Verfehlte Werbewirkung

Wahlplakate motivieren die meisten Deutschen nicht zum Wählen

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Die Plakate zur Bundestagswahl sind momentan überall präsent - aber nicht in den Köpfen der Wähler_innen
© IMAGO / Chai von der Laage
Die Plakate zur Bundestagswahl sind momentan überall präsent - aber nicht in den Köpfen der Wähler_innen
Seit Wochen prangen die Wahlplakate der großen Parteien an jeder Straßenecke. Doch die dominierenden Motive, nämlich die Gesichter der jeweiligen Spitzenkandidaten hinterlegt mit bunten Farben und gespickt mit zahlreichen mehr oder minder aussagekräftigen Botschaften, scheinen nicht die gewünschte Wirkung zu entfalten. Wie die Kreativplattform 99designs von Vistaprint in einer Umfrage herausgefunden hat, lassen die Plakate den Großteil der Deutschen kalt und rufen bei einigen auch verschiedene negative Reaktionen hervor.
In Kooperation mit der Marktforschungsplattform Corus haben die Designexperten von 99designs insgesamt 500 Deutsche zu ihrer Wahrnehmung und Bewertung der Plakate mit den Konterfeis von Annalena Baerbock, Armin Laschet, Olaf Scholz & Co. befragt. Die Ergebnisse lassen keineswegs auf erfolgreiche Eigenwerbung der Parteien schließen, für die es bei der Bundestagswahl am 26. September auf jede Wählerstimme ankommt.

Insgesamt können sich zwar 75 Prozent der Befragten daran erinnern, in der letzten Woche Wahlplakate gesehen zu haben. Allerdings scheint diese Form der Out-of-Home-Präsenz eher von jüngeren (und daher eventuell mobileren) Menschen wahrgenommen zu werden, während sich mehr als die Hälfte der über 65-Jährigen (51 Prozent) nicht an ein Plakat erinnert. Gerade die Slogans sind offenbar wenig eindrücklich: Der Anteil derjenigen, die diese noch im Gedächtnis haben, liegt unter allen Befragten nur bei 35 Prozent.

99designs zieht daraus den Schluss, dass den Wahlplakaten insgesamt zu wenig Beachtung geschenkt wird, als dass sich die Inhalte bei den Adressaten - also allen wahlberechtigten Bürgern - einprägen könnten. So gaben auch nur insgesamt 32 Prozent der Befragten an, dass die Wahlplakate eine positive Wirkung auf sie hätten. 14 Prozent empfinden die Motive und Botschaften als hilfreich, um sich über Politik zu informieren und 18 Prozent fühlen sich dadurch immerhin an die Wahl erinnert.

Dem gegenüber stehen aber auch beträchtliche Anteile von Bürgern, die gleichgültige bis negative Assoziationen zu den Plakaten haben: 40 Prozent lassen sich nach eigenen Angaben von diesen nicht in ihrer Wahl beeinflussen, 23 Prozent sind die Plakate als solche egal. 22 Prozent finden, dass die Plakate schlecht für die Umwelt sind und 18 Prozent sind von dieser Form der Parteiwerbung genervt.

FDP-Plakat
© Democracy Deutschland
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Eine wichtige Erkenntnis gewannen die Studienverantwortlichen auch hinsichtlich der Kreation, denn ganze 51 Prozent der Umfrageteilnehmer findet es unwichtig, dass die Gesichter der verschiedenen Spitzenkandidaten auf den Plakaten abgebildet werden - was aber alle Parteien tun. Nur 13 Prozent der Befragten sehen das als sinnvoll an.

Gerade in Bezug auf den eigentlichen Zweck der Wahlplakate, die Menschen zur Wahl zu motivieren, lässt die Wirkung offenbar ziemlich zu wünschen übrig. So sind die Werbeposter für mehr als jeden zweiten Umfrageteilnehmer (55 Prozent) keine Motivation, zur Wahl zu gehen. "Die Umfrage lässt Zweifel daran aufkommen, ob Wahlplakate die gewünschte Wirkung erzielen", sagt Kathrin Düring, Managing Director Europe bei 99designs von Vistaprint. "Und wenn man nicht auf das Werbeformat verzichten möchte, gäbe es doch kreativere Optionen als alle vier Jahre die Gesichter der Kandidaten abzudrucken."

Um die Idee von alternativen Gestaltungsmöglichkeiten für Wahlplakate mit konkreten Vorschlägen zu unterfüttern, hat 99designs seine Community zu eigenen Kreationen aufgerufen. Unter anderem diese beiden Motive kamen dabei heraus: 
© Cross the Lime
© Konstantin Kostenko
hmb
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