Rassistische VW-Werbung

Entscheidung über Konsequenzen aus "Petit Colon" kommt am Donnerstag

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Stürmische Zeiten in Wolfsburg
© Volkswagen
Stürmische Zeiten in Wolfsburg
Bei Volkswagen ist gerade mächtig Feuer unterm Dach. Gestern Abend meldete der Autobauer, dass Konzernchef Herbert Diess die Verantwortung für die Kernmarke VW an den bisherigen COO Ralf Brandstätter abgeben muss. Zudem verlässt Einkaufsvorstand Stefan Sommer das Unternehmen. Heute nun tagt der Vorstand und beschäftigt sich unter anderem mit dem rassistischen Werbefilm "Petit Colon". Dabei sollen auch personelle Konsequenzen diskutiert werden. Die Entscheidung wird allerdings erst am Donnerstag bekanntgegeben, teilt ein Konzernsprecher auf Anfrage mit.
Bis dahin bleibt also weiter offen, was aus CMO Jochen Sengpiehl wird. Die Zeitschrift "Auto, Motor und Sport" hatte vorige Woche berichtet, dass der Marketingchef seinen Hut nehmen muss. Während Volkswagen das zunächst nicht kommentieren wollte, kam am folgenden Tag die offizielle Auskunft, es handele sich um eine "haltlose Spekulation". Neben Sengpiehl geriet zwischenzeitlich auch Vertriebs- und Marketingvorstand Jürgen Stackmann unter Druck. Denn der Spot, um den es geht, war bereits Anfang Mai kurzzeitig auf dessen Twitter-Account zu sehen. Das Unternehmen betonte allerdings später, dass dieser Account nicht von Stackmann selbst betreut, sondern "professionell gemanagt" wird.


In diesem Zusammenhang hat es eine Freigabe der zuständigen Fachabteilung für das Video gegeben, so viel steht fest. Wer genau diese erteilt hat und nun unter Umständen zur Verantwortung gezogen wird, war Gegenstand von Ermittlungen der Konzernrevision. Die Ergebnisse dieser Untersuchung und etwaige Konsequenzen werden heute im Vorstand beraten. Für die Frage, wie ein solches Video entstehen und veröffentlicht werden konnte, haben sich die Ermittler auch die Arbeitsabläufe und Prozesse bei der Zusammenarbeit mit der verantwortlichen Werbeagentur Voltage/DDB genauer angesehen.

Neben menschlichem Versagen liegt eine weitere Ursache des Problems womöglich in genau diesen Strukturen. CMO Sengpiehl hat ein neues Agenturmodell etabliert und dabei immer wieder auf mehr Geschwindigkeit und geringere Kosten gepocht. Gleichzeitig hat sich die Anzahl der einzelnen Bausteine und Elemente in einer Kampagne wie der für den Golf 8 massiv erhöht, vor allem in digitalen Medien. In einem solchen auf Masse, geringe Kosten und Zeitdruck ausgerichteten Modell besteht die Gefahr, dass Kontrollmechanismen auf der Strecke bleiben.


Dass die Bekanntgabe der Vorstandsbeschlüsse auf Donnerstag (Fronleichnam und damit Feiertag in einigen Bundesländern) verschoben wird, dürfte nicht zuletzt damit zu tun haben, dass Volkswagen im Moment mehr als genug damit zu tun hat, die Wogen zu glätten, die die Entmachtung von Diess bei der Kernmarke VW aufgeworfen hat. Zusätzliche Brisanz ist dadurch entstanden, dass der Konzernchef Presseberichten zufolge bei einer Konferenz mit Führungskräften den Aufsichtsrat massiv kritisiert und einzelnen Mitgliedern des Kontrollgremums strafbares Verhalten vorgeworfen hat. Dafür hat er sich inzwischen offenbar entschuldigt. mam
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