Streit um Tamponpreise

The Female Company zeigt sich entsetzt über angekündigte Preiserhöhungen der Konkurrenz

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Eine von zahlreichen Initiativen, die sich im vergangenen Jahr für die Senkung der Mehrwertsteuer von Menstruationsprodukten stark gemacht haben: Das "Tampon Buch" von The Female Company und Scholz & Friends
© The Female Company
Eine von zahlreichen Initiativen, die sich im vergangenen Jahr für die Senkung der Mehrwertsteuer von Menstruationsprodukten stark gemacht haben: Das "Tampon Buch" von The Female Company und Scholz & Friends
Kaum ist die Mehrwertsteuer für Tampons gesenkt worden, wollen die Hersteller von Menstruationsprodukten die Preise dafür offenbar deutlich erhöhen. Das berichtet unter anderem die Lebensmittelzeitung. Nach deren Informationen fordert beispielsweise Johnson & Johnson, Hersteller von OB, höhere Abgabepreise. In der Branche ist von einer Preissteigerung im zweistelligen Prozentbereich die Rede.
Bei den Händlern kommt das gar nicht gut an - vor allem, weil der Zeitpunkt für eine Preiserhöhung denkbar ungünstig ist: Die Mehrwertsteuer für Menstruationsprodukte ist nämlich erst zum Jahreswechsel von 19 auf 7 Prozent gesenkt worden. Dem ging eine öffentlichkeitswirksame mediale Kampagne voraus. So gab es unter anderem zwei Petitionen, die sich für die Senkung der Mehrwertsteuer stark machten. Hinter einer steckte das Start-Up Einhorn, das Bio-Tampons vertreibt und damit ähnlich positioniert ist wie The Female Company. Letztere sorgte im vergangenen Jahr mit dem zusammen mit Scholz & Friends entwickelten "Tampon Book" für Furore in der internationalen Kreativszene.


Beide Unternehmen positionieren sich ganz klar gegen eine Preiserhöhung. "Wir haben monatelange für die Steuersenkung gekämpft: Mit dem Tampon Book, durch mediale Arbeit und durch persönliche Besuche im Bundestag", erklärt Ann-Sophie Claus, Gründerin von The Female Company. "Für uns ist die Steuersenkung ein Zeichen der steuerrechtlichen Anerkennung der Frau – und somit ein Thema der Gleichberechtigung. Aus diesem Grund haben wir unsere Preise ohne Abzüge für unsere Kundinnen gesenkt, ebenso unsere Partner wie dm-drogerie markt und Budni. Ein kurzes Beispiel: Seit August 2019 sind unsere Bio-Tampons nicht mehr in Plastikfolie sondern Papier verpackt. Trotzdem haben wir die Preise nicht erhöht – sondern geben die Steuersenkung vollständig an die Kundin weiter."

Claus hat angekündigt, heute Abend auch noch ein Video-Statement in den sozialen Medien zu diesem Thema verbreiten zu wollen. Auf Twitter ist schon jetzt ein heftiger Streit zur #Tamponsteuer entbrannt, bei dem vor allem Johnson & Johnson mit seinem ausschließlich männlichen Vorstand ins Kreuzfeuer der Kritik gerät. bu
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