Sexistische Werbung

Deutscher Werberat rügt erstmals den Post eines Influencers

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Ron Bielecki erzürnte mit diesem Post den Werberat
© Screenshot instagram.com/ronbielecki
Ron Bielecki erzürnte mit diesem Post den Werberat
Der Deutsche Werberat verteilt zu Beginn des Jahres vier öffentliche Rügen. Neben den üblichen kleinen und mittelständischen Handwerksbetrieben trifft es mit Ron Bielecki diesmal auch einen Influencer. Der Fitness- und Lifestyle-Guru fiel dem Gremium mit einer Instagram-Werbung negativ auf.
Auf dem am 21. Oktober 2019 abgesetzten Post sieht man Bielecki, wie er im Bademantel auf einer Couch sitzt, während sich quer über seinen Beinen eine halbnackte Frau räkelt. In deren Gesäßfalte steht das beworbene Produkt: pflanzenbasierte Kapseln mit dem vielsagenden Namen "Nice Schw*nz Bro". Auf der Website von Bieleckis Vertriebspartner Rocka Nutrition wird der Artikel als "Nährstoff-Kombination für deine Libido" beworben. Der Deutsche Werberat stuft den Post als frauenherabwürdigend und sexistisch ein, auch wenn es sich bei dem beworbenen Produkt um ein möglicherweise potenzsteigerndes Nahrungsergänzungsmittel handele. "Die Platzierung des beworbenen Produkts auf dem Gesäß des Frauenkörpers betone die Objektifizierung der Frau zusätzlich", heißt es in der Begründung. Bielecki selbst dürfte es kaum stören: Der Influencer (142.000 Abonnenten auf Youtube, 137.000 auf Instagram) verbreitet regelmäßig anzügliche bis pornografische Inhalte. Insofern dürfte die Werberats-Rüge für ihn höchstens eine Bestätigung sein - aber kaum ein Hinderungsgrund, so weiterzumachen wie bisher.


Gleich doppelt verstieß nach Ansicht des Werberates die sächsische Firma Pauland Gebäudereinigung gegen die Regularien des Selbstkontrollgremiums. Die Internet- und Fahrzeugwerbung der Glas- und Gebäudereinigung, die sich auch als Tatortreiniger anbietet, begann mit dem Spruch "…Ihre Schwiegermutter nervt …?". Dieser Satz in Verbindung mit der Bewerbung von Tatortreinigung "überschreitet ethische Grenzen" und verstoße sowohl gegen die Verhaltensregeln des Deutschen Werberats gegen Herabwürdigung und Diskriminierung von Personen als auch gegen die Grundregeln des Deutschen Werberats, begründet das Gremium die Rüge.
Die Werbung geht nach Ansicht des Werberats über das gesellschaftlich akzeptierte Maß hinaus
© Deutscher Werberat
Die Werbung geht nach Ansicht des Werberats über das gesellschaftlich akzeptierte Maß hinaus
So sei zwar klar, dass der Slogan in Form von schwarzem Humor auf das Klischee von der "bösen Schwiegermutter" anspielen soll. Er gehe aber über das gesellschaftlich akzeptierte Maß hinaus. "Der Tod von Menschen sollte insbesondere auch bei der Bewerbung von Dienstleistungen wie Tatortreinigung nicht ins Lächerliche gezogen werden", urteilt der Werberat. Der Slogan verharmlose in Kombination mit der beworbenen Dienstleistung Gewalt gegen "nervende" Personen, zudem werde die Personengruppe der Schwiegermütter pauschal als minderwertig herabgewürdigt.

Eine Print- und Facebook-Anzeige von E.T.E Logistik aus Hamburg fällt ebenfalls beim Werberat durch. Das Motiv zeigt eine Frau im kurzen Jeansrock, die an einer Straße steht und ihren Daumen in Richtung des Verkehrs reckt. Daneben steht der Satz "Schnelle Nummer zum kleinen Preis". Dadurch werde suggeriert, die Frau sei für wenig Geld sexuell verfügbar, kritisiert der Werberat. Zudem werde sie durch den Slogan "Direktlieferungen" mit der beworbenen Dienstleistung gleichgesetzt. In der Kombination von Slogan und Abbildung würden Frauen herabgewürdigt und diskriminiert.
Gegen den Diskriminierungskodex des Werberates verstößt auch ein Motiv auf der Website der Feuerverzinkerei Metzelaers. Die Firma aus Radevormwald (Nordrhein-Westfalen) zeigt die Rückenansicht einer Frau, die nur mit einen String bekleidet ist. Die Werbung, so das Urteil der Werbehüter, reduziere die Frau durch den Slogan "Wir können auch heiß! Der mit dem Feuer verzinkt" auf ihre Sexualität. ire
Dieses Motiv einer Feuerverzinkerei kam beim Werberat nicht gut an
© Screenshot zink-statt-rost.de/
Dieses Motiv einer Feuerverzinkerei kam beim Werberat nicht gut an
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