Studie zu ein Jahr DSGVO

Jeder dritte Deutsche glaubt, die Kontrolle über seine Daten verloren zu haben

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Die Datenschutzgrundverordnung ist seit einem Jahr in Kraft
© Fotolia / Tomasz Zajda
Die Datenschutzgrundverordnung ist seit einem Jahr in Kraft
Vor einem Jahr, am 25. Mai 2018, trat die neue Datenschutz-Grundverordnung in Kraft. Doch statt für mehr Sicherheit zu sorgen, glaubt jeder dritte Deutsche, die Kontrolle über seine Daten verloren zu haben. Und auch das gehört zu den Ergebnissen einer Studie von Content Echo und Norstat, die HORIZONT vorab vorliegt: Immer mehr Konsumenten haben keine Probleme damit, Amazon Echo, Apple HomePod oder Google Home zu nutzen, auch wenn die Geräte mithören.
Der Konsument ist ein paradoxes Wesen: Jeder dritte Deutsche glaubt, er hat keine Kontrolle über seine Daten. Aber wenn die Smartspeaker mithören, ist das eigentlich okay.
© Content Echo
Der Konsument ist ein paradoxes Wesen: Jeder dritte Deutsche glaubt, er hat keine Kontrolle über seine Daten. Aber wenn die Smartspeaker mithören, ist das eigentlich okay.
Mittlerweile gehört es fast überall schon zum gewohnten Prozedere. Im Hotel, beim Onlineshopping, im Kundenclub, beim Besuch einer Website oder beim Arztbesuch - überall unterschreiben Menschen eine Datenschutzerklärung. Doch ein besseres Gefühl scheint die DSGVO nicht zu vermitteln. Zu dem Ergebnis kommt jedenfalls eine Studie von Content Echo und Norstat. Danach glaubt jeder Dritte in Deutschland, die Kontrolle über seine Daten verloren zu haben. Nur fünf Prozent der Befragten sind sich sehr sicher zu wissen, welche Daten ein Unternehmen über sie gespeichert hat.
Negative Erfahrungen mit dem Datenschutz
© Content Echo
Negative Erfahrungen mit dem Datenschutz
"Erschreckend", findet das Markus Braun, Inhaber von Content Echo, einem Full Service Anbieter von Marketing Automatisierung. Immerhin war ein Ziel der DSGVO mehr Transparenz und Kontrollmöglichkeiten zu ermöglichen. Doch das scheint bisher nicht gelungen. Vier von fünf Deutschen (81 Prozent) empfinden die Regelungen zumindest zum Teil als zu kompliziert.
Studie
Für die Untersuchung hat das Marktforschungsunternehmen Norstat vom 18. bis 25. April 2019 online 1011 Personen ab 18 Jahren in Deutschland befragt. Die Umfrageergebnisse des Faktenkompass Datenschutz sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung.
Die Folge: Knapp drei Viertel (72 Prozent) der Befragten werfen nur gelegentlich bis nie einen Blick auf die Erklärung. Und auch das gehört zu den Ergebnissen: Bisher nutzen nur wenige Konsumenten die Möglichkeit, bei Unternehmen personenbezogene Daten anzufordern - bisher nur 15 Prozent.  Das könnten aber mehr werden. So erklärt jeder zweite Befragte (46 Prozent), in Zukunft wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich über ihn gespeicherte Daten bei den Firmen anzufordern. Und auch das ist für Unternehmen erstmal keine gute Nachtricht. 32 Prozent der Befragten wollen künftig eher weniger Daten zur Verfügung stellen. Und knapp mehr als die Hälfte von Ihnen befürwortet die Idee, eine Daten-Steuer auf Unternehmensgewinne zu erheben, die Fimen auf Basis von Nutzer- oder Kundendaten erwirtschaftet haben.
Maues Interesse an der Datenschutzerklärung
© Content Echo
Maues Interesse an der Datenschutzerklärung
Allerdings agieren Konsumenten auch etwas paradox. Trotz des Kontrollverlustes, teilen sie bereitwillig persönliche Informationen mit Internetunternehmen. Mittlerweile nutzen 15 Prozent der Deutschen einen intelligenten Lautsprecher wie Amazon Echo, Apple HomePod oder Google Home - obwohl 67 Prozent der Nutzer es für wahrscheinlich halten, dass auch private Gespräche aufgezeichnet und ausgewertet werden. Und auch das stört am Ende nicht jeden. Im Gegenteil: 24 Prozent der Befragten ist die Aufzeichnung privater Gespräche egal. mir
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