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Viele Arbeitnehmer arbeiten wegen der Corona-Epidemie erstmals von zu Hause aus
Pixabay/hamonazaryan1
Wegen Corona-Pandemie

Jeder zweite Arbeitnehmer arbeitet schon im Home Office

Viele Arbeitnehmer arbeiten wegen der Corona-Epidemie erstmals von zu Hause aus
Bislang haben vor allem Eltern kleiner Kinder im Home Office gearbeitet. Wirklich etabliert hat sich das Arbeiten von zu Hause aus hierzulande noch nicht - auch weil die Tätigkeit im Home Office in vielen Unternehmen nicht unbedingt gern gesehen war. Doch die aktuelle Ausnahmesituation scheint den Umgang mit flexiblen Arbeitsmodellen massiv zu beschleunigen, wie eine Umfrage des IT-Branchenverbands Bitkom zeigt. 
von David Hein Mittwoch, 18. März 2020
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Laut der Umfrage unter rund 1000 Angestellten ab 16 Jahren arbeitet mittlerweile jeder Zweite im Home Office. 18 Prozent durften zuvor nicht von zu Hause aus arbeiten und nutzen diese Möglichkeit nun zumindest zeitweise (15 Prozent) oder ganz (3 Prozent). 31 Prozent der Befragten haben schon zuvor im Home Office gearbeitet, 17 Prozent tun das jetzt noch häufiger, 14 Prozent arbeiten komplett von zu Hause aus. 41 Prozent der Befragten gaben an, ihre Tätigkeit sei grundsätzlich nicht von zu Hause aus möglich.


Bei den meisten Unternehmen hat erst der Druck der aktuellen Krisensituation zu einer Einführung von flexiblen Arbeitsmodellen geführt: So wurde bei jedem dritten Befragten wegen der Corona-Krise erstmals Home Office eingeführt, bei 43 wurden bestehende Regelungen ausgeweitet. Bei 45 Prozent der Berufstätigen ersetzen Telefon- und Webkonferenzen die bisherigen Treffen mit persönlicher Anwesenheit.
„Digitale Technologien sind der Schlüssel, um die Arbeitsfähigkeit von Wirtschaft und öffentlichen Einrichtungen wie Ämtern und Schulen auch in dieser außerordentlichen Krisensituation zu gewährleisten.“
Achim Berg
"Die Corona-Pandemie und die drastischen Beeinträchtigungen des öffentlichen Lebens erzwingen ein radikales Umdenken in der Kultur vieler Unternehmen. Noch stärker gefordert sind öffentliche Arbeitgeber, für die Homeoffice oft ein Fremdwort ist", sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. "Digitale Technologien sind der Schlüssel, um die Arbeitsfähigkeit von Wirtschaft und öffentlichen Einrichtungen wie Ämtern und Schulen auch in dieser außerordentlichen Krisensituation zu gewährleisten." Alle Unternehmen seien nun gefordert Home Office für geeignete Tätigkeiten einzuführen. Nicht unwidersprochen bleiben dürfte indes die Forderung von Berg nach einer Lockerung von "aus der Zeit gefallenenen Regelungen" wie der elfstündigen ununterbrochenen Mindestruhezeit und des Acht-Stunden-Tags, die nach Ansicht des Verbands durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit ersetzt werden soll.

Außerdem haben fast alle Unternehmen weitere Maßnahmen zum Schutz vor Ansteckungen ergriffen: 96 Prozent der Berufstätigen sagen, ihr Arbeitgeber habe Begrüßungen per Handschlag verboten. 88 Prozent wurden über persönliche Hygienemaßnahmen wie etwa regelmäßiges und häufigeres Händewaschen informiert. 29 Prozent berichten von einem speziellen Informationsangebot zur Corona-Pandemie, etwa im Intranet oder am Schwarzen Brett. Bei 22 Prozent gibt es zusätzliche Desinfektionsmittel auf Toiletten und am Eingang.
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Für einige Berufstätige ist die Corona-Pandemie mit erheblichen Einschnitten im gewohnten Arbeitsalltag verbunden, wie ein komplettes Empfangsverbot jeglicher Gäste am Unternehmensstandort (19 Prozent), der Absage eigener Veranstaltungen mit externen Gästen (14 Prozent), der Absage von Teilnahmen an externen Veranstaltungen wie Messen und Kongressen (11 Prozent), der Einschränkung von Dienstreisen (10 Prozent) oder einem grundsätzlichen Verbot von Dienstreisen (8 Prozent). dh
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