Sexismus, Diskriminierung & Co

Deutscher Werberat erteilt 16 Rügen

Einer der Aufreger im vergangenen Jahr: Die Werbung von Media-Markt mit Sophia Thomalla
© Media-Markt
Einer der Aufreger im vergangenen Jahr: Die Werbung von Media-Markt mit Sophia Thomalla
Mehr Rügen und mehr Beschwerden der Konsumenten über Werbung in den sozialen Netzwerken, aber auch eine Durchsetzungsquote von fast 90 Prozent: die Bilanz des Deutschen Werberates 2018 fällt insgesamt positiv aus.

Julia Busse könnte viel lamentieren. Über den Hang der Deutschen zur Empörung und über Unternehmen, die Werbung schalten um zu provozieren. Oder über platte, sexistische und diskriminiernde Sprüche auf Plakaten, Printmotiven oder Autowerbung. Macht sie aber nicht. Die Geschäftsführerin des Deutschen Werberates bleibt bei der Vorstellung der Bilanz des Werberates 2018 immer sachlich. Sie erklärt viel. Sie versucht Menschen, die sich über Werbung aufregen zu verstehen, aber auch die Unternehmen, die manchmal für gar nicht lustige Kommunikation verantwortlich sind.

Die BIlanz 2018 des Werberates auf einen Blick
Aber die Juristin bezieht auch immer Position. Was nicht mit dem Werbekodex der Branche vereinbar ist, kommt auf den Index. Konsequent - egal, ob es sich um einen kleinen oder großen Werbungtreibenden handelt. Und die Werbung - und sei sie noch so gruselig - die von den Richtlinien des Selbstkontrollorgan der Werbewirtschaft gedeckt wird, kommt durch. Trotzdem ist die Arbeit des Teams in Berlin ein ständiger Spagat oder besser eine Vermittlungsmission zwischen erzürnten Bürgern und Unternehmen, die oft die Kritik an ihrer Werbemaßnahmen nicht nachvollziehen können oder wollen. Nackte Haut? Wen stört den das? Platter Spruch? Verstehen Sie keinen Humor? Sind Sie beim Werberat immer so spießig? Sie sind doch von den Unternehmen gekauft! So ähnlich sehen oft die Reaktionen aus, mit denen die Mitarbeiter des Gremiums konfrontiert werden, wenn sie sich mit den Beschwerden auseinandersetzen, die Zuständigkeit prüfen und die betroffenen Firmen zur Stellungnahme auffordern.
„Wir haben wieder eine Durchsetzungsquote von rund 90 Prozent erzielt“
Julia Busse, Deutscher Werberat
Insgesamt musste das Team im vergangenen Jahr 1235 Beschwerden von Konsumenten bearbeiten, die auf 702 Werbemaßnahmen entfielen. Lediglich 462 davon fielen in die Zuständigkeit des Werberates, gegenüber dem Rekordjahr 2017 ein Rückgang von 13 Prozent. Bei 338 Werbemotiven folgte das Gremium nicht der Kritik aus der Bevölkerung, in 124 Fällen war das aber der Fall. Die Mehrheit der Unternehmen änderte oder stoppte daraufhin die Werbung. 16 mal aber musste der Rat öffentlich rügen. Ein Steigerung gegenüber 2018 - damals war das nur 14 mal der der Fall gewesen. Trotzdem ist Busse zufrieden. "Wir haben wieder eine Durchsetzungsquote von rund 90 Prozent erzielt", sagt die Werberatschefin.
Beschwerden über Werbung in den sozialen Netzwerken nehmen zu
© Deutscher Werberat
Beschwerden über Werbung in den sozialen Netzwerken nehmen zu

Häufigster Beschwerdegrund ist erneut geschlechterdiskriminierende Werbung vor Verstößen gegen "ethische und moralische Mindestanforderungen". Neu ist, dass die Beschwerden über Werbung in den sozialen Netzwerken kräftig steigen – um 22 Prozent. Das dürfte daran liegen, dass die Firmen hier immer aktiver werden. Aber auch die permanente Kritik an den Plattformen wird eine Rolle spielen. Verrohen also die Sitten? Julia Busse sieht das nicht so: "Wir spüren, dass die Bürger sensibler werden. Wir sehen aber, dass die Unternehmen bereit sind, mit dem Werberat zu kooperieren." Und das ist wichtig, gerade wenn es um weitere Regulierungen etwa bei der Kommunikation für Lebensmittel geht. "Unsere Arbeit hilft, weitere gesetzliche Werbeverbote zu verhindern", sagt Busse. So attestieren die beiden Berichterstatterinnen des Europaparlaments Petra Kammerevert und Sabine Verheyen dem Werberat eine "Führungsrolle bei der medienübergreifenden Selbstregulierung" in Europa. Mehr Lob aus der Politik geht fast nicht. mir




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