Trotz Urteil

Telekom hält an StreamOn-Kampagne fest

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Die Kampagne für das neue Stream-On-Paket Social Flat läuft seit Anfang Juli
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Die Kampagne für das neue Stream-On-Paket Social Flat läuft seit Anfang Juli
Anfang Juli startete die Deutsche Telekom eine Kampagne, die in puncto Bildsprache und Tonalität deutlich jünger daherkommt als herkömmliche Werbeauftritte des Bonner Konzerns. Kein Wunder: Denn die TV-Spots, die mit dem Spruch "So flat wart ihr noch nie #DABEI" arbeiten, sollen vor allem junge Leute ansprechen - und für die neue Social&Chat-Option des Stream-on-Angebots begeistern. Das gestrige Urteil des Oberverwaltungsgerichts in Münster kommt für die Telekom daher extrem ungelegen. Der Konzern gibt sich aber noch lange nicht geschlagen.
Das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Münster hatte am Montag in einem Eilverfahren der Bundesnetzagentur recht gegeben und das StreamOn-Angebot der Telekom in seiner jetzigen Form für nicht rechtens erklärt. Begründet wird das mit einem Verstoß gegen die Netzneutralität. Grund: Nutzer des Angebots, bei dem der Datenverbrauch bei bestimmten Apps nicht auf das Monatsvolumen angerechnet wird, können Videos unterwegs nur in geringerer Qualität ansehen. Der Datenverkehr wird aus Sicht der Richter daher nicht wie vorgeschrieben gleichbehandelt. Da der Datenverbrauch von StreamOn-Nutzern zudem im Ausland eben doch angerechnet wird, verstößt die Telekom aus Sicht der Richter auch gegen EU-Roamingregeln.


Die erste Reaktion der Telekom auf das Urteil ließ nicht lange auf sich warten. "Wir werden jetzt prüfen, wie wir mit dem Urteil umgehen", hieß es gestern in einer knappen Stellungnahme aus Bonn. Der Konzern sei von der Rechtmäßigkeit von StreamOn weiterhin überzeugt und werde auch zukünftig alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen. 

Zweifel, in dem Rechtsstreit am Ende den Kürzeren zu ziehen, hat die Telekom offenbar nicht. Dafür spricht, dass die Telekom keinen Anlass sieht, die Kampagne nun auszusetzen oder gar einzustampfen - im Gegenteil. Ein Sprecher des Konzerns kündigt gegenüber HORIZONT Online an, dass die Kampagne wie geplant weiterlaufen wird. Und nicht nur das: Die Telekom will StreamOn in jedem Fall weiter anbieten. Allerdings fordert der Konzern von der Bundesnetzagentur "eine angemessene Umsetzungsfrist" für die nun erforderlichen Anpassungen. Welche das sind, verrät die Telekom noch nicht. Allerdings wäre es naheliegend, wenn der Konzern bei Nutzern, die unterwegs sind, künftig auf die Drosselung der Übertragungsrate verzichten - und den Datenverbrauch auch im Ausland nicht auf das Monatsvolumen anrechnen würde. In diesem Fall wäre tatsächlich der Kunde König. Denn dem Sprecher zufolge soll sich am Preis für StreamOn auch nach der Anpassung nichts ändern. mas

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