Social-Kampagne

Warum im Bild-Shop ein menschliches Herz angeboten wird

Das Herz - unten rechts zu sehen - wird im Bild-Shop angeboten (Bild: Screenshot shop.bild.de)
Das Herz - unten rechts zu sehen - wird im Bild-Shop angeboten (Bild: Screenshot shop.bild.de)
Besucher des Online-Shops von Bild dürften heute nicht schlecht staunen: Zwischen Kleidung und Haushaltswaren wird dort derzeit auch ein menschliches Herz angeboten. Hinter der vermeintlich absurden Aktion steckt ein ernsthaftes Anliegen.
Denn natürlich kann man in dem Webshop kein echtes Menschenherz bestellen. Die Kampagne soll vielmehr auf die Problematik aufmerksam machen, dass laut Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) fast zehntausend Menschen in Deutschland auf ein Spenderorgan warten - allein im vergangenen Jahr aber gerade einmal rund 1000 Menschen auch tatsächlich zu Organspendern geworden sind. Das ist zwar ein deutlicher Anstieg, wozu auch die von Gesundheits-Minister Jens Spahn losgetretene Debatte um eine Organspendepflicht beigetragen haben könnte - aber es ist natürlich immer noch viel zu wenig.


Das Inserat im Bild-Shop leitet den Nutzer deswegen auf die Website der Stiftung ÜberLeben, die für die Kampagne mit dem Titel "Ausgeliefert - Kein Leben auf Bestellung" verantwortlich ist. Dort wird das Herz mit seinen Eigenschaften und sogar dem Erhaltungszustand präsentiert - als wäre man bei Amazon. Gleichzeitig erfährt der User etwas über den dramatischen Zustand bei Organspenden in Deutschland. Deswegen kann man auf der selben Seite auch gleich einen Organspende-Ausweis bestellen.
„Nur etwa ein Drittel der deutschen Bevölkerung besitzt einen Organspendeausweis – das möchten wir mit dieser Kampagne ändern.“
Über-Leben-Geschäftsführer Jorit Ness
"Um die Situation der Organspende in Deutschland nachhaltig zu verbessern, ist es unerlässlich, dass sich viel mehr Menschen zu Lebzeiten mit dem Thema auseinandersetzen und entscheiden, ob sie im Falle ihres eigenen Todes ein anderes Leben retten möchten", sagt Jorit Ness, Geschäftsführer der Stiftung ÜberLeben. "Nur etwa ein Drittel der deutschen Bevölkerung besitzt einen Organspendeausweis – das möchten wir mit dieser Kampagne ändern."

ÜberLeben war im vergangenen Jahr aus der 2008 ins Leben gerufenen DSO-Stiftung "Fürs Leben" hervorgegangen. Sie ist eine Initiative der Stiftung Universitätsmedizin Essen. Die Vorgängerorganisation hatte 2012 bereits mit einer kreativen Aktivierung für Aufmerksamkeit gesorgt (siehe unten).


Bei Planung und Umsetzung arbeitete ÜberLeben mit Mediaplus und Plan.net zusammen. Die Agenturen aus der Serviceplan-Gruppe haben ein entsprechendes Marketing-Konzept aufgesetzt, um der Herz-Anzeige auch die nötige Aufmerksamkeit und Reichweite zu verschaffen. Dabei haben die Agenturen ohne Bezhalung gearbeitet. Die Kampagne setzt denn auch hauptsächlich auf organische Online- und Social-Media-Reichweite. Dennoch wird ein Content-Marketing-Budget im vierstelligen Bereich eingesetzt, um zum Start eine gewisse Grundreichweite aufzubauen. Möglicherweise verbessert sich die angespannte Situation bei Organspenden in diesem Jahr aber auch durch die Initiative der Bundesregierung. Im vergangenen Jahr hat Spahns Ministerium das "Gesetz für bessere Zusammenarbeit und bessere Strukturen bei der Organspende" auf den Weg gebracht. Dieses sieht unter anderem vor, Entnahmekliniken finanziell besser auszustatten, die Rolle der Transplantationsbeauftragten in den Krankenhäusern zu stärken und potenzielle Organspender besser zu identifizieren.

Für das Gesetzesvorhaben gibt es Lob von der DSO: Das Gesetz setze genau dort an, wo Schwachstellen im System identifiziert worden seien. Laut Bundesgesundheitsministerium soll das Gesetz in der ersten Jahreshälfte 2019 in Kraft treten. ire
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