Vodafone-Personalchefin Bettina Karsch

"Die Zeit der Schreibtisch-Täter ist vorbei"

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Vodafone-Personalchefin Bettina Karsch
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Vodafone-Personalchefin Bettina Karsch
Zum 1. September übernimmt Bettina Karsch die Rolle als HR-Direktorin für die europäischen Cluster-Märkte von Vodafone. Zudem bleibt sie Personal-Geschäftsführerin in Deutschland, bis ihre Nachfolge bestimmt ist. Im Interview mit HORIZONT Online spricht Karsch über den wichtigen Weg hin zu hybriden Arbeitsmodellen und ihr Diversity-Verständnis.

"Seriously?" hätte Bettina Karsch, Geschäftsführerin Personal Vodafone Deutschland, gefragt, wenn man ihr im März 2020 die Herausforderungen des Corona-Jahrs prophezeit hätte. Rund 16.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat der Konzern, und schon vor Corona setzte er auf flexible Arbeitsmodelle. Künftig geht Karsch noch weiter: Jeder Mitarbeiter soll mit seiner Führungskraft besprechen, „wann er wo arbeiten will“. In spätestens drei Jahren sollen 70 Prozent der Vodafone-Büroflächen für Events und Kollaboration und nur noch 30 Prozent für traditionelle Arbeitstische zur Verfügung stehen.


Um die neue Privatheit von Home-Office zu betonen, haben Sie auf Linkedin kürzlich sinngemäß geschrieben: „Der Tisch, an dem ich derzeit an stundenlangen Arbeitsmeetings teilnehme, ist exakt der gleiche, an dem ich mit meiner Familie Silvester gefeiert habe. Wir hätten ehrlicherweise gedacht, dass Sie als Vodafone-Vorständin auch zu Hause ein separates Arbeitszimmer haben. Bettina Karsch: Nein. Meine Kinder sind aus dem Haus, und ich wohne mit meinem Ehemann und unserem Hund in einer Wohnung in Düsseldorf. Und dort habe ich tatsächlich kein separates Arbeitszimmer. Aber mein Arbeitstisch hat die richtige Höhe, steht im Hellen und bietet viel Platz – das passt super.

Da haben Sie mit vielen Ihrer Kollegen vermutlich einiges gemeinsam. Seit dem ersten Lockdown arbeiten rund 90 Prozent der Vodafone-Mitarbeiter im Home-Office. Was hat Sie in den letzten zwölf Monaten bei der konzernweiten Umstellung auf Home-Office am meisten genervt? Am meisten genervt hat mich die Kurzfristigkeit, mit der wir alle agieren mussten. Ein Jahr lang Auf-Sicht-Fahren in so einer schnellen Branche wie der Telekommunikation ist schon sehr herausfordernd. Statt langfristiger strategischer Entscheidungen ging alles in Wellen, die man immer wieder neu anschieben musste. Das hat viel Zeit und Kraft gekostet. Hätte man mir das alles im März 2020 vorhergesagt, hätte ich gefragt: seriously?

Was würden Sie in der Rücksicht heute anders machen? Zum Beispiel hätte ich viel früher damit gestartet, unsere 1300 Shop-Agenten umzuschulen und technisch so anzubinden, dass sie unsere Kunden auch telefonisch beraten können, solange die Shops geschlossen sind.

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