Maniac, Ozark & Co

Das sind die Lieblingsserien der HORIZONT-Redaktion 2018

Oscar-Preisträgerin Emma Stone spielt eine der beiden Hauptrollen in der Netflix-SciFi-Serie "Maniac"
© Netflix
Oscar-Preisträgerin Emma Stone spielt eine der beiden Hauptrollen in der Netflix-SciFi-Serie "Maniac"
Auch in diesem Jahr haben Netflix, Amazon Prime Video, Sky und Co. wieder jede Menge neue Serien an den Start gebracht. Viele davon sind erstklassig produziert und fesseln den Zuschauer über Stunden. Die HORIZONT-Redaktion hat in den vergangenen Monaten gebingewatcht was das Zeug hält - und präsentiert zum Jahresausklang ihre ganz persönlichen Lieblingsserien der vergangenen zwölf Monate.

1.

Babylon Berlin

Über "Babylon Berlin" ist schon fast alles gesagt und geschrieben worden. In diese Liste gehört die bis dato teuerste deutsche Serie aber trotzdem. Nicht wegen ihres Rekordbudgets von 40 Millionen Euro und auch nicht, weil sie im Ersten auch ein Jahr nach der Premiere bei Sky im Schnitt fast 5 Millionen Zuschauer vor die Bildschirme lockte - sondern weil sie schlicht und einfach verdammt gut war.


Dabei macht es "Babylon Berlin" seinen Zuschauern beileibe nicht leicht: Die Story ist ebenso wie der historische Hintergrund komplex, die Figuren ambivalent, die Inszenierung scheut nicht davor zurück, Schmutz, Elend, Sex und Gewalt ausgiebig und teils explizit zu zeigen. Dank der detailverliebten Ausstattung wird das Berlin der 20er Jahre, das durch seine Umbrüche gerade heute wieder hochaktuell ist, für den Zuschauer nicht nur nachvollziehbar, sondern ein Stück weit erlebbar. Mehr kann man von einer historischen Serie nicht erwarten. Spannend war "Babylon Berlin" - im Kern immer noch eine Krimiserie - obendrein. Dass auch die Darsteller durchweg großartig waren - angefangen von den Hauptdarstellern Volker Bruch, Liv Lisa Fries und Peter Kurth bis zu den zahllosen hochkarätig besetzten Nebenrollen - versteht sich fast von selbst und hat "Babylon Berlin" auch 2018 zu einem der Serienereignisse des Jahres gemacht. dh

2.

Maniac (verfügbar bei Netflix)

Zeitsprünge, jede Menge Verkleidungen und unzählige Querverweise: Es gibt wohl keine Netflix-Serie, die den Zuschauern im vergangenen Jahr mehr Rätsel aufgegeben hat, als "Maniac". Die mysteriöse Geschichte um Annie Landsberg (Emma Stone) und Owen Milgrim (Jonah Hill), die an einer ominösen Arzneimittelstudie teilnehmen, fordert den Zuschauer permanent zum Mitdenken auf. Als Belohnung winkt ein Blick in die tiefen Abgründe des menschlichen Geistes.


Sehenswert macht "Maniac" auch die Regiearbeit von
 Cary Fukunaga, der seit seiner Arbeit für die ziemlich perfekte erste Staffel von "True Detective" einer der gefragtesten Männer der Filmwelt ist. Er nimmt sich für diesen Psychothriller alle nötigen künstlerischen Freiheiten. So kommt es, dass manche Episoden über eine Stunde dauern, manche nicht einmal 30 Minuten. Im linearen Fernsehen hätte diese Serie wohl keinen Abnehmer gefunden. Insofern ist sie wie geschaffen für eine Plattform wie Netflix. ron

3.

Ozark (2. Staffel, verfügbar bei Netflix)

Als "Ozark" im Sommer 2017 bei Netflix startete, erinnerte der Plot schon ziemlich an den Mega-Serienerfolg "Breaking Bad". Der Familienvater Marty Byrde arbeitet als Geldwäscher für den zweitmächtigsten Drogenboss Mexikos. Als es zwischen den beiden zu einem Konflikt kommt, wechselt er aus Angst seinen Standort und zieht mit seiner Familie in die verwunschene und mysteriöse Region der Ozarks in Missouri. Doch sein Boss setzt Marty mit neuen Forderungen die Pistole auf die Brust - und bald ist das ganze Umfeld des Protagonisten in die kriminellen Machenschaften involviert.

Hatte die erste Staffel von Ozark trotz eines starken Casts um Jason Bateman und Laura Linney noch ihre Längen und dramaturgische Schwächen, entfaltet die zweite schon in den ersten Folgen ihre ganze dramatische Wucht. Das liegt vor allem daran, dass die zahlreichen wichtigen Figuren im Verlauf der Serie immer mehr an Tiefe gewinnen und die Grenzen zwischen Gut und Böse schnell nicht mehr auszumachen sind. Dazu brilliert wohl keine andere Netflix-Serie (abgesehen vielleicht von der Frauengefängnis-Serie "Orange Is The New Black") mit so vielen starke Frauen im Cast wie "Ozark". Lieblingscharaktere: Julia Garner als Ruth Langmore und Lisa Emery als Darlene Snell. tt

4.

The End of the F***ing World (verfügbar bei Netflix)

"The End of the F***ing World" ist eine dieser Produktionen, für die Serienfans Netflix lieben: Schräg, abseitig, schwarzhumorig und bei einem großen Sender zur besten Sendezeit undenkbar. Der Außenseiter James hat Gewaltfantasien und quält Tiere. Doch irgendwann reicht ihm das nicht mehr. Er beschließt, seine Klassenkameradin Alyssa zu ermorden. Doch die entpuppt sich als mindestens ebenso schräger Charakter. Die beiden Teenies kommen sich zwangsläufig näher und reißen von zu Hause aus. Was folgt, ist ein irrer Roadtrip durch England, bei dem die beiden eine breite Blutspur hinter sich herziehen. Allein das offene Ende hinterließ einen schalen Beigeschmack - öffnete aber zum Glück eine Hintertür für die mittlerweile angekündigte Fortsetzung. dh

5.

The Sinner (2. Staffel, verfügbar bei Netflix)

Was bringt einen 13-jährigen Jungen dazu, seine Eltern während eines Trips zu den Niagarafällen umzubringen? Dieser Frage kommt Detective Harry Ambrose (Bill Pullman) in der zweiten Staffel der Crime-/Mystery-Serie "The Sinner" auf die Spur. Der Cop löste bereits in der ersten Staffel einen höchst komplexen, undurchsichtigen Fall und wird deswegen zu Hilfe in seinen Heimatort gerufen. Durch seine intensive und sehr persönliche Beschäftigung mit Julian (Elisha Henig), dem jungen Mörder, schafft er es schließlich, die verworrenen und dunklen Geheimnissen rund um eine Sekte, Beziehungen und das Elternsein aufzuklären.

Die fesselnde Handlung zwingt den Zuschauer zum Bingen: Jede Episode der Staffel endet mit einem Cliffhanger und man muss unbedingt weiterschauen, weil das Geschehene oder die neueste Erkenntnis des Detectives so unfassbar ist. Und obwohl die Story auch mysteriöse Aspekte hat, wirkt sie nie unrealistisch oder abgedroschen. Denn am Ende der insgesamt acht Folgen setzen sich die von Detective Ambrose gesammelten Puzzleteile zusammen – und plötzlich ergibt alles einen erschreckenden Sinn. bre

6.

The Staircase (verfügbar bei Netflix)

Der Fall, um den es hier geht, liegt nun ziemlich genau 17 Jahre zurück: Am Abend des 9. Dezember 2001 ruft der US-Schriftsteller Michael Peterson bei der Polizeit seines Heimatortes Durham an und meldet, seine Frau Kathleen sei von der Treppe gefallen und blute schwer. Wenig später ist Kathleen tot - und Michael des Mordes angeklagt.

So weit, so gewöhnlich. Doch wäre es ein gewöhnlicher Fall, hätte Netflix "The Staircase" wohl kaum ins Programm aufgenommen. In 360 Minuten bzw. 13 Episoden weckt Regisseur Jean-Xavier de Lestrade beim Zuschauer immer mehr Zweifel an der Theorie, dass Peterson seine Frau wie von der Anklage behauptet mit einem Schürhaken erschlagen habe. Ähnlich wie bei der viel gelobten True-Crime-Serie "Making A Murderer" bietet sich dem Zuschauer auch in "The Staircase" das Bild eines hoch komplexen Kriminalfalls, der letztendlich keine Gewinner kennt. ire
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