Von Stuttgart nach München

Jens Thiemer heuert Anfang 2019 bei BMW an

Jens Thiemer wechselt zu BMW
© Björn-Arne Eisermann
Jens Thiemer wechselt zu BMW
Die Spekulationen haben ein Ende. Jens Thiemer heuert zu Jahresbeginn bei BMW an. Der ehemalige Mercedes-Manager wird dort neuer Marketingchef und berichtet an Vorstand Pieter Nota.
Es ist eine Personalie, die in Stuttgart und in Ingolstadt für viel Aufmerksamkeit sorgt. Jens Thiemer wird mit Jahresbeginn bei BMW auf die Position rutschen, die zuvor Hildegard Wortmann und Sven Schuwirth als Leiter der Marke BMW innehatten - allerdings mit einem anderen Zuschnitt. Customer Journey, Digitales Business und Mobilitätsdienstleistungen sind Themen, um die sich der neue Marketingchef vor allem kümmern wird.


Damit dürfte sich der Wettbewerb der drei Premiumhersteller in den kommenden Monaten weiter verschärfen. Denn Schuwirth hat nach seinem Wechsel zu Audi künftig eine ähnliche strukturierte Position und Machtfülle wie Thiemer demnächst bei BMW. Gleichzeitig erhöht sich so der Druck auf das Mercedes-Marketing unter Bettina Fetzer den erreichten Vorsprung mindestens zu halten. Denn kaum einer in der Branche kennt die Strukturen sowie die Denk- und Handlungsweisen des Stuttgarter Erzrivalens so gut wie Thiemer, der seit 2013 das Marketing dort geprägt hatte. Trotzdem war der Entscheider nach seinem Angang bei Mercedes vor gut einem halben Jahr immer wieder mit Mini in Verbindung gebracht worden.

Dass es jetzt die Muttermarke BMW geworden ist, dürfte viel mit den Stärken- und Schwächen-Analysen des Konzerns in den vergangenen Monaten zu tun gehabt haben und mit den Ergebnissen, die der 46-Jährige bei seinem alten Arbeitgeber abgeliefert hatte. Den Willen zum Aufbruch hatte BMW zuletzt nicht durch die Verpflichtung von Pieter Nota als Vorstand Vertrieb und Marke dokumentiert - einem bis dato branchenfremden Manager, der aber für seine Kundenzentriertheit bekannt ist.
Das Duo Nota/Thiemer könnte gut funktionieren. Thiemer hinterfragt gerne Dinge, justiert sie neu und entwickelt Themen weiter. Er geht neue Wege und schreckt auch vor unbequemen Entscheidungen nicht zurück. Nicht zuletzt deshalb hat er das Image und die Wahrnehmung von Mercedes-Benz seit 2013 stark verändert, weg von einem behäbig erscheinenden Autobauer hin zu einem modernen und agilen Mobilitätsanbieter, der auch für jüngere Zielgruppen wieder an Attraktivität gewonnen hat.


Mit Mercedes Me entstand unter seiner Führung ein komplettes digitales Ökosystem an neuen Services und Dienstleistungen. Mit EQ schuf er bei den Stuttgartern eine neue Marke für Elektromobilität - ein Schachzug, über den sich Audi mit seiner Q-Modellpalette bis heute ärgert und der bei Mercedes intern als die "Jens-Thiemer-Gedächtnismarke" gefeiert wird. Auf seine Initiative hin etablierte Mercedes-Benz auch ein neues Agenturmodell. Im Herbst 2014 fiel die Entscheidung, Tonio Kröger und André Kemper das Mandat für den Aufbau einer maßgeschneiderten Agentur zu übertragen, die sich in Deutschland und Europa um die Werbung des Autobauers kümmert. Daraus entstand Antoni.

Und auch das gehört zu seinen Veränderungen: Neben dem Engagement bei E-Sports justierte er die Messeauftritte auf den traditionellen Autoshows. Auf der IAA beispielsweise entstand mit der Me Convention ein komplett neues Format, das vor allem Besucher anlocken sollte, die sich normalerweise nicht für Automessen interessieren. mir

Update 14.12.: Offiziell übernimmt Jens Thiemer bei der BMW Group die Leitung der Markenführung für die Marke BMW. Das hat das Unternehmen heute morgen kommuniziert. "Markensteuerung und Marketingfunktionen sind für einen Premiumhersteller wettbewerbsentscheidende Kompetenzfelder", erklärt Pieter Nota, Mitglied des Vorstands der BMW AG, Vertrieb und Marke BMW. "Unser gemeinsames Ziel ist es, für den Kunden ein durchgängiges Marken-Erlebnis über alle Kontaktpunkte hinweg sicherzustellen.“
Themenseiten zu diesem Artikel:
stats