Fußball auf Facebook, Football auf Twitter

Warum Live-Sport in Social Media vor dem Durchbruch steht

Freitag, 05. August 2016
Am Mittwochabend übertrug Facebook ein Benefizspiel zwischen Manchester United und dem FC Everton live über die offiziellen Facebook-Seiten von Wayne Rooney und Manchester United. Dieser Case zeigt, wohin die Reise gehen wird: Inhaber von Sportrechten werden diese verstärkt über Social Media verwerten.

Social Media kann für Sportübertragungen momentan nicht mehr sein als ein reiner Over-The-Top-Service. Zwar erzielte Facebook mit der Übertragung des Manchester-Spiels ordentliche Reichweiten – an die Publikumszahlen von Live-Sport im TV kommen diese aber bei Weitem nicht heran. Doch es mehren sich die Anzeichen, dass Rechteinhaber und Medien sich verstärkt sozialen Netzwerken zuwenden.

Beispiel Facebook: Das weltgrößte soziale Netzwerk führt mit ausgewählten Partnern derzeit einen Test mit Werbespots in Livevideos durch. Verläuft der Test erfolgreich, erschließt der Social-Media-Gigant damit wohl eine weitere Erlösquelle, die sich noch als sehr wertvoll erweisen könnte. Denn bereits jetzt setzen Publisher weltweit auf Facebook Live, Axel Springers "Bild" ist dafür ein gutes Beispiel.




Man stelle sich vor, welche Möglichkeiten sich für Livesport-Übertragungen auf Facebook ergeben: Die Sekunden unmittelbar vor dem Anpfiff bzw. Startschuss, die Halbzeit oder kurze Spielunterbrechungen, der Moment vor der Pokalübergabe – all diese Fenster könnten Werbungtreibende mit Spots belegen. Wohl kein Bereich ist für die Vermarktung von Live-Videos besser geeignet als der Sport. Twitter ist diesbezüglich schon einen Schritt weiter: Im Frühjahr sicherte sich das Unternehmen Rechte der National Football League (NFL). Zehn Donnerstagsspiele der Spielserie wird Twitter auf einer seiner Plattformen als Livestream zeigen. Auch aus der Major League Baseball und der National Hockey League wird Twitter Spiele übertragen


Dass die Sportligen sich darauf eingelassen haben zeigt, dass man in den USA Social Media längst nicht mehr nur als Verlängerung von TV- oder traditioneller Online-Berichterstattung sieht, sondern als eigenständigen Kanal. Hier schlummern womöglich auch neue Erlöspotenziale: Warum nicht bei einer künftigen Rechteausschreibung Online und Social Media getrennt anbieten? Interessenten für ein solches Paket dürften NFL, NBA und Co. genügend zusammenbekommen – was letztendlich die Preise treiben durfte.

Einen weiteren Schritt in dieser Entwicklung werden wir zu den Olympischen Spielen 2016 erleben. Snapchat wird in der Discover-Sektion Highlights von den Spielen zeigen, das US-Network NBC verbreitet Zusammenfassungen und Nachberichte über Facebook, Instagram und TwitterLive-Bilder werden wir aus Rio dagegen wohl nicht in sozialen Medien sehen.
„Wohl kein Bereich ist für die Vermarktung von Live-Videos besser geeignet als der Sport.“
Ingo Rentz
Die klassischen Medien sowie konventionelle Online-Plattformen bieten Rechteinhabern zwar nach wie vor die besten Möglichkeiten, Vermarktungs- und Abonnementserlöse zu erzielen. In Social Media ist die Monetarisierung aufgrund spärlicher Werbemöglichkeiten und bislang komplett fehlender Paywalls deutlich schwieriger.

Dennoch dürfte kaum ein Zweifel bestehen, dass immer mehr Sportevents künftig live auf sozialen Plattformen übertragen werden. Reichweite, Engagement und die Rückkanal-Fähigkeit von Social Media sprechen dafür. Damit diese Form der Live-Übertragung den Durchbruch feiert, braucht es erweiterte Werbemöglichkeiten, Abo-Modelle und noch größere Reichweiten. Doch vor allem braucht es die Bereitschaft und Experimentierfreude der Rechteinhaber. ire

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