Social-Media-Strategie

Warum bei Sixt jetzt gejodelt wird

Die Sixt-Anzeige bei Jodel
© Sixt / Jodel
Die Sixt-Anzeige bei Jodel
Sixt ist schnell dabei, wenn es darum geht, neue Werbe- und Kommunikationskanäle auszuprobieren. So gehörte die Pullacher Autovermietung einst zu den ersten deutschen Unternehmen, die auf Snapchat aktiv waren. Aktuell wirbt Sixt bei Jodel, einem besonders im studentischen Umfeld beliebten Network. Matthias Stock, Head of Social Media bei Sixt, erklärt die Strategie.
"Fahr wie ein Justus, zahl wie ein Kevin": Die Anzeige, die Sixt seit Beginn des Monats in der Jodel-App schaltet, steht den von Facebook bekannten Motiven des Unternehmens in nichts nach. Neben der Mercedes-Limousine sieht man auf dem Motiv das Konterfei von "BWL Justus", einer Kunstfigur, die sämtliche Klischees über Studenten der Betriebswirtschaft auf sich vereinen soll ("Gel-Frisur und Polohemd – BWL Student").
Schon damit macht Sixt relativ viel richtig, denn: BWL Justus wurde zuerst auf Jodel herumgereicht, ehe eine eigene Facebook-Seite und eine Website hinzukamen. In Sachen Zielgruppenansprache macht Sixt allerdings noch einen weiteren Punkt: Die Anzeige ist auf den Münchner Raum beschränkt - die Jodel-App ist vor allem für die Platzierung von Inhalten in lokal begrenzten Gebieten geeignet. Und in München sollen sich ja viele Studierende finden, die BWL-Justus zum Vorbild haben könnten.


Warum aber überhaupt auf Jodel werben? "Wir beobachten laufend den Markt und prüfen immer sehr früh, ob eine Plattform irgendwann für uns interessant sein könnte. So haben wir auch Jodel schon vor längerer Zeit entdeckt und bei uns im Team ausprobiert", erklärt Matthias Stock. Der Social-Media-Chef macht dabei keinen Hehl daraus, dass junge Mitarbeiter in seinem Team dabei behilflich waren, die Plattform überhaupt erst einmal zu verstehen. "So war ich beispielsweise überzeugt, 'dlrh' würde für 'den Leihwagen rausholen' stehen. Unsere Werkstudentin ist da zum Glück ein Vollprofi und hat mich aufgeklärt."

Was dlrh tatsächlich bedeutet, lässt sich leicht googeln. Wer das tut sieht schnell, dass Jodel als Markenumfeld so seine Tücken hat. Für Stock ist sie dennoch ein spannendes Experimentierfeld: "Jodel ist reichweitenstärker und etablierter, als das auf den ersten Blick scheinen mag. Zudem hat die App in der jüngeren Zielgruppe eine extrem hohe Durchdringung und Nutzungsfrequenz." Deswegen bewirbt das Unternehmen dort auch seinen neuen Carsharingdienst Sixt Share. Gerade für dieses Angebot, das mit günstigen Preisen und einer attraktiven Flote überzeugen soll, seien junge, urbane Menschen eine wichtige Zielgruppe. Vorrangiges Ziel bei der Kampage sei, Sixt Share "schnell und nachhaltig bei den jungen Münchnern bekannt machen", so Stock. Dabei seien "eine maximale Reichweite und überdurchschnittliche Interaktionsraten" die wesentluchen KPIs. "Unsere Werbung soll Menschen bewegen. Diesen Anspruch haben wir auch auf Jodel", erklärt Stock.


Die Sixt-Kampagne ist nicht zuletzt ein Beleg dafür, dass Jodel zunehmend auf den Schirm der Werbungtreibenden gerät. Mit Netflix, Lufthansa und Spotify waren bereits im Frühjahr nahmhafte Kunden in der App vertreten, seitdem sind Unternehmen wie McDonalds, ING, RTL, die Telekom und Lidl hinzugekommen. Argumente hat Jodel einige gute auf seiner Seite: Die Werbereichweite betrage insgesamt etwa 8 Millionen Nutzer, erklärt Chief Operating Officer Tim Schmitz auf Nachfrage. Auch kann das Unternehmen den Werbekunden eine vergleichsweise gute Klickrate bieten: "In DACH, wo wir schon einige Werbeschaltungen ausspielen, sind die CTRs bei dem Standard Display Format zwischen 1 bis 2 Prozent", so Schmitz.
„Jodel ist reichweitenstärker und etablierter, als das auf den ersten Blick scheinen mag.“
Matthias Stock
Momentan können die Kunden zwischen zwei Formaten wählen: Den Boosted Posts ("Litfaßsäule") und Display Ads. Während Erstere vor allem auf Interaktion und Awareness abzielten, sei der Standard-Performance-Case wohl eher mit einer Display-Kampagne zu bedienen, erklärt Schmitz. Dabei könne man derzeit "sehr kompetitive Preise" ab 9 Euro pro 1000 Impressions anbieten. "Das hatte aber nichts mit dem Interesse von Werbetreibenden zu tun, sondern einfach, weil wir das Werbeinventar in der App flexibilisiert und damit ausgebaut haben", so der Jodel-COO.

Möglicherweise zieht das weitere Werbekunden an. Bei Sixt will man zunächst jedoch erst einmal lernen. Deswegen bleibt die Kampagne auch auf den Münchner Raum beschränkt. Stock: "Wir schauen uns jetzt erst einmal an, wie unsere Werbung bei der Münchner Jodel Community ankommt. Wenn sich der aktuell positive Trend fortsetzt, ist das sicher eine Überlegung wert." ire
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