Erlebnisbericht von der F8

"Facebook ist erwachsen geworden"

Freitag, 15. April 2016
Den Hype der Apple-Events kann Facebook zwar noch nicht entfachen. Doch die Entwicklerkonferenz F8 übt auf auf die Digitalmarketing-Branche einen immer größeren Reiz aus. Curt Simon Harlinghausen, Chief Digital Officer EMEA der Starcom Mediavest Group, war in San Francisco vor Ort und hat sich das Spektakel angeschaut. Für HORIZONT Online hat er seine Eindrücke in Wort und Bild festgehalten.

Natürlich wurde während der zwei Tage im Fort Mason in San Francisco noch über Technologien, Code-Schnipsel, Bots und Plattformen gesprochen. Und auch die Vielzahl der fast 5000 internationalen Teilnehmer hatte einen technischen Hintergrund, aber am Ende stand die Vision von Mark Zuckerberg im Vordergrund und schwebte in allen Projekten, Produkten und Persönlichkeiten mit: Die Welt zu vernetzen und den verbliebenen 4,1 Milliarden Menschen ohne Internet einen Zugang in das Eco-System zu ermöglichen. Und das mit einem selbstentwickelten, unbemannten Flugzeug, mit neuer Telekommunikationstechnik und neuer Software. Dies ist nicht mehr nur ein Social Network. Facebook ist erwachsen geworden. Selbstbewusst, aber nicht arrogant, professionell aber nicht unnahbar, weitsichtig aber nicht kleinteilig. Agil und stabil.


Vor zehn Jahren wollte Mark Zuckerberg, dass Facebook so selbstverständlich wird wie das Internet. Heute sorgt er dafür, dass Facebook mit all seinen Produkten und Plattformen in all unseren digitalen Lebenslagen präsent ist. Aber vor allem ist es ihm und seinem Team gelungen, das Thema Mobile erfolgreich zu besetzen und im Bereich Marketing zu beherrschen. Und durch die neuen Funktionen, wie z.B. Bots im Messenger, kann er ein eigenes Ökosystem in den Messengern aufbauen, inklusive App-Funktionen, Commerce, Service, Realtime-Interaktionen und Emotionen. Das ist mächtig und eine große Vision - und eine realistische.
Curt Simon Harlinghausen
Curt Simon Harlinghausen (© Starcom Mediavest Group)
Beeindruckend war die Stimmung auf der Konferenz. Aufbruchstimmung. Fast schon Euphorie. Die Teilnehmer waren alle begeistert - und nicht nur, weil sie alle ein Samsung S6 Smartphone mit einer VR-Brille und einem Gamepad geschenkt bekommen haben. Viel mehr, weil sie alle Teil einer Gemeinschaft sind und gemeinsam etwas bewegen können. Facebook investiert viel in Infrastrukturen, Forschung und Entwicklung und bietet die Ergebnisse und Produkte nun größtenteils Open Source an. Natürlich stecken dahinter wirtschaftliche Gründe und Motivationen, aber es gelingt, einen großartigen Spirit mit Ambitionen zu verknüpfen, den jeder versteht und mitgehen möchte, insbesondere derer, die vor Ort mit dabei waren.

Menschen, Technologien und Verhalten sind im steten Wandel. Dies hat Facebook verstanden und macht es sich zu Nutze. Zum Beispiel mit einer agilen und konsequent durchdachten Video-Strategie, die sich auf Echtzeit-Inhalte fokussiert, die einfach produziert und geteilt werden können. In 360 Grad, und jetzt auch mit einer Virtual-Reality-Hardware.

Facebook F8: Impressionen von Curt Simon Harlinghausen


Natürlich ist allen auf der Konferenz bewusst, dass wir erst am Anfang einer großen Bewegung sind, aber das Potenzial und die immer weiter sinkenden Einstiegshürden (Kosten, Qualität, Anwendungsnutzen, …) sorgen für eine größere Akzeptanz und für jede Menge WOW und Aaaaah. Da werden Videokonferenzen in eine neue Dimension geführt, weil ich Gestik, Mimik, Raum und Atmosphäre virtuell erzeugen, messen und in Echtzeit übertragen kann – inklusive einem virtuellen Selfie Stick.

Neben dem Thema VR und Connectivity, war AI (Artifical Intelligence) sehr präsent. So zeigte Facebook ein eigenes Engine, das in der Lage ist, Objekte aus Bild- und Video-Daten in Echtzeit zu erkennen und zu benennen. Somit kann ich das Facebook-Ökosystem komplett nach Kontexten durchsuchen und für die Aussteuerung von Inhalten und Medien nutzen. Apropos Medien. Instant Articles, eine Art Caching-Service zur einfachen und vor allem schnellen Distribution von News-Artikeln, ist jetzt für jedermann verfügbar, was aber primär für große Publisher und aktive Content-Produzenten interessant ist, aber auch für Mediaagenturen, um in deren Umfeld kontextuelle Werbung einzublenden. Dies kann dann komplett automatisiert erfolgen – Programmatic 2.0 – was Facebook liebt und unterstützt, inklusive umfangreicher Analyse- und Tracking-Möglichkeiten.

Ich bin beeindruckt von der Geschwindigkeit, von den Möglichkeiten und der Wandlungsfähigkeit dieses großen und dennoch agilen Unternehmens, dem ich für die kommenden drei bis fünf Jahre eine sehr rosige Zukunft vorhersage, die dennoch größtenteils auf der Basis von Technologie, AI und Daten aufgebaut wird. 



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