Erfolgreiches "Pastewka"-Comeback

Amazon beweist Mut - und wird belohnt

Freitag, 02. Februar 2018
In Unterföhring beißen sich viele Programmverantwortliche in diesen Tagen wahrscheinlich in den Allerwertesten. Nachdem Sat 1 jahrelang mit einer Verlängerung der Erfolgsserie "Pastewka" zögerte, feiert sie nun bei Amazon Prime Video mit der achten Staffel ein viel beachtetes Comeback. Eine neunte Staffel ist bereits in Auftrag gegeben. Der Erfolg ist Wasser auf die Mühlen der Kritiker, die den Privatsendern fehlenden Mut attestieren.
Es ist viel Zeit vergangen seit der Ausstrahlung der siebten "Pastewka"-Staffel auf Sat 1 im Herbst 2014. Die Sitcom, in der Komiker Bastian Pastewka im wahrsten Sinne des Wortes die Rolle seines Lebens spielt, bescherte dem Bällchensender aus Unterföhrung jahrelang mindestens solide Quoten und ein prominentes Aushängeschild. Trotzdem haderte der Privatsender lange Zeit mit einer Verlängerung der Serie.

Zweieinhalb Jahre später hat sich der Streamingdienst Amazon Prime Video die Rechte an "Pastewka" geangelt und beglückt das Format im Netz jetzt mit einem starken Comeback. Seit dem 26. Januar ist die achte Staffel der Sitcom über den kostenpflichtigen Dienst zu sehen und sorgte aus dem Stand für das "beste Startwochenende aller Zeiten einer Comedyserie auf Prime Video in Deutschland", wie Amazon mitteilt. Mit konkreten Abrufzahlen hält der Konzern jedoch wie gewohnt hinterm Berg.



Dennoch dürften die nackten Zahlen bei Amazon große Freude ausgelöst haben - wie sonst ist zu erklären, dass das Unternehmen der Serie nur wenige Tage nach dem Comeback direkt eine weitere Staffel spendiert. Wie Amazon gestern mitteilte, soll sie - vergleichsweise rasch - bereits in etwa einem Jahr an den Start gehen. D
ie Verantwortlichen bei Sat 1 dürften sich angesichts dieser verpassten Möglichkeit grün und blau ärgern. Die Entwicklung von "Pastewka" ist darüber hinaus ein gefundenes Fressen für all diejenigen, die dem deutschen Privatfernsehen oft und gerne fehlenden Mut und Experimentierfreude attestieren. Amazon dagegen hat nicht gezögert und ein mit Comedypreisen überhäuftes Format aus dem linearen TV erfolgreich und ohne Quotendruck in die Streamingwelt übertragen. Ausgerechnet eine Serie, die sich ums lineare Fernsehen dreht, in dem Streamingdienste ja bekanntlich ein Auslaufmodell sehen.


So ist die achte Staffel erstmals horizontal angelegt, die Handlung spielt sich also über mehrere Folgen hinweg ab. Ein Traum für jeden Bingewatcher. Hinzu kommt, dass Amazon bei den neuen Folgen mit Cliffhangern arbeitet, um den Zuschauer bei Laune zu halten. Ein Stilmittel, auf das Sat 1 verzichtete - allein schon deshalb, weil der Sender in den letzten Sekunden jeder Folge das Bild verkleinerte, um den Abspann einzublenden. Ziemlich ungünstig für einen spannenden Cliffhanger.

Auch inhaltlich nimmt sich Amazon für die neuen Folgen viele Freiheiten und verpasst ihnen beispielsweise überraschend viele Nacktszenen. Die Produktion ist opulenter und erinnert an die ZDF-Serie "Morgen hör ich auf" (2016), bei der der 45-jährige Pastewka ebenfalls die Hauptrolle spielt. Und das alles, obwohl es eigentlich recht gefährlich ist, eine längst abgestandene TV-Serie mit allerdings beträchtlicher Fanbasis wie "Pastewka" nochmal aufzuwärmen und hier und da ein wenig umzugestalten.

Für den Weltkonzern Amazon, der den Einkauf nationaler und vergleichsweise preiswerter TV-Formate eigentlich gar nicht nötig hat, wohl ein überschaubares Risiko. Ein Risiko, das der Konzern auch bei der DDR-Spionageserie "Deutschland 83" eingegangen ist - ein Format, das im linearen TV bei RTL hinter den Erwartungen zurückblieb und nun bei Prime Video als "Deutschland 86" fortgesetzt wird. Die Ausstrahlung ist derzeit für Herbst 2018 geplant. Und wer weiß, vielleicht beißen sie sich in Köln bei RTL dann ebenfalls in den Hintern. ron
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