VDA-Präsident Bernhard Mattes

"Wir machen den Wandel in der Automobilbranche zum Programm der IAA"

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VDA-Präsident Bernhard Mattes spricht erstmals über die Pläne für die IAA 2019
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VDA-Präsident Bernhard Mattes spricht erstmals über die Pläne für die IAA 2019
Die IAA Nutzfahrzeuge hat gerade erst ihre Pforten geschlossen, da präsentiert der Verband der Automobilindustrie (VDA) auch schon seine Pläne für die IAA Pkw 2019. Und die haben es in sich. Denn: Während die Bilanz der Nutzfahrzeugmesse in Hannover für den Verband außerordentlich positiv ausfällt, bereitet die Pkw-Leitmesse den Verantwortlichen nun schon seit geraumer Zeit Kopfzerbrechen. Rückläufige Besucherzahlen und Absagen wichtiger Automobilhersteller zwingen zum Handeln.

Der VDA hat deshalb die Hamburger Agentur Mutabor an Bord geholt und gemeinsam an einem Konzept für eine rundernannten IAA PKW gearbeitet. VDA-Präsident Bernhard Mattes erläutert im Exklusiv-Interview mit HORIZONT, auf welche wichtigen Veränderungen sich die Branche gefasst machen kann.



Wann wurde Ihnen klar, dass ein neues Konzept für die IAA Pkw her muss? 
Wir haben nach der IAA Pkw 2017 in Workshops mit Ausstellern und anderen Unternehmen neue Ideen und Ansätze entwickelt. Das war sehr kreativ und produktiv, eine neue Offenheit wurde deutlich. Auf dieser Grundlage haben wir neue Formate entwickelt, die wir unseren Ausstellern und allen neuen Akteuren der Mobilität von morgen, die wir für die IAA künftig gewinnen wollen, anbieten.

Welche neuen Akteure und Zielgruppen wollen Sie konkret adressieren?
Sie können auf der IAA 2019 erleben, wie neue, intelligente Mobilitätsangebote Ihre Zukunft verändern. Dabei richten wir uns vor allem an die junge Generation. Auch junge Frauen wollen wir noch mehr für die IAA begeistern. Wir adressieren verstärkt Technologie-Begeisterte, aber auch jene, die der individuellen Mobilität bisher kritisch oder abwartend gegenüberstanden. Und natürlich wollen wir unseren Stammbesuchern zeigen, dass die IAA über das bisherige Angebot noch mehr Erlebnis verspricht.


Sie haben für das neue IAA-Konzept die Hamburger Agentur Mutabor an Bord geholt. Was hat Sie an deren Ideen am meisten überzeugt?
An Mutabors "Driving tomorrow"-Ansatz hat uns vor allem die Einfachheit und Klarheit begeistert, mit der die Idee auf den Punkt kommt: Die IAA mit ihren Ausstellern und Akteuren treibt die Zukunft der Mobilität seit vielen Jahrzehnten. Jetzt geht es darum, die Erwartungen und Bedürfnisse neuer Player und Zielgruppen mit unseren Inhalten und Formaten zu verknüpfen. Diesen Ansatz hat Mutabor sofort aufgenommen und in ein modulares, umfassendes Konzept transformiert. Der neue Plan ist pragmatisch genug, um schnell Tempo aufzunehmen. Er erlaubt uns eine zügige Neuausrichtung und bietet zudem Raum für künftige Anpassungen.

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Veränderungen, die Sie im Zuge des Relaunchs vorgenommen haben?
Wir rücken vor allem die Besucher und ihre Bedürfnisse noch stärker ins Zentrum: Mit unserem inhaltlichen Leuchtturm-Format, der IAA Conference, und mit verschiedenen Experience-Formaten können sich die Fachbesucher auf spannende, hochkarätige Debatten freuen, für das breite Publikum bieten wir mehr Erlebnis auf der IAA. Darüber hinaus werden die Aussteller viele eigene Aktivitäten und Ideen im Gepäck haben, auf die sich die Besucher freuen dürfen. Die IAA ist immer ein Zusammenspiel aus dem, was unsere Aussteller inszenieren, und dem VDA-Beitrag als IAA-Veranstalter. Diese „Kombi“ funktioniert hervorragend.

Mercedes-Benz hat mit der Me Convention ein eigenes Kongressformat. Kommen Sie sich da nicht in die Quere?
Die Me Convention umfasst, ebenso wie die IAA Conference, auch gesellschaftspolitische Themen, die die Mobilität von morgen aus verschiedenen Perspektiven behandeln. Ich bin davon überzeugt: Beide Formate ergänzen sich und machen die IAA noch attraktiver. Das schafft Synergien. Und selbstverständlich sind wir auch offen für mögliche Kooperationen.

Gab es jemals Überlegungen, die IAA umzubenennen, um der neuen Positionierung Nachdruck zu verleihen?
Die IAA ist eine starke Marke. Sie steht für die weltweit wichtigste Leitmesse der Mobilität. Es ist daher richtig, sie weiter zu stärken. Allerdings wird es im kommunikativen Auftritt Anpassungen geben. Inhaltlich steht die IAA nicht nur für Modell-Weltpremieren, sondern für die Transformation der Branche – vom Autohersteller zum Mobilitätsanbieter.

2017 gab es eine ganze Reihe von Autoherstellern, die auf die weltweit größte Messe verzichtet haben. Glauben Sie, dass Sie diese Hersteller mit dem neuen Konzept zurückgewinnen können?
Die Gründe, warum der eine oder andere Hersteller 2017 nicht in Frankfurt war, sind unterschiedlich, da spielen unternehmensinterne Dinge oft eine Rolle, auch Kosten. Wir wollen alle potenziellen Aussteller von der Attraktivität der neuen IAA überzeugen. Das ist unser Job. Und natürlich wollen wir gerade auch die langjährigen IAA-Player, die 2017 nicht auf der IAA waren, zurückgewinnen. Sie sind uns wichtig, wir führen dazu jeweils Gespräche. Auch deshalb haben wir diese Unternehmen am Entwicklungsprozess aktiv mitwirken lassen. Das Feedback stimmt uns bisher optimistisch.
„Wir wollen die IAA im Wortsinn in die Stadt tragen.“
Bernhard Mattes
BMW hat bereits angekündigt, seine IAA-Fläche 2019 deutlich verkleinern zu wollen. Wie sehr schmerzt Sie das?
Jede einzelne Nicht-Teilnahme schmerzt uns und wir beschäftigen uns intensiv mit den Ursachen, die hinter jeder einzelnen Absage stehen. Genau aus diesem Grund machen wir nun neue Angebote und laden zur gemeinsamen Gestaltung der neuen Formate ein. Das ist ein Prozess, der mit der IAA 2019 seinen Anfang nimmt und konsequent fortgeführt wird. Wir werden den schnelleren Wandel noch stärker zum Programm der Ausstellung machen. Grundsätzlich gilt: Je attraktiver und zukunftsorientierter das Gesamtkonzept ist, desto höher ist das Interesse der Unternehmen, mit einem eigenen starken Auftritt dabei zu sein. Wir alle arbeiten daran, den Erlebnischarakter der IAA weiter auszubauen.

Gibt es Aussteller, die ihre Rückkehr bereits signalisiert haben beziehungsweise ihre Präsenz ausbauen wollen?
Wir sind mit diesen Unternehmen im Gespräch. Darunter sind Aussteller, die zuletzt nicht da waren, und andere Firmen, für die die IAA jetzt hohe Relevanz gewinnt. Neben etablierten Unternehmen sind das unter anderem Start-ups, Software-Unternehmen sowie Anbieter alternativer Mobilitätsdienstleistungen.

Die IAA soll in Zukunft auch außerhalb der Frankfurter Messehallen verstärkt sichtbar werden. Was planen Sie? 
Die IAA ist schon heute mehr als eine Messe. Daher erweitern wir das Programm. Dazu sind wir mit verschiedenen Institutionen der Stadt Frankfurt im Gespräch. Wir wollen die IAA im Wortsinn in die Stadt tragen. Dabei geht es um Probefahrten zu öffentlichen Plätzen, Events mit Bezug zu IAA-Themen oder Angebote, um neue Mobilitätslösungen direkt erleben zu können. Es soll dabei noch stärker sichtbar werden, dass wieder "IAA-Zeit" ist. Wir laden heute schon die Frankfurter Bürger, alle Mobilitätsbegeisterten aus dem Rhein-Main-Gebiet und darüber hinaus ein, die neuen Angebote zu entdecken. bu

 
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