Premium-Marke in Sinkflug?

Lufthansa kassiert künftig sogar für Tomatensaft ab

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Für Tomatensaft müssen Fluggäste der Lufthansa künftig bei innereuropäischen Flügen zahlen
© imago images / Rüdiger Wölk
Für Tomatensaft müssen Fluggäste der Lufthansa künftig bei innereuropäischen Flügen zahlen
Die Coronakrise macht der Lufthansa weiter schwer zu schaffen. Die mit Staatsgeldern gestützte Fluggesellschaft, die auch im dritten Quartal 2020 einen Verlust in Höhe von 1,3 Milliarden Euro einfuhr und den Abbau von bis zu 30.000 Stellen ankündigte, muss massiv sparen. Dass die Kranich-Airline damit Gefahr läuft, ihren Ruf als Premiummarke zu verlieren, zeigt die jüngste Ankündigung des Konzerns. So will die Lufthansa-Gruppe auf ihren Europaflügen die kostenfreie Verpflegung in der Economy-Klasse streichen.
Das Mediterranean Chicken Panini zu 5,50 Euro, dazu einen vollmundigen spanischen Tempranillo-Rotwein für 6 Euro und zum Nachtisch noch ein Snickers nebst Lavazza-Kaffee für schlappe 7 Euro - die Abkassiererei im Flugzeug kennen Passagiere bislang nur von Billigfliegern wie Ryanair, EasyJet & Co.


Ab kommendem Frühjahr wird auch die Lufthansa Fluggäste, die innerhalb Europas fliegen, für Snacks und Getränke zur Kasse bitten. Sogar für den allseits beliebten Tomatensaft müssen Fluggäste der Premium-Airline künftig zahlen. Das kündigte der Konzern am Dienstag an.

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Dass die Lufthansa, die aufgrund der Coronakrise insgesamt 9 Milliarden Euro Staatshilfen vorwiegend in Form von Krediten erhält, mit der Maßnahme ihre Kosten senken will, darüber verliert der Konzern in seiner offiziellen Mitteilung freilich kein Wort. Stattdessen heißt es, der Konzern reagiere mit der neuen Regelung, die bislang schon bei den Konzern-Gesellschaften Brussels Airlines und Eurowings galt und von März an auf Lufthansa, Swiss und Austrian ausgeweitet wird, auf das Feedback der Kunden. "Unser bisheriges Snackangebot in der Economy Class erfüllt häufig nicht die Erwartungen unserer Gäste", begründet etwa Vorstandsmitglied Christina Foerster den Schritt. Daher wolle die Lufthansa anstelle unbeliebter Sandwiches oder Schoko-Riegel nun höherwertige Produkte zum Kauf anbieten.


Einer Sprecherin zufolge sollen die neuen Produkte umweltfreundlicher und gesünder ausfallen. Gedacht sei beispielsweise an Salate, Bowls, und Müslis. Immerhin: Passagiere der Lufthansa und Swiss sollen künftig noch eine Flasche Wasser pro Flug kostenfrei erhalten.

Indem die Lufthansa die kostenlose Bordverpflegung auf innereuropäischen Flügen streicht, verzichtet sie auf einen Service, mit dem sie sich bislang von Billigairlines abheben konnte. So gab es bis zur Corona-Krise auf den Europa-Flügen der Netz-Airlines standardmäßig kostenfreie Getränke und je nach Flugdauer auch Snacks, Sandwiches oder kleine warme Gerichte. Nach Ausbruch der Pandemie hat die Lufthansa das Angebot aus hygienischen Gründen stark reduziert. Auf Flügen bis zu zwei Stunden gibt es derzeit kein Speisenangebot und nur eine eingeschränkte Getränkeauswahl. mas
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