Peinliche Tinder-Kampagne

Shitstorm über Weight Watchers / Testimonial Paul Ripke beendet Zusammenarbeit

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Paul Ripke beendet die Zusammenarbeit mit Weight Watchers
© IMAGO / eventfoto54
Paul Ripke beendet die Zusammenarbeit mit Weight Watchers
Weight Watchers steht seit dem Wochenende massiv in der Kritik: Für eine Werbeaktion auf Tinder platzierte Weight Watchers den Fotografen und Podcaster Paul Ripke mit einem täuschend echten Profil in der Dating-App. Frauen, die Ripke mit einem Wisch nach rechts matchten, bekamen jedoch keine netten Nachrichten von dem Fotografen - sondern Diättipps von Weight Watchers. Das sorgte für Empörung im Netz - und bei Paul Ripke. Der hat jetzt die Partnerschaft mit dem Unternehmen beendet.
Diese Werbeaktion ging nach hinten los: Zahlreiche Tinder-Nutzerinnen und -Nutzer haben in den vergangenen Tagen das authentisch wirkende Profil des ganz nebenbei noch verheirateten Promi-Fotografen Paul Ripke auf der Plattform entdeckt. Der 41-Jährige stellte sich dabei als angehender Meisterkoch, Fotograf und Podcaster mit "Bock auf Abwechslung" - in der Küche versteht sich - vor. Ein Hobbykoch auf Suche nach Gesellschaft am Schneidebrett und Kochlöffel.

Das vermeidliche Tinderprofil von Paul Ripke
© Kim Hoss
Das vermeidliche Tinderprofil von Paul Ripke
Wem das gefiel und mit Ripke matchte, dem flatterte prompt eine Nachricht im privaten Chat zu: "Du + gesunde Gewohnheiten = ❤️ Ich bin schon länger dabei und habe endlich zu mir und meiner Mitte gefunden. Du sehnst dich auch nach Inspiration und Support auf deiner Reise zu mehr Balance und einem gesunden Lebensstil? Melde dich jetzt bei Weight Watchers an und komme auf den Geschmack neuer Gewohnheiten". Der eingefügte Link führte die Frauen direkt zum Diätprogramm von Weight Watchers. Im Chat hieß es dann anstatt eines netten Plauschs mit Paul Ripke: "Dein Match mit Weight Watchers".

Post von Weight Watchers statt vom Fotografen Paul Ripke flatterten in den Chat
© Steffen Geldner
Post von Weight Watchers statt vom Fotografen Paul Ripke flatterten in den Chat


Der Clou: Ripke selbst bemerkte laut eigener Aussage erst einmal nichts davon. Bis die Podcasterin Kim Hoss ihn und das Netz auf die ungewöhnliche Weight-Watchers-Werbung auf Tinder aufmerksam machte. In ihrer Instagram-Story teilte sie die Reaktionen von Frauen, die die entsprechende Nachricht vom angeblichen Paul Ripke erhalten hatten und kritisierte die Aktion zurecht als "übergriffig". Andere Frauen schlossen sich der Kritik an und schrieben etwa von "systematischer Herabwürdigung". Auch konnten einige Nutzerinnen das ungewollte Match mit Weight Watchers in der App nicht mehr auflösen.

Die Flutwelle an wütenden Kommentaren und Darstellung der Betroffenen erreichten schließlich auch Paul Ripke. In einem Statement entschuldigte sich der Podcaster und erklärte, dass in der Aktion sowohl ein anderes Foto als auch ein anderer Text verwendet wurde, als es ihm bekannt war. Zudem habe er Weight Watchers gebeten, die Kampagne umgehend zu stoppen - nach drei Tagen online ist dies dann auch geschehen. Weiterhin erklärte Ripke: "Selbstverständlich war die Werbung als solche deklariert und es wurden nicht nur mehrgewichtige Frauen angesprochen. Dennoch war die ganze Werbung, die WW da geschaltet hat, eine dumme Idee, weil einzig und allein relevant ist wie Tinder-Nutzerinnen das aufnehmen und das war nicht ok."

Paul Ripke postete das Statement am Montag in seiner Instagram Story
© Paul Ripke
Paul Ripke postete das Statement am Montag in seiner Instagram Story


In Zukunft will der 41-Jährige nun genauer hinschauen, wenn mit seinem Namen geworben wird. Seine Zusammenarbeit mit Weight Watchers beendete er mit Wirkung zum Jahresende. Weight Watchers selbst meldete sich daraufhin mit einem eigenen Statement auf Instagram zur Wort, in dem das Unternehmen alle, die sich durch ihre Werbung verletzt fühlten, um Entschuldigung bat.

Doch wie kam das Unternehmen überhaupt auf die absurde Idee, mit einem falschen Profil und im Namen eines Markenbotschafters - dessen Einverständnis man wohl nicht einmal hatte - für sein Diätprogramm zu werben? Die Antwort von Weight Watchers: Man wollte einen neuen Werbekanal ausprobieren. Nach den wütenden Reaktionen hätte man aber erkannt, wie unsensibel die Aktion gewesen sei und "dass diese Art der Werbung gar nicht erst hätte geschaltet werden dürfen". Jetzt wolle man diesen Fehler aufarbeiten und  "kurzfristig wie zukünftig weitere Konsequenzen ziehen." jl
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