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Luca de Meo wird neuer Chef bei Renault

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Luca de Meo wird zum 1. Juli 2020 neuer Vorstandsvorsitzender der Renault S.A. und Präsident der Renault S.A.S
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Luca de Meo wird zum 1. Juli 2020 neuer Vorstandsvorsitzender der Renault S.A. und Präsident der Renault S.A.S
Das Gerücht gab es schon länger, seit gestern Abend ist es Fakt. Luca de Meo wird neuer CEO bei Renault. Das hat der Verwaltungsrat des Autobauers beschlossen. Der ehemalige Seat-Chef und Ex-VW-Marketing-Vordenker tritt sein Amt am 1. Juli bei dem französischen Hersteller an.
Ganze sieben Zeilen ist dem kriselnden französischen Autohersteller Renault die Ernennung seines neues CEOs wert. Luca de Meo, Anfang Januar als Seat-CEO noch in Diensten des VW-Konzerns, nimmt am 1. Juli Platz auf dem Chefessel der Traditionsmarke. Bis zu seinem Amtsantritt wird Clotilde Delbos weiter als Interim-Vorstandsvorsitzende agieren. Die Managerin, die das Unternehmen seit dem Rauswurf von Vorgänger Thierry Bolloré führt, wird anschließend die Position der Deputy Chief Executive Officer einnehmen.


Mit der Verpflichtung von Luca de Meo bewahrheiten sich Gerüchte, die schon seit Wochen im Markt ihre Kreise ziehen. Zuletzt sagte man ihm auch Ambitionen auf den Audi-Chefsessel nach. "Wir hätten ihn gerne behalten", sagt ein Mitarbeiter aus dem VW-Konzern, der ihn gut kennt und schätzt. "Aber das andere Angebot war wohl besser".

De Meo, der lange Zeit in der Branche als Marketing-Wunderkind galt, hat sich in den vergangenen Jahren auch den Ruf eines erfolgreichen Sanierers erarbeitet. Der 52-Jähige drehte Seat von einem Sorgenkind zu einer Marke mit Absatzrekorden - binnen vier Jahren. Er hat die Marke verjüngt und zuletzt mit Cupra auch die emotionale Seite von Seat auf ein neues Niveau gehoben.


Ähnliches wird nun von ihm bei Renault erwartet. Er muss die Marke neu justieren, die Modellpalette überprüfen und das Vertrauen in die Allianz mit Nissan wiederherstellen sowie die verschiedenen Interessen in und um den Konzern ausbalancieren. Das Ganze vor dem Hintergrund, das Renault seit der Affäre um den gefallenen Konzernboss Carlos Ghosn in einer Führungskrise steckt und sich der Börsenwert des Unternehmens seit 2018 halbiert hat. Und als ob das nicht genügen würde, ist da noch die Fusion des Erzrivalens PSA mit Fiat-Chryler und die verschärften Abgasnormen der EU, die allerdings alle Hersteller treffen.

Trotzdem gibt es vor allem in Frankreich Menschen, die glauben, dass ihm das gelingen kann. Manch einer sieht in dem gebürtigen Italienerin fast schon einen Mobilitäts-Messias, der Blechberge versetzen kann, vielleicht auch, weil er bei Renault seine Karriere einst gestartet hatte. Der Manager spricht mehrere Sprachen, gilt als umgänglich und versteht sich selbst eher als Motivator. Innovationen steht er aufgeschlossen gegenüber und er glaubt an Mobilitätskonzepte. Noch wichtiger dürfte aber angesichts der Aufgabe eine andere Gabe sein, die De Meo hat: Grenzenloser Optimismus.
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