Werberats-Bilanz 2019

Edeka, True Fruits, Katjes und Hornbach treiben Beschwerdeaufkommen nach oben

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Der Muttertagsspot von Edeka zog jede Menge Beschwerden auf sich
© Edeka
Der Muttertagsspot von Edeka zog jede Menge Beschwerden auf sich
Das vergangene Jahr bot den Bundesbürgern einige Anlässe, um sich über Werbung zu beschweren. Besonders vier Unternehmen haben dafür gesorgt, dass die Zahl der beim Deutschen Werberat eingegangenen Beschwerden gegenüber dem Vorjahr geradezu nach oben geschossen ist.
2019 sind 3636 Beschwerden beim Deutschen Werberat eingegangen - im Vorjahr waren es 1235. 793 Werbemaßnahmen überprüfte das Gremium, ein Jahr zuvor waren es noch 702. Von den geprüften Fällen fielen 279 nicht in die Zuständigkeit des Werberates.


Übrig blieben 514 einzelne Werbesujets, über die das Selbstkontrollorgan der deutschen Werbewirtschaft zu entscheiden hatte. Das ist ein Plus von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In 141 Fällen folgte der Werberat der Kritik der Beschwerdeführer und forderte das werbende Unternehmen auf, die Werbung zu ändern oder zurückzuziehen. In 128 Fällen kam der Werbungtreibende dieser Aufforderung nach, das entspricht einer Durchsetzungsquote von 91 Prozent.
Die Bilanz des Deutschen Werberats für 2019 (Zum Vergrößern anklicken)
© Deutscher Werberat
Die Bilanz des Deutschen Werberats für 2019 (Zum Vergrößern anklicken)


Zurückgegangen ist dagegen die Zahl der Rügen, die der Werberat aussprechen musste, nämlich von 16 auf 13. Eine davon kassierte Edeka. Der Muttertagsspot des Einzelhändlers ("Danke Mama, dass du nicht Papa bist") ist auch einer der Gründe für das stark angestiegene Beschwerdeaufkommen im vergangenen Jahr. 750 Beschwerden gingen beim Deutschen Werberat ein.


Auch der Film zum Vatertag, den Edeka kurz darauf veröffentlichte, zog zahlreiche Beschwerden auf sich – gerügt wurde er aber nicht. Weitere Kampagnen, über die die Verbraucher sich häufig beschwerten, kamen von True Fruits ("Sommer, wann feierst du endlich dein Cumback?"), Hornbach ("So riecht das Frühjahr"), Katjes ("Cool ohne Kuh") und Netto ("Unverpackt"). Letztere Werbung wurde zurückgezogen, nachdem der Werberat sich eingeschaltet hatte. Mit 261 Fällen stellt Geschlechterdiskriminierung nach wie vor den häufigsten Beschwerdegrund dar. Das ist ein minimaler Rückgang von einem Prozent gegenüber dem Vorjahr. 81 Werbemaßnahmen beanstandete der Werberat schließlich. Dass die Zahl der Einzelbeschwerden in diesem Bereich von 445 auf 727 zugenommen hat, dürfte ein Zeichen für die hohe Sensibilität in der Bevölkerung für das Thema sein, das spätestens seit der #MeToo-Bewegung an Aufmerksamkeit hinzugewonnen hat.

Zweithäufigster Beschwerdegrund war mit 70 Fällen der Verstoß gegen Ethik und Moral, das ist ein Anstieg von 15 Prozent. Am deutlichsten nahmen aber die Beschwerden in der Kategorie Diskriminierung von Personengruppen zu. 45 Fälle bedeuteten einen Zuwachs von 114 Prozent. Auch hier war der Muttertagsspot von Edeka einer der Haupttreiber.

Ebenfalls auffällig ist der starke Anstieg in der Kategorie Umweltschutz (plus 200 Prozent). Die Gesamtzahl der Fälle ist mit neun zwar immer noch vergleichsweise niedrig. Es liegt aber die Vermutung nahe, dass durch Fridays for Future und die Bemühungen der Unternehmen etwa bei der Reduktion von Plastik das Bewusstsein der Verbraucher für Umweltthemen in der Werbung gestiegen ist.
Die Zahl der Beschwerdefälle nach Werbemitteln
© Deutscher Werberat
Die Zahl der Beschwerdefälle nach Werbemitteln
Bei den Werbemitteln dominiert weiterhin Out-of-Home. 108 Beschwerdefälle über analoge oder digitale Plakatwerbung lagen am Ende des Jahres vor (plus 4 Prozent). Die Anzahl der Beschwerden über TV-Werbung ging hingegen um 6 Prozent auf 75 zurück. Erneut um 22 Prozent gestiegen sind die Beschwerden über Werbeinhalte, die in den sozialen Netzwerken verbreitet wurden (55 Fälle). Noch stärker legten allerdings die Beschwerdefälle im Bereich Printwerbung zu, nämlich um 36 Prozent auf 60.

Unter den Branchen mit den meisten Beschwerden liegt der Handel mit 64 Fällen vorn (plus 21 Prozent). Dahinter folgt das Kfz-Gewerbe mit 42 Beschwerdefällen (plus 5 Prozent). Jeweils 30 Fälle verzeichnen die Branchen Lebensmittel und Handwerk, ein Anstieg von 67 beziehungsweise 76 Prozent. ire

In diesen Branchen wurde Werbung am häufigsten gemeldet
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In diesen Branchen wurde Werbung am häufigsten gemeldet
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