Firefox, der Adblocker

Onlinewerbung wird auf breiter Front ausgebremst – was tun?

Donnerstag, 12. November 2015
Über nervige Onlinewerbung kann jeder Verbraucher Geschichten erzählen: Videos, die ungebeten starten. Layer Ads, die partout nicht zu schließen sind. Retargeting für den längst gekauften Weinkühlschrank. Bling-bling-Banner, neben denen der eigentliche Inhalt der Website marginalisiert wird. Und im Hintergrund eine Maschinerie, deren Hunger auf Daten, Daten und noch mehr Daten unstillbar ist. Eine Branche, die so aufdringlich daherkommt, darf sich nicht wundern, wenn der Konsument ihre Zuneigung als Stalking empfindet.
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So weit, so schlecht. Mozilla hat jetzt seine neueste Firefox-Version 42 mit einem „Schutz vor Aktivitätenverfolgung“ ausgestattet. Mit einem Klick ist der User im Privatsphäre- Modus, wird nicht mehr getrackt – und bekommt keine Werbung mehr ausgeliefert. Das Update, das gerade an alle Kunden ausgeliefert wird, hat also faktisch einen Adblocker vorinstalliert.

Apple erlaubt seit seiner Software-Version iOS 9, Adblocker auf dem iPhone zu installieren. Und in Köln treibt schon lange eine Firma namens Eyeo mit dem Geschäftsmodell des digitalen Wegelagerers ihr Unwesen: Wir reden von Verbraucherschutz und blockieren deine Werbung, es sei denn, du zahlst.

Für Publisher, die journalistische Angebote im Netz über Werbung finanzieren, sind das Horrornachrichten. Was tun?

Option 1: Das Reichweitenmodell vergessen, statt auf Werbeerlöse auf Paid Content setzen. Viele reden davon, wenige tun es. Erfolg? Bisher, nun ja, Fehlanzeige, von Ausnahmen abgesehen.

Option 2: Mit dem Ad Defender den Adblocker blockieren. Das läuft auf einen technologischen Wettlauf hinaus: Die eine Seite rüstet auf, die andere rüstet nach. Kostet eine Menge Geld, kann erfolgreich sein oder auch nicht.

Option 3: Keine Inhalte an User liefern, die Werbung blockieren – mit einem freundlichen Hinweis darauf, dass es hochwertige Inhalte nun einmal nicht umsonst gibt. Axel Springer geht bei Bild.de konsequent diesen Weg. Unter den gegebenen Umständen scheint es der beste zu sein. Natürlich könnte, Option 4, auch weniger laute und penetrante Online-Werbung mehr Akzeptanz bei den Konsumenten finden. Aber das nur nebenbei. Scheint aussichtslos. uv


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