Wegen Sexismus

Werberat rügt vier Kampagnen öffentlich

Die Aktion des Volleyballbundesligisten VfB 91 Suhl gehört zu den gerügten Kampagnen
© express.de; Screenshot Deutscher Werberat
Die Aktion des Volleyballbundesligisten VfB 91 Suhl gehört zu den gerügten Kampagnen
Der Deutsche Werberat hat vier Unternehmen öffentlich gerügt, die mit ihren Kampagnen gegen die selbst auferlegten Richtlinien der deutschen Werbewirtschaft verstoßen haben. In allen Fällen lautet die Diagnose: Sexismus bzw. übermäßige Sexualisierung.
Vielfach handelt es sich bei den vom Werberat gerügten Kampagnen um Fälle, die von kleinen, regionalen Betreiben stammen und dementsprechend geringe Verbreitung haben. Auch die Kampagne des thüringischen Landkreises Schmalkalden-Meiningen beim Volleyballbundesligisten VfB 91 Suhl ist eine lokal begrenzte Aktion. Allerdings zog die Werbung weite Kreise. Denn die Frage, inwieweit der Schriftzug Prachtregion.de auf den Hinterteilen der Spielerinnen angemessen ist, rührt an einer grundsätzlichen Werbeform in der Volleyball-Bundesliga. Dort sind Werbeschriftzüge auf der Rückseite der Hosen nichts Ungewöhnliches.


Die Tourismuskampagne aus Thüringen war dem Werberat dann aber doch zu sexistisch und respektlos Frauen gegenüber. Damit würden Frauen auf ihr Äußeres reduziert und eine Sexualisierung von Sportlerinnen begünstigt oder jedenfalls toleriert, so die Argumentation des Gremiums. Die für das Sponsoring verantwortliche Landrätin hatte zwar argumentiert, dass die Werbung witzig gemeint sei und von vielen Menschen auch genau so verstanden wurde. Dies überzeugte den Werberat allerdings nicht. "Andernfalls ließe sich jede Werbung damit rechtfertigen, dass der Werbungtreibende sie anders gemeint habe", heißt es in einer Mitteilung. Der Fall ist auch deswegen pikant, weil der Landkreis Schmalkalden-Meiningen bereits im zweiten Jahr hintereinander den Werberat beschäftigt. Bereits 2017 hatten die Lokalmarketer auf den Pos der Spielerinnen des VfB 91 Suhl den Schriftzug www.beste-lage.com platziert - eine Beschwerde beim Werberat blieb hernach allerdings folgenlos.

Auch die zweite gerügte Kampagne kommt aus Thüringen: Die Fahrzeugwerbung der Spedition Daniel Hoffmann aus Drei Gleichen ist aus Sicht des Werberats übermäßig sexualisiert: "Der Fokus der Betrachter wird durch die obszöne Pose und die Kameraperspektive bewusst auf den Schritt der Frau gelenkt", heißt es in der Begründung. Zudem könnten sich andere Verkehrsteilnehmer der Werbung kaum entziehen, was der Sicherheit nicht gerade zuträglich sein dürfte.
Auch diese Kampagne aus Thüringen wird gerügt
© Deutscher Werberat
Auch diese Kampagne aus Thüringen wird gerügt
Zu "intensiven Diskussionen" ist es laut Werberat mit der Reisch Fahrzeugbau GmbH aus dem bayerischen Ehekirchen-Hollenbach gekommen. Die Firma hat auf ihren Lkws eine knapp bekleideten Frau angebracht, die ihre Hot Pants hochzieht, um den Blick auf ein Herz-Tattoo mit der Aufschrift "Reisch" freizulegen. Der Werberat hatte die Kampagne als frauenherabwürdigend kritisiert - vor allem im Zusammenhang mit dem bayerischen Slogan "…damit hintn a wos scheens dro hängt".


Zwar hatte das Unternehmen zugesagt, die Werbung nicht mehr zu verwenden - allerdings habe sich Reisch geweigert, Fotos von den mit der Werbung versehenen Fahrzeugen aus seinem Facebook-Kanal zu entfernen. Daher nun eine öffentliche Rüge.
Fall Nummer vier stammt aus Sachsen: 
Die Firma Innenausbau & Trockenausbau Sven Blaschke aus Oschatz nutzt für ihr Werbebanner ebenfalls ein spärlich bekleidetes weibliches Gesäß. "Auch hier wird in erster Linie von den sexuellen Reizen des Models Gebrauch gemacht, weshalb der Werberat das Motiv als sexistisch beanstandete", begründet das Gremium. Auch der ebenfalls abgebildete Handwerkergürtel ändere an dieser Einschätzung nichts.

Das werbende Unternehmen habe vorgeschlagen, die Werbung mit einem Zensurbalken über dem Gesäß der Frau zu entschärfen. Doch der Werberat hielt das für nicht ausreichend: "Der Fokus würde auch dann auf dieses Körperteil gelenkt und Frauen so auf ihre sexuellen Reize reduziert."
© Deutscher Werberat
Im ersten Halbjahr 2018 hatte der Deutsche Werberat 394 Beschwerden erhalten (+5 Prozent). Diskriminierung aufgrund des Geschlechts war dabei der Hauptbeschwerdegrund. 137 Mal wurde Werbung deswegen beanstandet. Mit 233 der Beanstandungen setzte sich das Gremium auseinander. Die Bilanz für das Gesamtjahr 2018 steht noch aus. ire

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