Abgang von Sky-Chef Brian Sullivan

"Mr. Pay-TV" hinterlässt ein gut bestelltes Feld

Donnerstag, 26. März 2015
Die Nachricht, dass Brian Sullivan Sky Deutschland im Juni 2015 verlässt, wird viele überrascht haben. Immerhin hat der Amerikaner den lange darbenden Pay-TV-Sender in die Erfolgsspur gebracht. Sky ist auf einem sehr guten Weg - nicht mehr, nicht weniger. Setzt der Konzern den von Sullivan eingeschlagenen Kurs fort, dürfte es weiter bergauf gehen.
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Am 19. Juli 2010 erschien im gedruckten "Spiegel" ein Artikel, der sich mit den Chancen des Bezahlfernsehens in Deutschland beschäftigte. Der Text mit der Überschrift "Der letzte Schuss" beinhaltete Sätze, die sich heute geradezu verbohrt lesen. So schrieben die Autoren Markus Brauck und Isabell Hülsen anlässlich der Umfirmierung von Premiere in Sky, dass auf den ersten Blick zwar alles anders sei. "Doch in Wahrheit ist es nur das alte tragikomische Stück, das seit bald 20 Jahren aufgeführt wird, lediglich mit wechselnden Besetzungen. Es handelt von Leuten, die von einer sterbenden Idee nicht lassen können – und immer wieder aufs Neue Hunderte Millionen Euro investieren", so die Autoren. Kurz darauf heißt es: "Was muss eigentlich noch geschehen, damit auch der Letzte begreift, dass hier kein Geld zu verdienen ist?"


Und dann kam Brian Sullivan. Seit seinem Amtsantritt im April 2010 ist die Zahl der Sky-Abonnenten von knapp 2,5 auf über 4 Millionen gewachsen, zudem vermeldete das Unternehmen im Dezember 2014 den ersten operativen Gewinn der Firmengeschichte.

Zur Ehrenrettung der "Spiegel"-Autoren muss man sagen: Fünf Jahre sind eine lange Zeit im Medien-Business. Und die damalige Performance von Sky gab wirklich nicht viel Grund zur Hoffnung. Selbst heute tut sich der Sender mit konstanter Profitabilität noch schwer. Aber einen derartigen Abgesang auf das Bezahlfernsehen würde heute wohl niemand mehr anstimmen (schon gar nicht beim "Spiegel", der selbst derzeit mühsam versucht, sich ins Pay-Zeitalter zu transferieren). Und das hat viel mit Brian Sullivan zu tun.

Der Chef von Sky Deutschland hat es geschafft, Pay-TV hierzulande salonfähig zu machen. Die Frage für viele lautet heute "Wofür bezahle ich?" und nicht mehr "Bezahle ich überhaupt?". Das liegt sicher nicht an Sky alleine. Auch Dienste wie Maxdome, Watchever oder jüngst Netflix haben mit guten, zuschauerorientierten Angeboten die Bezahlbereitschaft erhöht. Aber Sky bereitet mit einer fortgesetzt hohen Investitions- und Innovationsbereitschaft den Boden für das Wachstum der Branche.

Dazu haben nicht nur die für den Sender nach wie vor überlebenswichtigen (und sehr teuer erkauften) Fußball-Rechte beigetragen. Mindestens genauso wichtig sind das Film- und Serienangebot mit Erfolgs-Formaten wie "House of Cards" oder "Game of Thrones". Dabei beschränkt sich Sky nicht nur darauf, fremde Formate einzukaufen, sondern setzt seit Sullivans Antritt verstärkt auch auf Eigenproduktionen wie "Diabolik", "100 Code" oder "Fortitude". Ein hohes Tempo bei der Entwicklung neuer Produkte und Services – man denke an das Mobilangebot Sky Go oder die Online-Videothek Snap – tun ihr Übriges. Nicht zu vergessen der Kundenservice, dessen Verbesserung für Sullivan höchste Priorität hat. Im vergangenen Jahr bekam der Sky-Kundenservice vom TÜV die Note "gut".

Brian Sullivan in der Sky-Konzernzentrale in Unterföhring (Fotos: Andreas Mueller)
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Als Brian Sullivan 2010 beim Sky-Vorgänger Premiere antrat, glaubte kaum einer daran, dass das Unternehmen je schwarze Zahlen schreiben würde. Nun hat sich die Wahrnehmung gewandelt. Doch Sullivan sieht seine Arbeit noch lange nicht als erledigt an: "Viele scheinen zu denken, das Geschäft wäre jetzt einfach. Doch das ist es nicht, denn wir müssen uns unseren Kunden jeden Tag neu beweisen."

Den einen oder anderen mag der Abgang von Sullivan im Sommer überraschen. Zwar hat der Familienmensch - Sullivan ist Vater von drei  Kindern - nie einen Hehl daraus gemacht, dass die Rückkehr in seine Heimat USA perspektivisch sein Ziel ist. Allerdings ist Sky noch nicht über den Berg. Die nächste Ausschreibung der Bundesliga-Rechte wird für Anfang 2016 erwartet. Hier dürfte sich die nähere Zukunft von Sky Deutschland entscheiden. Es ist davon auszugehen, dass Sky auf die knapp 486 Millionen Euro, die der Sender jährlich an die Deutsche Fußball Liga überweist, noch einen wird drauflegen müssen. Mit noch unabsehbaren Folgen für die wirtschaftliche Entwicklung des Senders.

Insofern ist die Nachfolgeregelung ein Signal – und zwar ein gutes. Carsten Schmidt kennt den Ausschreibungsprozess wie kein Zweiter. Der Ausgang der Bieterschlacht von 2012 war nicht zuletzt sein Verdienst – wofür er von HORIZONT als Sportbusiness-Manager des Jahres ausgezeichnet wurde. Dass der Aufsichtsrat der britischen Muttergesellschaft Sky PLC Schmidt die Führung von Sky Deutschland anvertraut, zeigt, welches Standing der langjährige Sky-Mann - Schmidt ist seit 1999 an Bord - im gesamten Unternehmen hat.

Doch auch für den künftigen Sky-Chef gilt, was Sullivan im März letzten Jahres in einem Interview mit – sieh an – "Spiegel" sagte: "Die Mission ist nie beendet". Pay-TV und Sky haben nach wie vor einen langen Weg vor sich. Aber das Feld ist bestellt. ire



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