Streitgespräch

Ist Ad Fraud ein Riesen-Problem oder ist alles gar nicht so schlimm?

Wie groß ist das Ad Fraud-Problem wirklich?
© Fotolia / Tatiana Shepeleva
Wie groß ist das Ad Fraud-Problem wirklich?
Wie groß ist das Problem mit Ad Fraud in Deutschland wirklich? Die ehrliche Antwort auf diese Frage lautet: Man weiß es nicht! Und das ist ein ziemliches Armutszeugnis für die hochgezüchtete Tech-Branche, die in der Werbeindustrie zunehmend den Ton angibt. Wie unterschiedlich selbst ausgewiesene Experten das Problem mit Fake Traffic einschätzen, zeigt das Streitgespräch zwischen Arne Kirchem von der Kunden-Organisation OWM und Andreas Hamdorf vom Digitalverband BVDW.

Herr Hamdorf, Sie wollen, dass die Leute nicht mehr Ad Fraud sagen, sondern Sophisticated Invalid Traffic.

Andreas Hamdorf: Wollen wir doch gar nicht. Betrug bleibt Betrug und soll auch so bezeichnet werden. Worum es uns geht, ist für mehr begriffliche Klarheit zu sorgen. Wir unterscheiden in unserem Whitepaper zwischen General Invalid Traffic (GIVT), bei dem es im Kern um gutartige Bots geht, und eben Sophisticated Invalid Traffic (SIVT), der landläufig als Fraud bezeichnet wird. Das Problem ist, dass einige Mess-Dienstleister den Begriff Fraud sehr populistisch verwenden und nicht zwischen GIVT und SIVT unterscheiden. Entsprechend hoch fallen dann die Zahlen für Ad Fraud aus.

Herr Kirchem, werden Sie jetzt auch immer schön von Sophisticated Invalid Traffic statt Ad Fraud sprechen?

Arne Kirchem: Ich würde das Kind gerne weiter beim Namen nennen. Sophiscated Invalid Traffic finde ich ehrlich gesagt ein bisschen verniedlichend - das ist so, als würde man Ladendiebstahl Sophisticated Product Replacement nennen. In der Sache gebe ich Andreas Hamdorf aber recht: Wir sollten klar trennen zwischen betrügerischem Non-Human-Traffic und gutartigen Bots, die von den Tech-Anbietern gut herausgefiltert werden können.

Arne Kirchem
© Mara Monetti
Arne Kirchem

Und Letztere sind kein Problem, weil sie den Kunden ja nicht in Rechnung gestellt werden? 

Kirchem: GIVT kostet uns vielleicht kein Geld, stellt aber dennoch ein echtes Problem dar - schließlich wollen wir echte Menschen erreichen und keine Maschinen. Wir müssen zumindest wissen, wie hoch der Anteil des Invalid Traffics ist, um unsere Kampagnen entsprechend optimieren zu können.

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