+Teengeist-Studie

Warum die Mehrheit der Gen Z Gendern nicht wichtig findet

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Die fünfte Ausgabe der "Teengeist"-Studie hat den Schwerpunkt Diversity.
© Fischer Appelt/Appinio
Die fünfte Ausgabe der "Teengeist"-Studie hat den Schwerpunkt Diversity.
Diversity, Diskriminierung und Gendern - das sind drei Buzzwords, die die aktuellen gesellschaftlichen Debatten bevölkern. Doch wie denkt die derzeit von Werbungtreibenden und Marken gleichermaßen heißumkämpfte Gen Z über diese Gesellschaftsthemen? Im Rahmen der fünften Auflage der Studie "Teengeist" haben dies Fischer Appelt und das Hamburger Marktforschungsinstitut Appinio untersucht - mit überraschenden Erkenntnissen.
Der Juni steht jedes Jahr weltweit unter dem Motto "Pride Month" und dabei ganz im Zeichen der Regenbogenflagge. Die LGBTIQ-Szene wirbt dabei für mehr Toleranz und feiert die Vielfalt der Gesellschaft. Passend dazu haben Fischer Appelt und Appinio diesen Monat genutzt, um ihre repräsentative Online-Umfrage unter 1000 deutschen Jugendlichen zwischen 16 und 19 Jahren durchzuführen.

Eines der zentralen Ergebnisse: Für 64 Prozent der befragten Teens ist Gendern überhaupt nicht bis eher nicht wichtig. Zum Vergleich: Rund ein Drittel (36 Prozent) hält das Thema aber durchaus für wichtig bis sehr wichtig. Das belegt auch eine vergangenes Jahr durch die Kölner Digital-Content-Agentur House of Yas durchgeführte Studie. Rund 46 Prozent der Frauen würden eher bei Marken kaufen, die Wert auf Gendern legt, heißt es dort. Für Männer gilt das jedoch nur für 25 Prozent.
© Fischer Appelt/Appinio
Auch das Thema Diversity wurde im Rahmen der Studie abgefragt. Mehrheitlicher Konsens herrscht darüber, dass Vielfalt für fast zwei Drittel der Befragten (61 Prozent) von großer Bedeutung ist. Vollkommen egal ist es dagegen nur 12 Prozent. Geteilter Meinung ist man hingegen bei der Frage, ob Diversität von der Gesellschaft ausreichend vorangetrieben wird. Rund die Hälfte der Jugendlichen (52 Prozent) gaben an, dass gesellschaftlich genug getan würde, 47 Prozent gehen vom Gegenteil aus. Laut den Forschenden sei hierbei auffällig, dass weibliche Studienteilnehmende das Thema kritischer sehen als männliche.

Im Top- sowie Flop-3-Ranking der Branchen, in denen Diversität bereits gelebt wird, zeigt sich: Als besonders vielfältig aufgestellt sehen die befragten Teens Medien und Musik (jeweils 66 Prozent), dicht gefolgt von der Fashion Industrie (62 Prozent). In Politik und Wirtschaft dominieren laut den Jugendlichen nicht-diverse Strukturen (jeweils 48 Prozent). Dem Bereich Sport attestierten 36 Prozent eine Unterräpresentation von Vielfalt. Entgegen der allgemeinen Forderung der jüngeren Generation, dass Diversity auch Thema in der Markenkommunikation von Unternehmen sein sollte, fällt 85 Prozent der Befragten keine konkrete Marke oder kein spezielles Unternehmen ein, wenn sie an Diversität denken.
© Fischer Appelt/Appinio
Aber wie divers fühlen sich die befragten Gen Zler mit Blick auf ihre eigene sexuelle Orientierung? Rund die Hälfte (48 Prozent) identifizierte sich klar als weiblich, 46,5 Prozent hingegen als männlich. Jeweils rund 1 Prozent gab an, sich als "Trans male", "Trans female" oder "Gender non-conforming" zu sehen. Ebenfalls 1 Prozent zählte sich zu einer anderen Identität. Darüber hinaus orientiert sich die große Mehrheit (70 Prozent) heterosexuell.

Ein besonders erschreckendes Ergebnis der Studie: Laut den Forschenden hat die Mehrheit der befragten Teens (61 Prozent) bereits Diskriminierung im Alltag erlebt – etwa wegen ihrer geistigen oder körperlichen Fähigkeiten (19 Prozent), ihres Alters (18 Prozent) oder ihrer ethnischen Herkunft (16 Prozent). Besonders häufig haben die Gen Zler bei der Beantwortung dieser Fragen eigene Antworten ergänzt, wie etwa, dass Aussehen, Gewicht, Körpergröße, Geschlecht oder Charaktereigenschaften Auslöser für Diskriminierungserfahrungen gewesen seien. Der fianzielle Backround der Befragten spielte dabei auch eine Rolle: Laut der "Teengeist"-Studie sind finanziell besser gestellte Teens insgesamt weniger von Diskriminierung betroffen als finanziell benachteiligte. mad 
Über Teengeist
Die nun veröffentlichte Studie ist bereits die fünfte Ausgabe des Formats. Dafür wurden von Fischer Appelt in Kooperation mit dem Marktforschungsunternehmen Appinio repräsentativ 1000 Teenager in Deutschland im Alter zwischen 16 und 19 Jahren online befragt. Die aktuellen Daten sind am 30. Juni 2022 erhoben worden.



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