Entschuldigung für geplanten Mietenstopp

Adidas rudert via Zeitungsanzeige zurück

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Adidas-Chef Kasper Rorsted hat ein Eigentor geschossen
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Adidas-Chef Kasper Rorsted hat ein Eigentor geschossen
Die Empörung reichte bis in oberste politische Kreise: Nachdem Adidas angekündigt hatte, wegen der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise die Mietzahlungen für seine Shops auszusetzen, hagelte es Kritik von gleich mehreren Bundesministern. Jetzt rudert der Sportartikler zurück und bittet via Zeitungsanzeige um Entschuldigung.
Unter anderem Justizressortchefin Christine Lambrecht (SPD) hatte keinerlei Verständnis dafür gezeigt, dass gut verdienende Konzerne wie Adidas vorerst keine Miete bezahlen wollen. Dies sei "unanständig und unsolidarisch", wurde die Ministerin am Wochenende zitiert. Zuvor hatten auch Deichmann und H&M ähnliche Schitte angekündigt. In sozialen Medien brach ein Shitstorm über die Unternehmen herein, zum Teil gab es Boykottaufrufe. Zum Hintergrund: Allein Adidas hat im Geschäftsjahr 2019 einen Gewinn aus fortgeführten Geschäften von rund 2 Milliarden Euro erzielt.


Mit diesem Anzeigenmotiv versucht Adidas, die Kritiker zu besänftigen
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Mit diesem Anzeigenmotiv versucht Adidas, die Kritiker zu besänftigen
Konzernchef Kaspar Rorsted versuchte noch am Sonntag, die Situation via Zeitungsinterview zu retten, indem er erklärte, man wolle die Mieten nur dort aussetzen, wo nicht Privatpersonen die Vermieter seien, sondern große Immobilienvermarkter und Versicherungsfonds. Da war das Kind aber bereits in den Brunnen gefallen. Adidas stand in der Öffentlichkeit als herzloses und profitsüchtiges Unternehmen da, das selbst in einer beispiellosen gesamtgesellschaftlichen Krise nur an den eigenen Vorteil denkt.

Jetzt rudert das Unternehmen zurück. Via Zeitungsanzeige bittet Adidas um Entschuldigung. "Die Entscheidung, von Vermieter_innen unserer Läden die Stundung der Miete für April zu verlangen, wurde von vielen von Ihnen als unsolidarisch empfunden", heißt es in dem ganzseitigen Motiv, das zum Beispiel in der "FAZ" erschienen ist. "Deshalb möchten wir uns bei Ihnen in aller Form entschuldigen", heißt es in der Anzeige weiter. Man habe den Vermietern inzwischen die Miete für den Monat April bezahlt. "Fairness und Teamgeist sind seit jeher eng mit Adidas verknüft und sollen es auch bleiben", so das Unternehmen.


Gleichzeitig teilt Adidas mit, dass man sich mit den Betriebsräten auf Kurzarbeit geeinigt habe. Der Vorstand verzichte bis auf Weiteres auf 50 Prozent seines Gehalts, die Führungsebene darunter auf 30 Prozent. Zudem habe man das Aktienrückkaufprogramm eingestellt. Darüber hinaus bemüht sich der Sportartikler herauszustellen, was man in der aktuellen Situation Gutes tue: So habe man in China medizinische Güter, Ärzte und Pflegepersonal bereitgestellt. Zudem würden Partner auf Kosten von Adidas Gesichtsschutz und Masken für das Gesundheitswesen produzieren. "Es wird dauern, Ihr Vertrauen wieder zurückzugewinnen. Aber wir werden alles dafür tun", beteuert Adidas am Schluss der Anzeige. mam
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