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Die Zentrale von Media-Markt Saturn in Ingolstadt
Media-Markt Saturn
Sparprogramm

Media-Markt Saturn beerdigt Datentochter Retail Media Group

Die Zentrale von Media-Markt Saturn in Ingolstadt
Media-Markt Saturn kommt nicht aus den Schlagzeilen. Rund sechs Wochen nachdem die komplette Marketing-Führung um Alexander Ewig bei der Ceconomy-Tochter von Bord ging, folgt nun die nächste Hiobsbotschaft. Media-Markt Saturn wird seine Anfang 2017 mit großem Tamtam gestartete Datentochter Retail Media Group (RMG) beerdigen.
von Marco Saal Montag, 29. April 2019
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Grund ist das radikale Sparprogramm, das die Media-Markt-Saturn-Muttergesellschaft Ceconomy angesichts der zuletzt durchwachsenen Geschäftsentwicklung sich und der MediaMarktSaturn Retail Group verordnet hat. Wie Ceconomy mitteilt, will der Konzern ab dem Geschäftsjahr 2020/21 jährlich 110 bis 130 Millionen Euro einsparen. Um dies zu erreichen, sollen Prozesse und Strukturen in der gesamten Organisation gestrafft sowie Sach- und Personalkosten reduziert werden.


Vorerst sparen will sich Ceconomy offenbar das Geschäft mit der  Vermarktung von Kundendaten. Die Anfang 2017 als Wettbewerber zu Otto, Zalando und der Scout-Gruppe gestartete Retail Media Group wird nicht weitergeführt, kündigt Ceconomy an. Begründet wird das mit der stärkeren strategischen Fokussierung aufs Kerngeschäft.

Der Einstieg ins Datengeschäft war seinerzeit mit großen Hoffnungen verbunden. Immerhin wurde die Retail Media Group (RMG) 2017 gegründet, um die Vermarktung der Reichweiten der konzerneigenen E-Commerce-Plattformen nicht mehr externen Dienstleistern zu überlassen, sondern direkt daran zu verdienen. Ganz vom Tisch ist das Thema aber offenbar noch nicht. Das Thema Datennutzung sei durchaus "strategisch relevant" und könnte künftig "stärker in das Geschäftsmodell von Media-Markt Saturn selbst integriert werden", teilt der Konzern mit, allerdings ohne konkret zu werden. 


Auch andere operative Einheiten von Ceconomy und Media-Markt Saturn stehen auf dem Prüfstand. Dazu gehören etwa die Liveshopping-Plattform iBood und die Beteiligung von Media-Markt Saturn an der Re-Commerce Plattform Flip4New. Neben der Retail Media Group soll auch der Streaming-Dienst Juke eingestellt werden. Der Konzern wolle zwar auch in Zukunft in Geschäftsfelder wie Digitales Entertainment oder den Weiterverkauf gebrauchter Elektronik-Produkte investieren. Dabei sollen jedoch offenbar verstärkt Partnerschaftsmodelle zum Tragen kommen.

Dass sich bei der inzwischen nahezu führungslosen Marketingtochter Redblue etwas tun muss, war absehbar. Ceconomy teilt nun mit, das Unternehmen strategisch neu ausrichten zu wollen. Details nennt Ceconomy auch hierzu nicht. 

Vom Kosten- und Effizienzprogramm, das in den kommenden 18 Monaten umgesetzt werden soll und das zunächst Kosten in Höhe von 150 bis 170 Millionen Euro verursacht, wird auch die Chefetage betroffen sein. So scheidet Dieter Haag Molkenteller, im Ceconomy-Vorstand bislang verantwortlich für Recht, Compliance und Risikomanagement, Ende Mai aus dem Gremium aus. Der Vorstand, dem künftig Jörn Werner (CEO) und Karin Sonnenmoser (CFO) angehören, wird damit von drei auf zwei Mitglieder verkleinert.

"Wir reduzieren die Komplexität und definieren eindeutige Verantwortlichkeiten. So können wir uns stärker als bisher auf die Bedürfnisse der Kunden konzentrieren und legen den Grundstein, um in Zukunft nachhaltig und profitabel wachsen zu können", kommentiert CEO Werner das Sparprogramm. Ferran Reverter, CEO von Media-Markt Saturn, stößt in dasselbe Horn. Mit der Reorganisation richte das Unternehmen sich konsequent auf die besonders zukunftsträchtigen Felder Digitales Wachstum, Services & Solutions sowie Category & Supply Chain Management aus. "So schaffen wir die Grundlage, um unser operatives Geschäft zu stärken und gezielt weiterentwickeln zu können." mas
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