Studie

Marken fordern Influencer zum Verstoß gegen Kennzeichnungs-Richtlinien auf

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Bekannt und einflussreich: Influencer wie Dagi Bee.
© Screenshot Youtube
Bekannt und einflussreich: Influencer wie Dagi Bee.
Über die Frage, wie werbliche Postings in sozialen Medien gekennzeichnet werden sollen, diskutiert die Influencer-Branche bereits seit Jahren. Allerdings sind die Auftraggeber, die werbungtreibenden Unternehmen, nicht so sehr an Aufklärung interessiert, wie eine aktuelle Studie zeigt. Im Gegenteil: Demnach fordern viele Marken von Influencern ein, bewusst gegen die Richtlinien der Kennzeichnung zu verstoßen.
Knapp zwei von drei Influencern haben in einer Befragung des britischen Unternehmens Takumi geäußert, mindestens einmal von einem Werbungtreibenden unter Druck gesetzt worden zu sein, gegen die Kennzeichnungspflichten in ihren bezahlten Postings zu verstoßen. Für die Untersuchung befragte Takumi in Großbritannien, Deutschland und in den USA insgesamt 2.250 Verbraucher, 750 Marketer und 350 Influencer.


Laut den Studienmachern steigt in der Branche das Misstrauen. Nur etwa jeder dritte in Deutschland befragte Influencer (38 Prozent) vertraut darauf, dass Marken mit ihnen fair zusammenarbeiten. In den USA (56 Prozent) und in Großbritannien (46 Prozent) sind die Social-Media-Bekanntheiten nicht ganz so skeptisch gegenüber Werbungtreibenden eingestellt. Wie aus der Studie hervorgeht, wünschen sich die Influencer vor allem langfristige Partnerschaften, klare Briefings und kreative Freiheit.

Für den Otto Normalverbraucher scheint eine irreführende Kennzeichnung in sozialen Medien allerdings kein großes Thema zu sein. Nur etwa jeder achte Verbraucher in den USA, in Großbritannien und in Deutschland gibt an, dass er sich um irreführende Kennzeichnungen sorgt. Gleichzeitig würde die Mehrheit der Verbraucher einem Influencer aber nicht mehr folgen, wenn ein bezahlter Post nicht oder falsch gekennzeichnet wurde.


Das ernüchternde Fazit von Takumi-Deutschlandchef Chris Jungjohann: "Fake Follower und unauthentische Influencer bringen keinem etwas: Verbraucher und Marken wenden sich vom Influencer ab." Jungjohann sieht eine Lösung darin, dass der Fokus beiderseits "auf eine kreative und zum Lifestyle passende Partnerschaft" gelegt werden müsse. Die Ergebnisse der Takumi-Untersuchung passen zu einer aktuellen Wavemaker-Studie, die der Influencer-Branche ebenfalls erste Abnutzungserscheinungen bescheinigte. ron
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