PwC-Studie

Deutsche Unternehmen haben in puncto digitale Ethik noch Nachholbedarf

Nur 33 Prozent der Unternehmen stufen ihre Digitalisierung als weit fortgeschritten ein
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Nur 33 Prozent der Unternehmen stufen ihre Digitalisierung als weit fortgeschritten ein
In Zeiten von Künstlicher Intelligenz, den GAFA-Riesen und intelligenten Algorithmen spielt das Thema digitale Ethik eine immer größere Rolle. Einer Erhebung von PwC zufolge ist der Trend zu mehr digitaler Verantwortung allerdings erst in jedem zweiten deutschen Unternehmen angekommen. Noch schlechter sieht es allgemein in Bezug auf den Stand der Digitalisierung aus.
Nur 33 Prozent der insgesamt 300 befragten Unternehmen ab einer Größe von 50 Mitarbeitern glauben demnach, dass sie in Sachen Digitalisierung gut aufgestellt sind. Sehr zufrieden sind die Entscheider dagegen mit ihrer Aufstellung hinsichtlich Datenschutz und Datensicherheit (82 Prozent). Der Verdacht liegt also nahe, dass bei den Unternehmen, die sich in puncto Digitalisierung selbst positiv bewerten, der Fokus noch zu stark auf dem Schwerpunkt Datenschutz und technischer Umsetzung liegt.


"Den meisten Unternehmen fehlt eine ganzheitliche Sichtweise auf das Thema digitale Ethik. Sie unterschätzen, wie wichtig es für die Etablierung neuer digitaler Geschäftsmodelle ist, Vertrauen in die ethischen Standards bei Kunden, Mitarbeitern und Geschäftspartnern aufzubauen", mahnt Robert Paffen, Risk Consulting Leader bei PwC Europe und PwC Deutschland. "Eine erfolgreiche Transformation setzt voraus, dass Unternehmen Leitlinien formulieren, die es ermöglichen, Technologien nach hohen ethischen Standards zu entwickeln." Das bedeute etwa, dass sie nicht diskriminieren, den Datenschutz sowie die Privatsphäre sichern und zum Wohl von Menschen beitragen.
„Den meisten Unternehmen fehlt eine ganzheitliche Sichtweise auf das Thema digitale Ethik.“
Robert Paffen
Allerdings ist das Abschneiden der deutschen Unternehmen im Bereich der digitalen Ethik auch abhängig von der Branche, So stuft sich etwa die traditionell stark regulierte Pharmaindustrie mit 74 Prozent als gut aufgestellt ein. In der Konsumgüterbranche sehen sich nur 42 Prozent der Entscheider gut aufgestellt - damit stellt die Branche das Schlusslicht.

Aber worin liegen genau die Probleme? Als größte Herausforderungen hat das Beratungsunternehmen identifiziert, dass den Unternehmen das Personal mit den entsprechenden Kompetenzen fehlt (56 Prozent) sowie dass es unter den Mitarbeitern an Bewusstsein für die Bedeutung des Themas mangelt (51 Prozent). "Daran müssen Unternehmen dringend arbeiten. Firmen, die verantwortungsbewusst mit der Digitalisierung umgehen, treiben aktiv ihren Wandel voran. Sie verbessern die Beziehungen zu Kunden und anderen Stakeholdern", so Daniela Hanauer, Partnerin und Expertin für das Thema Risk Consulting bei PwC Deutschland. Und das habe dann direkte Auswirkungen auf die Qualität der Produkte und Services: "Kunden, die vertrauen, verhalten sich loyaler und sind eher bereit, Informationen zu teilen", so Hanauer. Bislang ist das Thema innerhalb der Unternehmen vor allem auf der Führungsebene angesiedelt, wie 59 Prozent der Befragten angeben. Einen speziellen Beauftragten für digitale Ethik haben bisher allerdings nur 19 Prozent der Unternehmen installiert. Dazu passt auch, dass die Verantwortlichen zwar die Relevanz des Themas erkennen, in der Praxis allerdings eher zögerlich an der Umsetzung arbeiten. Die Mehrheit setzt zwar die Richtlinie zum Datenschutz und Umgang mit personenbezogenen Daten um (78 Prozent) und hat Richtlinien zur Transparenz im Hinblick auf digitale Themen formuliert (57 Prozent). "Wenn Unternehmen allerdings wirklich Risiken minimieren und sich Wettbewerbsvorteile verschaffen wollen, brauchen sie eine umfassende Strategie zum verantwortungsvollen Umgang mit neuen Technologien", sagt Paffen.


Und genau daran hapert es bei den meisten Firmen: Lediglich 24 Prozent verfügen laut der PwC-Studie über ausformulierte Standards zu Fragen der digitalen Ethik, die als Leitplanke bei Unternehmensentscheidungen dienen können. Ein ebenso geringer Anteil hat eine ausformulierte Digitalstrategie mit Ausführungen zur digitalen Verantwortung. Wenn es um die Einhaltung der Regelungen geht, vertrauen 75 Prozent darauf, dass die Mitarbeiter Verstöße melden. 67 Prozent setzen auf Anlagen zum Arbeitsvertrag, 54 Prozent auf interne Schulungen.
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Bei der Etablierung eines digitalen Wertegerüstes vertrauen beziehungsweise warten 73 Prozent der Unternehmen derweil auf die Vorgaben des Gesetzgebers. Erst an zweiter Stelle nehmen Kunden (68 Prozent), an dritter Stelle Mitarbeiter (60 Prozent) Einfluss. "Die Bundesregierung ist bereits im Bereich der digitalen Ethik aktiv und hat eine Kommission installiert. Doch das entbindet Unternehmen keinesfalls von der Aufgabe, eigene Regeln und Standards zum verantwortungsvollen Umgang mit der Digitalisierung zu erstellen", betont Hanauer. Es gibt also noch viel zu tun. tt
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