Plagiats-Vorwurf

So abgebrüht reagiert Lidl auf die Vorwürfe von Lemonaid

Lemonaid legt sich mit Lidl an
© Lemonaid
Lemonaid legt sich mit Lidl an
Nachdem Lemonaid vor wenigen Tagen eine Art Limo-Krieg mit Lidl angezettelt hat, gibt es nun auch eine erste Reaktion des Discountriesen aus Neckarsulm. Angesichts der Historie - Lidl verhält sich Pressevertretern gegenüber traditionsgemäß gerne zugeknöpft - war absehbar, dass keine ausführliche Stellungnahme folgen würde. Das Statement fällt diesmal aber derart mager aus, dass es mehr Fragen aufwirft als Antworten gegeben werden.
Zur Erinnerung: Lemonaid hatte Lidl am Dienstag mit einem Plagiatsvorwurf konfrontiert. In einem offenen Brief an Lidl-Chef Jesper Hojer warf Lemonaid-Gründer Paul Bethke dem Discounter vor, bei seinen drei neuen "Limo"-Sorten bei Lemonaid abgekupfert zu haben. Und zwar sowohl bei den Geschmacksrichtungen als auch beim Design der Flaschen.

Limo-Streit: Mit diesen Motiven attackiert Lemonaid Lidl


Ein Vorwurf, der beim Vergleich der Lemonaid-Flaschen mit denen von Lidl mehr als berechtigt erscheint, wie auch eine Umfrage unter HORIZONT-Online-Lesern zeigt, die mehrheitlich auf der Seite von Lemonaid stehen (siehe Opinary-Abstimmung unten).
Und was sagt Lidl dazu? Nicht viel. Der Discounter ist allerdings bemüht, die Kuh vom Eis zu kriegen. Ein Sprecher teilt auf Anfrage von HORIZONT Online mit, dass es sich bei der Limonade um ein Aktionsprodukt handele, das Mitte Juli "für einen begrenzten Zeitraum in einigen Regionen Deutschlands erhältlich war". Mittlerweile werde die Limo nicht mehr in den Filialen angeboten.

Viel Rauch um nichts also? Das ist unklar. Denn wirklich interessant ist, was Lidl indirekt zum Plagiatsvorwurf sagt. Und zur Anschuldigung, anders als Lemonaid nicht Bio- und Fairtrade-Zutaten, sondern künstliche Inhaltsstoffe zu verwenden: "
Mit dem Design unseres Produkts haben wir dem Wunsch des Kunden nach einer modernen, ansprechenden Verpackung entsprochen, die verwendeten Zutaten deklarieren wir deutlich auf der Flasche", teilt der Konzern mit. 

Eine Antwort, die durchaus weitere Fragen aufwirft. Zum Beispiel, warum Lidl in die Entwicklung eines neuen Produktes investiert, um es dann nur für einige Wochen in die Regale zu stellen? Oder ob Lidl plant, das "Aktionsprodukt" möglicherweise doch dauerhaft anzubieten, falls die Abverkaufszahlen im Aktionszeitraum zufriedenstellend waren. Womit die Kuh wieder aufs Eis zurückschlittern würde. Doch dazu äußert sich Lidl nicht. "Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns grundsätzlich nicht zu Abverkaufszahlen und zur zukünftigen Sortimentsgestaltung äußern", heißt es lapidar aus der Pressestelle. 

Die Lemonaid-Macher, die immer noch vergeblich auf die Antwort von Lidl warten, werden daher weiterhin die Augen offen halten und gegebenenfalls erneut an die Öffentlichkeit gehen müssen, falls Lidl seine Limo doch wieder anbietet. Ganz unrealistisch ist das nicht. Der Konzern hat bereits bewiesen, dass er Konflikte mit Start-ups nicht scheut. In Spanien etwa wurde Lidl kürzlich wegen einer Patentrechtsverletzung verklagt. mas


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