Tier, Lime, Circ & Co

Studenten fahren (noch) nicht auf E-Scooter-Marken ab

Lime gehört zu einem der größten E-Scooter-Anbieter
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Lime gehört zu einem der größten E-Scooter-Anbieter
Seit ein paar Wochen sind viele deutsche Großstädte voll davon. Die Rede ist von den meist knallbunten E-Scootern, die nicht nur auf Fahrradwegen, sondern (unerlaubterweise) auch auf Gehwegen umherdüsen und dann frecherweise auch noch gern auf Parkplätzen abgestellt werden. Fast hat es den Anschein, als wollten Anbieter wie Tier, Lime, Circ und Voi mit ihrem konzertierten Angriff auf einen Schlag die städtische Mobilität revolutionieren. Eine Umfrage zeigt jetzt allerdings, dass es bis dahin noch ein weiter Weg ist. Bei Studierenden müssen die E-Scooter-Anbieter jedenfalls noch viel Überzeugungsarbeit leisten.
Wenn es eine Zielgruppe gibt, für die E-Scooter prädestiniert sind, dann ja wohl Studenten. Immerhin leben Studis nicht nur in aller Regel in den Großstädten, in denen die E-Scooter-Marken präsent sind. Sie dürften auch wesentlich häufiger unterwegs sein als Arbeitnehmer.


Was die Anbieter nerven dürfte: Ausgerechnet die Studierenden scheinen von den Vorteilen der elektrisch betriebenen Tretroller noch nicht so richtig überzeugt zu sein. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Studenteninitiative "MTP – Marketing zwischen Theorie und Praxis" unter ihren Mitgliedern in 19 deutschen Städten. Danach haben zwar fast alle Befragten (97,3 Prozent) grundsätzlich Interesse an dem neuen Fortbewegungsmittel. Allerdings haben mehr als 82 Prozent aller Studentinnen und Studenten bisher noch nie einen E-Scooter benutzt.

Dass bislang so wenige Studenten auf E-Scootern durch die Innenstädte düsen, dürfte in erster Linie etwas mit dem (nicht gerade günstigen) Preis zu tun haben, der für die Anmietung eines solchen Rollers anfällt. Wer etwa in Frankfurt einen Tier-Roller mietet, muss einen Euro Freischaltgebühr und 19 Cent pro Minute Fahrzeit zahlen. Eine halbstündige Fahrt schlägt demnach mit 6,70 Euro zu Buche. Das ist mehr als der Rhein-Main-Verkehrsverbund RMV für eine Tageskarte verlangt. Die kostet 5,35 Euro - und berechtigt den Inhaber, 24 Stunden lang mit S-Bahn, Straßenbahn und U-Bahn unterwegs zu sein. 


Dass für die in der Regel chronisch klammen Studis ein hoher Preis eher abschreckend wirken dürfte, ist naheliegend, wird aber auch von der Umfrage bestätigt. Demnach ist der Preis für 90,4 Prozent der Befragten und damit für die große Mehrheit das wichtigste Auswahlkriterium bei der Wahl eines E-Scooters. Erst an zweiter Stelle folgt die Sicherheit, die 70,7 Prozent für wichtig oder sehr wichtig erachten. Auch die Bequemlichkeit des jeweiligen Rollers erzielt mit 68,8 Prozent einen hohen Wert.

Eher unwichtig ist dagegen die Attraktivität der Marke. Nur 37,9 Prozent lassen sich davon stark oder sehr stark beeinflussen. Was angesichts des Umstands, dass die Marken alle erst seit einigen Wochen in Deutschland am Start sind, nicht wirklich überrascht. 

Abgefragt wurde auch die Nutzung anderer Verkehrsmitteln. Die Nase vorn hat hier der öffentliche Personennahverkehr. Rund drei Viertel der Befragten sind damit zufrieden und nutzen ihn regelmäßig. 47,9 Prozent der Befragten gehen auch häufig zu Fuß und 42,9 Prozent fahren oft Rad. Dagegen werden Auto oder Motorrad nur von 29,7 Prozent häufig genutzt. An der Befragung nahmen 219 Personen im Alter zwischen 18 und 29 Jahren teil, die alle an einer deutschen Hochschule studieren. mas
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