Social Media Marketing

4 Tipps, wie Unternehmen Fake Influencer entlarven können

Freitag, 20. März 2020
Influencer Marketing legt ein beeindruckendes Wachstum hin. Doch wie das leider so ist bei jungen Hype-Disziplinen, gibt es noch zahlreiche Fettnäpfchen, in die Marketer treten können. Eine der größten Gefahren geht aus Sicht von Torben Platzer von Fake-Accounts aus. In seiner Talking-Heads-Kolumne nennt der Gründer und Personal-Branding-Experte vier Tipps, die dabei helfen, Fake-Influencer zu erkennen. 
Influencer Marketing boomt nach wie vor und zählt auch im Jahr 2020 zu den effektivsten Formen, die Zielgruppen auf Produkte und Dienstleistungen aufmerksam zu machen. Social-Media-Kanäle sind zum gängigen Kommunikationsmedium geworden. Plattformen wie TikTok, die schnelle, dynamische und authentische Videos fördern, tragen ihren Teil dazu bei, dass dies auch so bleibt. Denn TikTok bietet im Moment die beste Chance, die Generation Z zu erreichen, die sich stark von Influencern ihrer Generation beeinflussen lässt. Influencer haben Idole aus Familie und Fernsehen längst abgelöst. Die Kunden von Morgen sind empfänglich für Influencer Marketing, wie auch die Kampagne von BMW für seine neueste Automobilserie gezeigt hat. Konservative Medien wie die Tagesschau haben ebenfalls ihr Debüt Ende 2019 auf TikTok gehabt, seitdem schon über 300.000 Follower aufbauen und weit über vier Millionen Views auf ihre Videos generieren können.


Überschattet wird diese Marketingform jedoch auch weiterhin von einer erschreckend hohen Zahl an Fakes. Denn Follower und Likes können automatisiert generiert für ein paar Euro gekauft werden. Die Angebote inländischer und ausländischer Dienste sprießen nur so aus dem Boden. Auch diese Industrie boomt.

Vielen Unternehmen fehlt hier schlicht und ergreifend das Wissen, diese zu erkennen. Unternehmen machen die Relevanz häufig an den beiden Indikatoren Follower und Likes fest. Doch das ist schon deswegen kaum noch möglich, weil Likes in vielen Ländern bereits nicht mehr sichtbar sind.


2018 waren schon mehr als zehn Prozent aller Instagram-Profile Fake-Accounts. In absoluten Zahlen übersetzt, sind das circa 100 Millionen Accounts. Heute sind es vermutlich deutlich mehr. Für Unternehmen wird es daher Zeit, umzudenken und für die Influencer-Thematik ein besseres Verständnis zu entwickeln. Es geht darum, Know-how im eigenen Unternehmen anzusiedeln und der Frage nachzugehen, wie groß der Einfluss von Influencern wirklich ist und mit welcher Wahrscheinlichkeit die Vermarktung von Produkten und Dienstleistungen erfolgreich sein kann. Doch wie erkennen Unternehmen einen Fake-Account? In diesem Zusammenhang helfen Unternehmen diese vier Tipps, um echte Communities zu erkennen und Fake-Accounts zu entlarven. 

1.

Profil- und Bilder-Check

Es gibt Accounts, die schnell als Fake entlarvt werden können. Etwa wenn ein Profilbild fehlt oder keine reale Person darauf zu sehen ist. Gleichzeitig ist der Name oft kryptisch oder beinhaltet Zahlen. Das Googeln eines Namens kann dann helfen, denn ist die Person bekannt, ist diese sicherlich auch auf anderen sozialen Netzwerken aktiv und schnell zu finden. Bei Fake-Accounts sind nur wenige Bilder zu finden. Auch die Bilder selbst können ein Indiz sein. Werden beispielsweise häufig Stockbilder oder Ähnliches bei Posts verwendet und keine eigenen, ist meist ein Bot am Werk. Wer sicher gehen möchte, kann mit Hilfe der Google Bildersuche herausfinden, ob und wo das Bild schon mal zum Einsatz kam. Der kleine blaue Haken im Profil ist besonders hilfreich bei der Erkennung eines echten Accounts, da der vollständige Name sowie eine Kopie des Ausweises bei Instagram zur Verifizierung hinterlegt werden müssen. 

2.

Follower-Check

Es ist ratsam, auch mal einen Blick in die Follower-Liste des Influencer-Accounts zu werfen. Wenn sich dort bereits auf den ersten Blick viele Profile mit abstrusen Namen und Profile ohne Bilder finden lassen, ist es ein sicheres Indiz, dass die Follower nicht organischen Ursprungs sind, sondern automatisiert generiert. Interessant sind die Profile dieser Fake Follower ebenfalls, da sich dort meist keine eigenen Beiträge finden und der Account selbst wenige bis keine eigenen Follower hat.

3.

Mehrsprachigkeits-Check

Handelt es sich um einen deutschen Account, auf dem nur deutsch gesprochen wird und die Follower kommen vermehrt aus Amerika, China oder Indien, ist davon auszugehen, dass es sich dort um Fake-Follower handelt. Wenn ein Influencer Menschen aus der ganzen Welt begeistert, nur nicht die aus dem eigenen Land, dann sollte das Unternehmen misstrauisch stimmen.

4.

Aktivitäts- und Community-Check

Wenn die Followerzahl rasant wächst, deutet das meistens darauf hin, dass manipuliert wird. Auch wenn sich auf einem Account überproportional viele Likes befinden, jedoch keine oder nur vereinzelte Kommentare. Ein weiteres Indiz dafür ist, wenn Follower nicht aktiv sind auf dem Account. Heißt: Sie folgen nur, posten aber nicht. Denn die Kommentarfunktion und die dort vorhandenen Konversationen sind der stärkste Indikator, um die Nähe eines Influencers zu seinen Followern zu analysieren. Eine echte Community zeichnet sich dadurch aus, dass ein gemeinsames Ziel definiert wird: Dies kann beispielsweise Abnehmen sein, ein sportliches Ziel, eine bestimmte Art, die Meditation zu perfektionieren, Menschen dabei zu helfen, vegan zu kochen oder vieles mehr. Es ist der rote Faden der Person und des Accounts, weshalb Menschen einer Person folgen. Menschen kommen zusammen, um von ihrem Vorbild etwas zu lernen und ein gemeinsam definiertes Ziel zu haben. So wachsen sie zu einer Community. Scrollt man durch die Kommentare, so ist festzustellen, dass teilweise sehr detailliert auf Fragen antwortet wird und echte Konversation stattfindet. Bots lernen zwar immer schneller dazu und ahmen immer besser menschliches Verhalten nach, doch aufgrund der bewertenden oder auch einsilbigen Kommentare lassen sie sich von echten Kommentaren unterscheiden.

Schauen Sie sich die Accounts potenzieller Influencer also genau an, wenn Ihr Unternehmen auf der Suche nach einer solchen Partnerschaft ist. Denn bei einer Partnerschaft mit einem Fake-Influencer erreicht ihre Kampagne niemanden, außer andere Fake-Accounts. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern kann ein Unternehmen auch eine Menge Geld kosten. Es ist sinnvoll, sich im Vorfeld Gedanken zu machen, welcher Influencer zu ihrem Unternehmen passt.
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