Die neue Website der "Süddeutschen Zeitung"

Eine neue Benchmark für die Branche

Donnerstag, 26. März 2015
Nach fast zwei Jahren Vorbereitungszeit hat die "Süddeutsche Zeitung" am Dienstag ihre neue Website freigeschaltet. Das Ergebnis überzeugt in nahezu jeder Hinsicht und dürfte für alle kommenden Online-Auftritte großer Printmarken zum Maßstab werden.
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Stefan Plöchinger hat in den vergangenen Wochen und Monaten viel erklärt und geschrieben. Unermüdlich hat der Digital-Chefredakteur der "Süddeutschen Zeitung" die neue Digitalstrategie der  Münchner Tageszeitung erläutert, das  Bezahlmodell, die Arbeitsweise der Redaktion, die Vernetzung von Print und Online – auch gegenüber HORIZONT.  "Die Idee ist ein All-inclusive-Paket", brachte Plöchinger seine Vision eines integrierten Auftritts der "Süddeutschen Zeitung" im Internet auf den Punkt.

Seit Dienstag ist das Ergebnis online. Unter dem gemeinsamen Markendach der "Süddeutschen Zeitung", das auf der Startseite groß in der Mitte prangt, bietet die Website ab sofort nicht nur aktuelle Nachrichten, sondern auch sämtliche Inhalte der gedruckten Tageszeitung und des "SZ Magazins". Die wohl größte Herausforderung dieses Konzepts war sicherlich eine vernünftige Navigation – die Lösung, die Plöchinger und sein Team dafür gefunden haben, ist dabei ebenso einfach wie überzeugend.

Die neue Startseite der "Süddeutschen Zeitung" im Netz
© Screenshot SZ.de
Die neue Startseite der "Süddeutschen Zeitung" im Netz
Unter dem Seitenkopf weist die auf die drei Punkte "SZ.de", "Zeitung" und "Magazin" reduzierte Hauptnavigation den Weg zur klassischen Nachrichtenseite und zu den Digital-Versionen der beiden Printprodukte. Auch innerhalb dieser drei Bereiche ist die Navigation mustergültig einfach. Bei SZ.de ist die Navigation "sticky":  Die Ressorts werden stets am oberen Rand der Seite angezeigt, was dem User viel lästiges Scrollen erspart, wenn man sich auf einer Seite bis weit nach unten vorgetastet hat. Die Paywall ist zum Start übrigens noch recht niedrig: Zehn "Autorentexte", erkennbar an der kursiven Zeile mit dem Namen des Autors, sind pro Woche frei abrufbar. An diese Bezahlschranke werden nur regelmäßge Leser von SZ.de stoßen.

Auch in der digitalen Tageszeitung findet man sich auf Anhieb gut zurecht: Die Ressorts werden stets am linken Bildschirmrand angezeigt, man kann die Zeitung aber auch wie gewohnt von vorne nach hinten durchblättern. Per Mouseover werden außerdem alle Artikel eines Ressorts vorgeblendet. Ein wenig plump und aufdringlich wirken die ganzseitigen Anzeigenformate – zumal für ein kostenpflichtiges Angebot – die man wie in der gedruckten Zeitung allerdings auch einfach überblättern kann.

In der Anmutung deutlich anders präsentiert sich die digitale Ausgabe des Magazins, das wesentlich bildlastiger daherkommt. Allen drei Bereichen gemeinsam ist indes das angenehm luftige Layout mit reichlich Weißraum und die gut lesbare, große Schrift.

Auch beim Anmeldeprozess für die kostenpflichtigen Bereiche hat die "Süddeutsche Zeitung" offensichtlich größten Wert auf eine möglichst übersichtliche und einfache Nutzerführung gelegt. Persönliche Daten eingeben, Passwort definieren, Bezahlart auswählen – fertig. "Wir versuchen, es Ihnen so leicht wie möglich zu machen", betont SZ-Digitalchef Plöchinger in einem der zahlreichen Erklärvideos zum Start der neuen digitalen Angebote – was auch beim Bezahlvorgang sehr gut gelungen ist. 

Insgesamt ist der "Süddeutschen Zeitung" mit ihrem neuen Internetauftritt ein großer Wurf gelungen. Andere große Printmarken wie der "Spiegel", die "Frankfurter Allgemeine" oder die "Zeit", die derzeit an eigenen Paid-Content-Modellen arbeiten, werden sich das Modell der "Süddeutsche Zeitung" sicherlich sehr genau anschauen. Die Latte liegt hoch. dh




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