WM-Kampagne

Grünen-Politiker beschweren sich beim Werberat über Ferrero

Die Lovebrands-Kampagne von Ferrero sorgt für Ärger
© Ferrero
Die Lovebrands-Kampagne von Ferrero sorgt für Ärger
Die Grünen-Politiker Renate Künast und Harald Ebner haben beim Deutschen Werberat Beschwerde gegen die Lovebrands-Kampagne von Ferrero zur Fußball-WM eingereicht. Die Kampagne verstoße gegen den Kodex zur Lebensmittelwerbung gegenüber Kindern, so die Begründung. Denn die in der Kampagne beworbenen Produkte förderten einen ungesunden Lebensstil.
Bei der Kampagne konnten die Verbraucher Sammelpunkte von Ferrero-Produkten wie Nutella und Hanuta ablösen und gegen diverse Prämien eintauschen. Um die "Top-Prämie", einen Fußball mit den aufgedruckten Unterschriften der deutschen Nationalmannschaft, zu bekommen, war etwa der Kauf von 35 450-Gramm-Gläsern Nutella nötig. Das entspreche "15,75 Kilogramm Nuss-Nougat-Creme, neun Kilogramm Zucker, fünf Kilogramm Fett, 85.000 Kilokalorien und 97,65 Euro", wie Künast und Ebner laut Welt vorrechnen.


Beworben hat Ferrero die Kampagne auch im TV. In dem Spot, der den Autogramm-Fußball in den Mittelpunkt rückt, kommt auch ein kleiner Junge vor. Damit stelle Ferrero Identifikation bei Gleichaltrigen her und vermarkte das Produkt auf diese Weise gezielt an Kinder. Auch den Verkauf von Fußball-Sammelkarten mit den deutschen Nationalspielern kritisieren die Politiker. Damit werde das "besondere Vertrauen ausgenutzt, das Kindern ihren Idolen entgegenbringen."
Künasts und Ebners Forderung an den Deutschen Werberat: Stopp der Kampagne und eine Abmahnung für Ferrero für das "grobe Werbe-Foul". Ferrero selbst zeigt sich schmallippig. Auf Nachfrage von HORIZONT Online teilt die Pressestelle des Frankfurter Süßwaren-Herstellers mit: "D
a uns die Beschwerde nicht vorliegt, können wir uns dazu nicht äußern."

Bleibt die Frage, warum Künast und Ebner ihre Beschwerde erst drei Tage vor dem WM-Finale publik gemacht haben. Laut der Kampagnendatenbank Xad war der TV-Spot für die Sammelaktion bereits im April das erste Mal zu sehen. Zeit genug, das Momentum des ansteigenden WM-Fiebers zu nutzen, wäre also gewesen. Jetzt, nach Ende des Turniers, hingegen fährt Ferrero die Kampagne ohnehin herunter. "Wir beschäftigen uns tatsächlich schon längere Zeit mit dem Thema WM-Kinder-Marketing, auch weit über Nutella hinaus", erklärt Ebner auf Nachfrage von HORIZONT Online. "Doch dann kamen uns Horst Seehofer und die Regierungskrise dazwischen, da stand dann erstmal Wichtigeres auf der Tagesordnung als eine Beschwerde beim Werberat. Aber so schlecht ist der Zeitpunkt jetzt auch nicht. Wir hätten die Werbeaktion ja ohnehin kaum stoppen können. Jetzt ist sie noch nicht ganz, aber bald vorbei. Das reduziert immerhin die Gefahr ein wenig, dass wir der Aktion unfreiwillig womöglich noch einen Extra-Schub verpassen."
„Die Regeln stehen längst im Werbekodex. Es wäre gut, wenn sich alle daran hielten.“
Harald Ebner
Ohnehin gehe es vor allem um die Sensibilisierung für das Thema - mit dem Ziel, dass sowas künftig nicht mehr passiert, so Ebner. "Die Regeln dafür stehen ja längst im Werbekodex. Es wäre gut, wenn sich alle daran hielten." Der Politiker betont zudem, dass es nicht darum gehe, Nutella-Werbung zu verbieten. "Nur sollten solche Produkte nicht gezielt für Kinder und mit der Assoziation sportlich-aktiv-gesund beworben und auch noch mit zusätzlichen Sammel-Kaufanreizen kombiniert werden. Das ist ja eigentlich auch längst Konsens, an den sich dann aber auch bitte alle halten sollen."


Es ist nicht das erste Mal, dass sich Ferrero für werbliche Aktivitäten im Sport-Umfeld rechtfertigen muss. Zu Zeiten, als das Unternehmen Partner des Deutschen Fußball-Bundes war, gab es regelmäßig Beschwerden von Verbraucherschutzorganisationen, etwa zu den Europameisterschaften 2012 und 2016. ire
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