Petit Colon

Weitere Details zu rassistischer VW-Werbung enthüllt / CMO Sengpiehl vor dem Aus?

   Artikel anhören
Stolpert Jochen Sengpiehl über "Petit Colon"?
© Björn-Arne Eiserman
Stolpert Jochen Sengpiehl über "Petit Colon"?
In dem Skandal um das rassistische Werbevideo "Petit Colon" von Volkswagen kommen erste Details zum Hergang ans Tageslicht. Offenbar war der Clip zuerst auf dem Twitter-Account von Vertriebs- und Marketingvorstand Jürgen Stackmann zu sehen. Das bestätigt ein Konzernsprecher auf Anfrage. Zuerst hatte der "Spiegel" darüber berichtet. Zudem soll CMO Jochen Sengpiehl laut einem bislang unbestätigten Bericht von Auto, Motor und Sport wegen der Angelegenheit vor der Entlassung stehen.
Wie der Sprecher einräumt, war der Spot bereits am 8. Mai via Tweet von Stackmanns Account verbreitet worden (siehe Update). Laut "Spiegel" wurde der Clip dann nach ersten Hinweisen auf den rassistischen Tenor wieder gelöscht, allerdings wohl nicht komplett aus dem Verkehr gezogen. Denn am 19. Mai tauchte das Video auf dem Instagram-Account von Volkswagen wieder auf. Dort sorgte es sofort für Empörung und wurde erneut gelöscht - diesmal begleitet von einer offiziellen Entschuldigung von Volkswagen und der betreuenden Werbeagentur Voltage/DDB.


Zu diesem Zeitpunkt schaltete sich auch Vertriebs- und Marketingvorstand Stackmann ein und versprach, persönlich für "volle Transparenz und Konsequenzen" zu sorgen. Von CMO Jochen Sengpiehl, sonst wenig zurückhaltend, wenn es um die Kommentierung der werblichen Aktivitäten von Volkswagen geht, war und ist in der gesamten Angelegenheit übrigens bis heute nichts zu hören. "Auto, Motor und Sport" berichtet bereits, dass Sengpiehl "vor dem Rauswurf" stehen soll. "Kein Kommentar" heißt es dazu vonseiten des Unternehmens (siehe Update) - genauso wie zu den Spekulationen, dass Porsche-Chef Oliver Blume nach Wolfsburg wechseln und neuer VW-Markenchef werden soll. Diese Position hat bislang noch Konzernchef Herbert Diess inne. So bleibt bislang offen, welche Fachabteilung den Spot eigentlich freigegeben hat. Dass eine solche Freigabe erfolgte und nicht (von wem auch immer) eigenmächtig gehandelt wurde, steht dagegen wohl bereits fest. Zumindest legt das die Auskunft des Konzernsprechers nahe. "Der Account von Jürgen Stackmann wird professionell gemanagt. Über den Hinweis und die Löschung des von der Fachabteilung genehmigten Videos war Herr Stackmann nicht informiert worden", teilt er mit.

Es gab also eine Genehmigung. Wer genau diese erteilt hat, wird derzeit neben weiteren Details von der Konzernrevison durchleuchtet. "Ich kann Ihnen versichern, dass alle internen Freigabeprozesse gründlich untersucht werden", teilt der Sprecher auf Nachfrage von HORIZONT mit. Bis Ende der Woche sollen weitere Ergebnisse vorliegen. Dann will sich Volkswagen auch zu weiteren Detailfragen äußern. Neben der Feststellung der Verantwortlichkiten will man auch klären, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, damit "solche Fehler in Zukunft nicht mehr passieren", so der Unternehmenssprecher. mam


Update: Auf nochmalige Nachfrage erklärt ein VW-Sprecher nun, dass es sich bei der Meldung von "Auto, Motor und Sport", dass CMO Jochen Sengpiehl das Unternehmen verlassen müsse, um eine "haltlose Spekulation" handele.

Am 11. Juni gab Volkswagen bekannt, dass das Video erstmalig am 24. März für 24 Stunden als "Story" bei Instagram lief. Damals habe es keine negativen Kommentare oder Hinweise gegeben.
Bitte loggen Sie sich hier ein, damit Sie Artikel kommentieren können. Oder registrieren Sie sich kostenlos für H+.
stats