Statista Studie

30 Milliarden Dollar für Sportsponsoring - und so wenig fließt in den Frauensport

Beim Thema Sponsoring ist Fußball das Maß aller Dinge
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Beim Thema Sponsoring ist Fußball das Maß aller Dinge
Der Daten-Dienstleister Statista hat ermittelt, wie viel weltweit für Sportsponsoring ausgegeben wird und wie sich die Investitionen verteilen. Im Hinblick auf die Gleichberechtigung von Männern und Frauen sind die Ergebnisse niederschmetternd.
Update: In einer älteren Version war in der Headline von Euro statt Dollar die Rede - wir haben den Fehler korrigiert.


Der Auswertung zufolge geben Unternehmen weltweit 30,87 Milliarden Dollar für Sportsponsoring aus, wobei das meiste Geld an Ligen und Teams geht. Doch nur sieben Prozent davon fließen laut Statista in den Frauensport. Dieser befindet sich nach Meinung der Forscher deshalb in einem "Teufelskreis": Da das Geld fehlt, könnten Ligen und Verbände auch nicht investieren, um die Aufmerksamkeit für den Frauensport zu erhöhen. Doch ohne Aufmerksamkeit werden auch die Sponsoren kaum willens sein, mehr Geld in Frauenfußball und Co. zu stecken.

Wie ungleich die Kräfte verteilt sind, wurde erst dieses Jahr durch die Debatte um gleiche Bezahlung für Männer und Frauen im Sport deutlich. Besonders die amerikanische Frauenfußball-Nationalmannschaft sorgte hier für ein Ausrufezeichen: Die Spielerinnen hatten im Frühjahr ihren eigenen Verband verklagt, weil der die männlichen Profis deutlich besser bezahlt. Und das, obwohl die Frauen wesentlich erfolgreicher spielen.


Dabei ist kein Verband gezwungen, Männer und Frauen ungleich zu entlohnen, findet Frank Daumann: "Wirtschaftlich gesehen könnte man natürlich quersubventionieren", sagte der Professor für Sportökonomik an der Universität Jena dem SZ-Jugendmagazin jetzt. "Da müssen Sportverbände entscheiden, ob ihnen die Gleichstellung von Mann und Frau wichtiger ist als ökonomische Fakten. Verbänden steht es aber frei, Männer und Frauen gleich zu bezahlen."

Einige Sponsoren haben die Problematik allerdings erkannt - und versuchen gegenzusteuern. Beispiel Adidas: 
Der DFB-Ausrüster hätte den deutschen Fußball-Frauen im Falle eines Titelgewinns bei der Weltmeisterschaft 2019 die gleiche Summe gezahlt wie den Männern.

Sportsponsoring: In diese Sportarten fließt das Geld

SportartErlöse in Mrd. US-Dollar
Fußball12,84
Rennsport2,50
Basketball2,48
Olympische Sportarten2,41
American Football2,13
Golf1,48
Baseball1,47
Sonstige1,35
Rugby1,23
Eishockey0,97
Tennis0,93
Radsport0,38
Cricket0,33
Segeln0,28
Boxen0,11
Quelle: Statista
Doch nicht nur zwischen Männern und Frauen, auch zwischen den verschiedenen Märkten und den Sportarten herrschen im globalen Sponsoring-Markt teils eklatante Unterschiede. So landen kumuliert 66 Prozent aller Spendings in Nordamerika und Europa. In den afrikanischen Markt investieren Sponsoren gerade einmal ein Prozent der globalen Spendings. Und der Fußball überstrahlt mit Einnahmen in Höhe von 12,84 Milliarden Dollar alle anderen Sportarten bei Weitem. Unter den Ligen ist die englische Premier League die stärkste was die Sponsoringeinnahmen angeht.
Diese Ligen verdienen mit Sponsoring das meiste Geld (Zum Vergrößern anklicken)
© Statista
Diese Ligen verdienen mit Sponsoring das meiste Geld (Zum Vergrößern anklicken)
Bei den Sponsoringeinnahmen von einzelnen Athleten belegt Tennisspieler Roger Federer Platz 1. Auf der Website des Schweizers werden zwölf Sponsoren aufgeführt, darunter globale Top-Marken wie Mercedes-Benz, Rolex und Uniqlo. Diese Verträge bringen Federer laut Statista 86 Millionen US-Dollar ein. Lionel Messi, laut Forbes inklusive Gehalt und Preisgelder bestbezahlter Athlet der Welt, liegt bei den Sponsoringeinnahmen mi 35 Millionen Euro nur auf Rang sieben. 

Cristiano Ronaldo bringt es der Auswertung zufolge auf Sponsoring-Einnahmen in Höhe von 44 Millionen Dollar, was ihm Rang vier hinter Federer, Golfer Tiger Woods und Basketballer LeBron James einbringt. Um sein Zubrot muss sich der 34-Jährige Portugiese aber keine Sorgen machen: Allein durch Werbe-Posts aus Instagram verdient er laut Business Insider 47,8 Millionen Euro - mehr, als sein Club Juventus Turin ihm an Gehalt bezahlt.
Die Sportler mit den höchsten Sponsoring-Einnahmen (Zum Vergrößern anklicken)
© Statista
Die Sportler mit den höchsten Sponsoring-Einnahmen (Zum Vergrößern anklicken)
Für den Report hat Statista Jahresberichte von Ligen, Teams und Organisationen untersucht sowie Presseberichte über Sponsoringverträge und Studien bzw. Analysen von Unternehmensberatungen und Wirtschaftsverbänden herangezogen. Untersucht wurden über 90 Ligen und ihre jeweiligen Teams, über 70 Verbände sowie die 160 bestbezahlten Sportler. Ausgeschlossen wurden die Aktivierung von Sponsoring, Unternehmensdienstleistungen, materielle Unterstützung, Übertragungsrechte sowie Show Wrestling, pensionierte Athleten und Trainer aller Sportarten.

Auch E-Sports wurde für die Untersuchung nicht berücksichtigt. Dabei sollen die reinen Sponsoring-Erlöse in diesem Jahr bereits fast eine halbe Milliarde Dollar betragen. Damit würde E-Sports in der Statista-Auswertung bereits vor Sportarten wie Radsport, Segeln und Boxen liegen. ire
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