Channel

An Amazon führt im Onlinehandel kein Weg mehr vorbei
Amazon
Studie

So dominiert Amazon den deutschen Handel

An Amazon führt im Onlinehandel kein Weg mehr vorbei
Immer mehr Verbraucher informieren sich vor einem Kauf über die Preise bei Amazon - und zwar nicht nur beim Online-Shopping, sondern auch im stationären Handel. Das zeigt eine aktuelle Studie des IFH Köln. Vor diesem Hintergrund ist das Kernergebnis der Studie wenig überraschend: Die Experten des Instituts für Handelsforschung bescheinigen dem Online-Riesen, der kürzlich versehentlich seinen deutschen Marktplatzumsatz in Höhe von 10,20 Milliarden Euro öffentlich machte, eine enorme Machtstellung. Die Botschaft an die Einzelhändler: Wer seine Rechnung ohne Amazon macht, könnte schnell auf die Verliererstraße geraten.
von Marco Saal Dienstag, 02. Juli 2019
Alle Artikel
X

Im deutschen Einzelhandel ist es längst gang und gäbe: Bevor ein Kunde sich ein Produkt schnappt und zur Kasse geht, werden erst mal auf dem Smartphone die Online-Preise bei Amazon gecheckt. Wie verbreitet dieses Phänomen inzwischen ist - und wie sehr Amazon dadurch an Einfluss gewonnen hat - belegt das IFH Köln schwarz auf weiß.



Laut der Studie, für die das Institut eigene Marktdaten sowie Amazon-Kaufhistorien ausgewertet und im Zeitraum von Oktober 2018 bis März 2019 insgesamt mehr als 10.000 Onlineshopper im Alter von 14-69 Jahren online befragt hat, recherchieren Verbraucher im Schnitt bei 60 Prozent der Onlinekäufe und 27 Prozent aller stationären Käufe vorher die Preise bei Amazon. Im Bereich „Consumer Electronics & Elektro“ ist dieses Verhalten besonders weit verbreitet. Bei rund 67 Prozent der Onlinekäufe und 44 Prozent der Anschaffungen im stationären Handel werden vorab die Preise bei Amazon gecheckt.

Den Usern geht es auch nicht nur um Preise.  Vor allem die Kundenbewertungen der Amazon-Community liegen hoch im Kurs: Nur 10 Prozent der Nutzer vertrauen nicht auf die Kundenbewertung mit Sternen. Auch Amazon-Bestseller und Amazons Choice-Produkte genießen einen hohen Vertrauensvorschuss: Lediglich 17 beziehungsweise 19 Prozent der Amazon-Kunden vertrauen diesen Kennzeichnungen nicht.


Laut Studie können auch andere E-Commerce-Plattformen da nicht mithalten. So sei der Anteil von Amazon an der Onlineinformationssuche in der Mehrheit der Branchen teilweise deutlich angestiegen - und damit auch der Einfluss Amazons auf den gesamten Handel, heißt es in einer Mitteilung zur Studie.

Meist gelesen auf Horizont+
Wie hoch dieser Einfluss ist, wird ebenfalls mit Zahlen belegt. Laut IFH sind inzwischen rund 31 Prozent aller Umsätze im Nonfood-Bereich – egal ob online oder stationär – von Amazon abhängig. Davon erzielt Amazon, dessen Eigenhandelsgeschäft 2018 nur um 2,2 Prozent gewachsen ist, sieben Prozent der Umsätze selbst. Die übrigen 24 Prozent entfallen laut IFH auf Umsätze, die direkt von Amazon beeinflusst werden – zum Beispiel durch die bereits erwähnte Informationssuche auf der Onlineplattform.

Der Einfluss von Amazon auf die unterschiedlichen Segmente
© IFH
Der Einfluss von Amazon auf die unterschiedlichen Segmente
Der Einfluss zieht sich durch alle Segmente. Laut der Studie ist selbst in der Fashion-Branche, die traditionell weniger mit Amazon in Verbindung gebracht wird, rund ein Viertel des Marktvolumens von Amazon abhängig. In anderen Branchen fällt dieser Anteil deutlich höher aus (siehe Grafik). 

"Für Handelsakteure ist es essenziell, Amazon ganzheitlich auf dem Schirm zu haben. Reiner Konkurrent im Onlinehandel ist Amazon längst nicht mehr. Anbieter, die nicht maßgeblich an ihrer Positionierung arbeiten und hierin investieren, werden zukünftig nicht mehr als relevante Anlauf- und Kauforte wahrgenommen“, sagt Eva Stüber, Mitglied der Geschäftsleitung des IFH Köln. mas

Themenseiten zu diesem Artikel:
stats