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OWM-Mitglieder fordern mehr Engagement von Facebook gegen Hate Speech

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OWM-Geschäftsführer Joachim Schütz fordert von Facebook und Co. mehr Schnelligkeit
© Alex Grimm / Getty Images
OWM-Geschäftsführer Joachim Schütz fordert von Facebook und Co. mehr Schnelligkeit
Die Organisation der Werbungtreibenden im Markenverband (OWM) wollte von ihren Mitgliedern wissen, wie sie das Engagement von Facebook im Kampf gegen Hate Speech einschätzen. Das Ergebnis der Umfrage fällt eindeutig aus: 83 Prozent der teilnehmenden Unternehmen sind der Meinung, dass Facebook bisher zu wenig gegen Hassrede auf seiner Plattform unternimmt.
Als Folge haben bereits 36 Prozent der befragten Unternehmen Kampagnen bei Facebook und dessen Tochterunternehmen gestoppt oder planen dies zu tun. Dabei haben sich interessanterweise nur 16 Prozent darauf festgelegt, im Juli ihre Facebook-Werbung auszusetzen. Die meisten Unternehmen haben kein Enddatum für das Werbe-Moratorium festgelegt. Die Initiatoren der #StopHateForProfit-Kampagne haben die Werbungtreibenden ursprünglich aufgerufen, im Juli sämtliche Kampagnen auf Facebook, Instagram und Co zu stoppen.


Die Bereitschaft, nicht nur Facebook für mangelnden Einsatz gegen Hate Speech abszustrafen, ist dabei unter den OWM-Mitgliedern recht hoch. Über die Hälfte (53 Prozent) der Umfrageteilnehmer überdenkt im Hinblick auf Hate Speech, extremistische oder diskriminierende Inhalte auch die Aktivitäten auf weiteren Social-Media-Plattformen. Die Daten wurden im Rahmen einer anonymisierten schriftlichen Befragung in der Zeit vom 2. bis zum 6. Juli 2020 erhoben. 30 Unternehmen haben sich an der Umfrage beteiligt. "Wir haben die klare Forderung an alle Social-Media-Plattformen, konsequent und unnachgiebig gegen Hate Speech, Fake News und diskriminierende Inhalte vorzugehen", sagt OWM-Geschäftsführer Joachim Schütz. "Diese Position vertreten wir seit Jahren sowohl in der Öffentlichkeit wie auch im partnerschaftlichen Dialog mit den Marktpartnern mehr als deutlich. Die OWM und ihre Mitgliedsunternehmen erwarten von den Marktpartnern, dass sie deutlich schneller und konsequenter agieren. Alle Beteiligten haben eine gesellschaftliche Verantwortung in dieser Thematik."

Facebook selbst hat in Person verschiedener Manager zuletzt betont, wie engagiert man den Kampf gegen Hassrede und Desinformation führe - und dass Facebook keinerlei Interesse an der Verbreitung solcher Inhalter habe. "Wir verdienen damit auch kein Geld", versichterte jüngst Deutschlandchef Tino Krause gegenüber HORIZONT.
„Die OWM und ihre Mitgliedsunternehmen erwarten von den Marktpartnern, dass sie deutlich schneller und konsequenter agieren.“
Joachim Schütz, OWM
Das registriert man auch bei der OWM. "Wir wissen, dass Facebook und andere Social Media Plattformen in den letzten Jahren eine Reihe von Maßnahmen zur Bekämpfung von Hate Speech ergriffen haben. Wir sind mit diesen Marktpartnern permanent im Austausch und erkennen dies auch an", sagt Christine Diener, Leiterin Digital bei dem Kundenverband. Allerdings dürfe Facebook nicht nur auf Taten aus der Vergangenheit verweisen, sondern es gelte, "vorwärtsgerichtet zügig weitere Maßnahmen zu ergreifen, um Hate Speech, Fake News und diskriminierende Inhalte wirksam zu bekämpfen."


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Derweil droht Facebook an anderer Stelle weiteres Ungemach. Eine von der TV-Gattungsinitiative Screenforce in Auftrag gegebene Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Facebook und Co. bei der Werbewirkung deutlich schlechter abschneiden als klassisches TV.
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