PR-Aktion

Wien Tourismus provoziert mit Kampagne auf OnlyFans

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Nackte Haut mögen die Social-Media-Algorithmen nicht so gerne, nicht einmal bei Kunstwerken. OnlyFans hingeen schon
© Wien Tourismus/NHM Wien/Alice Schumacher
Nackte Haut mögen die Social-Media-Algorithmen nicht so gerne, nicht einmal bei Kunstwerken. OnlyFans hingeen schon
Bereits 2017 hatte der Wiener Tourismusverband eine viel beachtete Kampagne gestartet, um eine Diskussion über Kunstfreiheit im öffentlichen Raum und in sozialen Netzwerken anzustoßen. Nun will die Organisation daran anknüpfen: Um sich gar nicht erst der Gefahr von Löschung und Zensur auszusetzen, launcht der Verband eine neue Kampagne mit nackter Kunst gleich auf OnlyFans.
Die Plattform ist für Stars und Sternchen aus Entertainment und Erwachsenen-Unterhaltung zu einer dankbaren Anlaufstelle geworden, weil man dort zahlenden Abonnenten nicht jugendfreie Inhalte zur Verfügung stellen kann. Kürzlich wollten die Betreiber von diesem Geschäftsmodell abrücken, machten dann aber doch einen Rückzieher.

Die Positionierung der Plattform will sich Wien Tourismus nun zunutze machen, um einerseits die Debatte über die Standards in sozialen Netzwerken am Laufen zu halten, und um andererseits natürlich auf die reiche Kunsthistorie der österreichischen Hauptstadt aufmerksam zu machen. Auf dem OnlyFans-Kanal des Wiener Tourismusverbands sind explizite Werke von Künstler_innen wie Egon Schiele, Valie Export, Amedeo Modigliani und Peter Paul Rubens zu sehen, auch die nackte Venus von Willendorf wird digital ausgestellt. Wer den Kanal abonniert, erhält eine Vienna City Card oder eine Eintrittskarte für eines der vorgestellten Museen, in denen die Kunstwerke zu sehen sind. Entwickelt wurde die Aktion gemeinsam mit Jung von Matt/Donau.

"In den sozialen Medien bestimmen Algorithmen, wie viel Nacktheit gezeigt werden darf, und zensieren dabei nicht selten weltberühmte Kunstwerke", sagt WienTourismus-Direktor Norbert Kettner. "Wir stellen daher die Frage, wie viel Nacktheit wir aushalten und wer bestimmen kann, was wir als anstößig empfinden. In der Kulturmetropole Wien lässt sich die Frage beantworten: Aktkunst ist gesellschaftspolitisch und künstlerisch Teil der Kulturgeschichte." Laut den Community-Standards von Facebook sind "Fotos von Gemälden, Skulpturen und anderen Kunstformen gestattet, die nackte Personen oder Figuren zeigen". In der Praxis sind jedoch immer wieder Kunstwerke entfernt worden, die zu viel nackte Haut zeigten - darunter auch die Venus von Willendorf. Der Wiener Tourismusverband kann auch selbst ein Lied davon singen: Die Bewerbung der OnlyFans-Aktion auf Twitter wurde nach Darstellung der Behörde komplett untersagt, Facebook und Instagram erlaubten nur einige Sujets, andere wurden mit der Begründung von "übermäßig nackter Haut" und "Erwachsenenunterhaltung" abgelehnt.

Wie gut, dass OnlyFans nach wie vor Inhalte für Menschen ab 18 erlaubt. In Wien hält man die Plattform jedenfalls offensichtlich nicht nur für ein wichtiges Marketing-Instrument. In einer Mitteilung des Tourismusverbands heißt es, mit OnlyFans habe "die Kunst endlich ihre Freiheit gefunden." ire
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