Regionale Kommunikation

Stuttgarts Hidden Champions können mehr als Autos

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In der Region Stuttgart ist das Thema Auto omnipräsent - auch für viele Kreative, die daran beteiligt sind.
© Youtube/Hyunday
In der Region Stuttgart ist das Thema Auto omnipräsent - auch für viele Kreative, die daran beteiligt sind.
Die großen industriellen Player kennt fast jeder: Daimler, Porsche und Bosch bringen die meisten mit Stuttgart in Verbindung. Doch im regionalen Raum Deutschlands - und das nicht nur im Südwesten - arbeiten jede Menge hidden champions, darunter viele Kreative, die nur Eingeweihten bekannt sind. Einige davon kann man bei der HORIZONT-Veranstaltungsreihe "Regionale Kommunikation" kommende Woche (6. September 2018) in Stuttgart kennenlernen. Einige andere stellen wir hier vor. 

Klangerfinder Audio

Klangerfinder entwickelt Sound passend zur Corporate Identity von Unternehmen.
© Youtube/Hyunday
Klangerfinder entwickelt Sound passend zur Corporate Identity von Unternehmen.
Wort-Bild-Marken sind nicht alles. Für die Corporate Identity von Unternehmen spielt Sound eine immer wichtigere Rolle. Darauf hat sich die Firma Klangerfinder in Stuttgart spezialisiert. Sie realisiert strategische Kommunikationskonzepte, identifiziert Markenwerte und übersetzt sie in Klang. Für Audi beispielsweise hat das Unternehmen gemeinsam mit S12 in München eine akustische Identität entwickelt. Einen 360 Grad Corporate Sound, für den Auftritt des Autoherstellers in sämtlichen Medien und für alle Anwendungen. "Klänge wirken in erster Linie unterbewusst", sagt Florian Käppler. Marken würden durch Sound stärker, Filme durch Sound emotional aufgeladen, Spots fürs Radio durch Musik erst vollständig. Käppler ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der Klangerfinder. Der Professor für Musikdesign an der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen ist seit 2006 Jury-Mitglied des ADC-Awards.


HORIZONT Regionale Kommunikation 2018

Viel hilft viel? Große, nationale Werbungtreibende mögen nach diesem Grundsatz verfahren. Doch wer über wenig Marketingbudget verfügt, schreckt oft schon vor geringen Ausgaben zurück. Dabei kann auch ein kleiner Etat große Wirkung erzielen. Beispiele dafür liefert die dritte Veranstaltung der Reihe "Regionale Kommunikation", die am 6. September in Stuttgart stattfindet, organisiert von HORIZONT und der dfv Conference Group. Alle Infos unter www.conferencegroup.de.

Zum Team gehören Sounddesigner, Musiker, Tonmeister, Strategen, Konzeptioner, Komponisten und Softwareentwickler. Um die Marke Audi klanglich zu gestalten, wurden zunächst Geräusche aufgezeichnet, die Autos so von sich geben. Dann wurden Stimmen und Klänge definiert und Instrumente für Kompositionen festgelegt. Schließlich arbeitete Klangerfinder sich zum Herzen des Unternehmens vor, zum Sound-Logo mit dem charakteristischen Audi-Heartbeat. "Es war aber kein wirklich gesundes Herz, sondern etwas aus dem Takt", sagt Käppler. Das leichte Kammerflimmern wurde wegoperiert, nun schlägt das Herz nicht mehr sechs-, sondern nur noch viermal hintereinander. Unter anderem spart das Zeit – kein unerheblicher Faktor bei Kampagnen.

Gibbon Slacklines

Gibbon Slacklines ist Weltmarktführer für die elastischen Bänder.
© Gibbon Slacklines
Gibbon Slacklines ist Weltmarktführer für die elastischen Bänder.
Zwei Bäume, ein Band, eine Ratsche. Mehr braucht es nicht für das Slacklining. Es ähnelt dem Seiltanz, nur dass man nicht auf einem Draht balanciert, sondern auf flachen Polyesterbändern. Slackline heißt "schlaffes Band". Die Bänder wirken auch tatsächlich ein wenig wabbelig. Ungeübte spannen sie bodennah, Profis können bis zu 1,8 Kilometer darauf laufen und beschränken sich dabei auch nicht nur aufs Gehen, sondern bauen Sprünge und ausgefallene Tricks ein. Sie wagen sich auch in schwindelerregende Höhen und balancieren zwischen Wolkenkratzern oder Berggipfeln.

Im Stadtkessel von Stuttgart sitzt der Weltmarktführer für diese Bänder: die ID Sports mit ihrer Marke Gibbon Slacklines. Sie hat rund 40 verschiedene Artikel im Programm und lässt in China produzieren. Rund 100.000 Slacklines verkauft die Firma im Jahr, das Einsteigerset liegt bei rund 60 Euro. Slacklining ist vor allem bei jungen Leuten angesagt. Für Robert Käding, Gründer des Stuttgarter Unternehmens und einer der fünf Inhaber, ist es mehr als eine Trendsportart: "Balance ist etwas Elementares in unserem alltäglichen Leben, für Körper, Geist und Seele. Mit der Slackline generieren wir Herausforderungen für jeden." Slacklining, meint Käding, könne jeder lernen, Kinder genauso wie Erwachsene. In Köln werde es beispielsweise für die Sturzprävention von Best Agern eingesetzt. Beim Slacklining gelte prinzipiell das Gleiche wie beim Fahrradfahren: Habe sich der Körper die kognitive Fähigkeit erst einmal angeeignet, vergäße er sie nie wieder.

Blickshift

Blickshift entwickelt Lösungen zur Analyse des Blickverhaltens.
© Blcikshift
Blickshift entwickelt Lösungen zur Analyse des Blickverhaltens.
Wo schauen wir hin? Was beachten wir kaum? Die Firma Blickshift in Stuttgart beschäftigt sich professionell mit solchen Fragen. Das Data-Analytics-Unternehmen entwickelt Produkte und Lösungen zur Analyse des Blickverhaltens. Will beispielsweise ein Autohersteller wissen, wie sein neues Cockpitdesign bei potenziellen Kunden ankommt, lässt sich das vorab in einem Fahrsimulator per Eye-Tracking testen. "Mit unserer Software kann der Autobauer dieses Fahrexperiment sehr effizient auswerten", sagt der promovierte Physiker und Blickshift-Mitgründer Michael Raschke.


Eye-Tracking ist nichts Neues, ein Standardinstrument der Marktforschung. Die Entwicklung sei allerdings in den vergangenen Jahren hauptsächlich bei der Hardware, also bei den Sensoren, vorangetrieben worden, sagt Raschke. Was Blickshift besonders macht: die Analysetechnik, mit der die großen Mengen an gewonnenen Daten ausgewertet werden können. Da habe es eine Lücke gegeben, in die sei Blickshift hineingesprungen. 2016 wurde die GmbH gegründet. Die Vorarbeit dazu haben die jungen Gründer bereits an der Universität Stuttgart als Doktoranden am Institut für Visualisierung und Interaktive Systeme (VIS) geleistet. Zum vierköpfigen Gründungsteam gehören neben Raschke noch zwei Informatiker und der VIS-Institutsleiter.

Fohhn Audio

Lautsprechersysteme und Beschallungsanlagen sind die Spezialität von Fohhn Audio.
© Uli Haug
Lautsprechersysteme und Beschallungsanlagen sind die Spezialität von Fohhn Audio.
Kein Turm ist zu hoch, kein Weg zu weit. Illustre Orte in aller Welt hat Fohhn Audio bereits ausgerüstet: den Shanghai-Tower, mit 632 Metern eines der höchsten Gebäude der Welt, die Opera Bastille in Paris, den Flughafen in Abu Dhabi, den Gletscher-Palast auf dem Matterhorn mit seinen prächtigen Eisskulpturen, die Theresienwiese in München beim Oktoberfest. Hinzu kommen kleinere Projekte: der Bayerische Landtag, Museen, Kirchen, Konferenzräume. Fohhn entwickelt, fertigt und vertreibt hoch professionelle Lautsprechersysteme und Beschallungsanlagen. Einfache Bedienbarkeit, höchste Betriebssicherheit und ausgezeichnete Klangqualität – das hat sich die Firma auf die Fahnen geschrieben. Das Unternehmen sitzt in Nürtingen, 20 Kilometer entfernt von Stuttgart. Fohhn feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Das Unternehmen beschäftigt 85 Mitarbeiter und will in diesem Jahr mehr als 12 Millionen Euro Umsatz erzielen.

Jedes Projekt sei anders, sagt Marketing- und Vertriebschef Uli Haug. Auf Kreuzfahrtschiffen (wie beim Fohhn-Kunden MSC) müssen die Lautsprechersysteme Feuchtigkeit, Sonneneinstrahlung und Temperaturschwankungen überstehen. Auf einem Flughafen mit mehreren Hundert Lautsprechern muss das Beschallungssystem auch im Notfall, etwa bei einem Brand, reibungslos funktionieren. Und im Gletscher-Palast in Zermatt muss die Anlage der Kälte standhalten und bei Minusgraden den perfekten Sound liefern.
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