Studie zur Kindergesundheit

Unicef und WHO fordern stärkere Regulierung von Werbung für Kinder

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Die Experten warnen vor "schädlichen Marketingpraktiken"
© Vidmir Raic/ Pixabay
Die Experten warnen vor "schädlichen Marketingpraktiken"
Nicht nur die fortschreitende Umweltzerstörung und der Klimawandel gefährden die Gesundheit von Kindern, sondern auch Werbung für gesundheitsschädliche Produkte. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO, dem UN-Kinderhilfswerk Unicef und dem Medizinjournal The Lancet. Die Autoren fordern daher unter anderem eine strengere Regulierung von Werbung. 
Erarbeitet wurde die Studie von einer 40-köpfigen Expertenkommission. Diese zeichnet ein alarmierendes Bild für die Zukunftsaussichten von Kindern, die heute aufwachsen. So seien die Fortschritte, die bei der gesundheitlichen Situation von Kindern in den vergangenen zwei Jahrzehnten erzielt wurden, weitgehend zum Stillstand gekommen. In vielen Bereichen drohe sogar ein Rückschritt. Weltweit bleiben 250 Millionen Kinder unter fünf Jahren wegen Mangelernährung in ihrer Entwicklung so weit zurück, dass sie ihr Potenzial ihr Leben lang nicht ausschöpfen könnten, so die Autoren. 


„ Wir stimmen mit Greta Thunberg überein. Unsere Welt brennt.“
Anthony Costello
Dabei gefährden nicht nur arme Länder die Zukunft ihrer Kinder - im Gegenteil: Reichere Länder gefährdeten die Zukunft der Kinder weltweit durch ihre hohen klimaschädlichen CO2-Emissionen. "Wir stimmen mit Greta Thunberg überein", so der Gesundheitsexperte Anthony Costello, einer der Hauptautoren der Studie: "Unsere Welt brennt."

Eine weitere große Gesundheitsgefahr, der vor allem Kinder in reichen Ländern ausgesetzt sind, ist nach Meinung der Autoren Werbung. 
Alle Länder setzten junge Menschen Werbung für gesundheitsschädliche Produkte wie Alkohol, Tabak, überzuckerte Getränke und Fast Food aus, heißt es weiter. In Los Angeles sähen Jugendliche im Durchschnitt vier Alkoholwerbungen am Tag. In China könnten 86 Prozent der Fünf- und Sechsjährigen mindestens eine Zigarettenmarke identifizieren. 


Die Werbung für stark zuckerhaltige Getränke und Fast Food sei mitverantwortlich für die alarmierende Ausbreitung von Fettleibigkeit. 1975 seien elf Millionen Minderjährige weltweit fettleibig gewesen, 2016 schon 124 Millionen. Der Bereich der Online-Werbung, die auf Minderjährige ziele, sei völlig unreguliert, monierte Costello. Vereinbarungen mit der Industrie zu Selbstregulierung funktionierten nicht. 

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"Klimawandel, Übergewicht und schädliche Werbe- und Marketingpraktiken führen dazu, dass Kinder Gefahren ausgesetzt sind, die vor einigen Jahrzehnten noch undenkbar schienen", sagt UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore. "Deshalb sind tiefgreifende Veränderungen nötig: Jede Regierung muss die Rechte von Kindern ins Zentrum ihrer Politik stellen und ihr Wohlergehen zum Maßstab ihres Handelns machen." 

Die Expertenkommission fordert daher neben Maßnahmen wie einer drastischen Reduktion des CO2-Ausstoßes und mehr politischer Teilhabe für Kinder auch eine strengere Regulierung von Werbung für Kinder. Dazu soll unter anderem die UN-Kinderrechtskonvention um ein neues Zusatzprotokoll ergänzt werden. 

In Deutschland hat der Werberat Anfang des Jahres eine aktualisierte Version seines seit 2009 existierenden Lebensmittelkodex vorgestellt. Der überarbeitete Teil betrifft Werbung, die sich an Kinder richtet. Diese soll etwa nicht direkt zum Kauf auffordern oder die geschäftliche Unerfahrenheit von Kindern ausnutzen. Lebensmittelwerbung für Kinder dürfe zudem nicht einem gesunden, aktiven Lebensstil und ausgewogener, gesunder Ernährung entgegenwirken. dh/dpa
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