren wird, darf jedenfalls als sicher gelten. Und dass es Böhmermann als Komiker und Moderator noch weit bringen wird, ebenfalls.

Was Böhmermann da im Social Web losgetreten hat, erinnert fast ein bisschen an die Sixt-Werbung, als diese noch richtig cool war. Wie der Münchner Autovermieter versteht es der mit allen Wassern gewaschene Moderator, ein sehr aktuelles und brisantes Thema aufzugreifen - und für Werbung in eigener Sache zu nutzen. Ein Meister der Selbstvermarktung. Doch dem Ironie-Virtuosen geht es nicht nur um die Marke Böhmermann und seine Show, sondern auch um die Kritik an den Medien. Und ganz konkret an der "Bild"-Zeitung und der "großen Volks-Talkshow" (Böhmermann) von Günther Jauch, dem er vorwirft, am vergangenen Sonntag ein über zwei Jahre altes Video von Varoufakis aus dem Zusammenhang gerissen und für Stimmungsmache gegen Griechenland genutzt zu haben. Dazu passt, dass Böhmermann am Mittwoch mit einem Statement in eigener Sache nachlegte (siehe Video oben) und Günther Jauch und der "Bild"-Redaktion empfahl, "umgehend die Eurozone freiwillig zu verlassen". Als "Zeichen des guten Willens gegenüber unseren europäischen Freunden".

Vorwürfe von Medien wie der "FAZ",  Böhmermann liefere den „Lügenpresse“-Schreiern "eine Steilvorlage" und man könne dem ZDF nun ohnehin nichts mehr glauben, schießen an dieser Stelle über das Ziel hinaus. Das ZDF war an diesem Verwirrspiel selbst gar nicht beteiligt. Mit dem Hinweis, dass es sich bei "Neo Magazin Royale" um eine Satiresendung handele und die Redaktion die Debatte über das Varoufakis-Video "satirisch zugespitzt" habe, hat der Sender eher zur Aufklärung beigetragen. Und Jan Böhmermann? Die Finte des bekennenden Pegida-Kritikers ist vor allem als Medienschelte zu verstehen. Und die muss erlaubt sein. Gerade weil der Absender ein Satiriker ist - siehe "Charlie Hebdo". Und selbst dann, wenn die Opfer Günther Jauch und "Bild"-Zeitung heißen. mas



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